Gorilla Doctors
Non-Profit-Organisation, die sich veterinärmedizinisch für den Schutz des Östlichen Gorillas einsetzt
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Gorilla Doctors ist eine Non-Profit-Organisation, die sich der Rettung der vom Aussterben bedrohten Östlichen Gorillas (Gorilla beringei) durch veterinärmedizinische Betreuung und einem One-Health-Ansatz widmet. Sie wurde 1986 als Mountain Gorilla Veterinary Project (MGVP) gegründet. Stand 2024 betreute die Organisation über 60 Gorillagruppen mit rund 800 an den Menschen gewöhnten Östlichen Gorillas in fünf Nationalparks in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo.
| Gorilla Doctors | |
|---|---|
| Rechtsform | 501(c)(3) organization |
| Gründung | 1986 |
| Gründer | James Foster[1] |
| Sitz | Vereinigte Staaten |
| Vorsitz | Jan Ramer[2] |
| Geschäftsführung | Kirsten Gilardi |
| Website | www.gorilladoctors.org |



Entstehung und Organisation
Die Lebensweise der Berggorillas untersuchte ab 1959 erstmals der US-Amerikaner George Schaller. 1967 begann die fast zwei Jahrzehnte dauernden Freilandstudien von Dian Fossey. Diese engagierte 1985 den Tierarzt James Foster als ersten „Gorilla-Doktor“ für ihre 1967 in Ruanda gegründete Forschungsstation, dem Karisoke Research Center.[1][3] Nur wenige Wochen nach ihrer Ermordung gründete Foster 1986 das Mountain Gorilla Veterinary Project (MGVP) mit finanzieller Unterstützung der Morris Animal Foundation (MAF) in Colorado.[4][3] Nach seinem Tod wurde von 1998 bis 2019 der Tierarzt Michael Cranfield Geschäftsführer der Organisation und baute das Projekt aus.[5][6][7] Anschließend wurde Kirsten Gilard Geschäftsführerin.[8] MGVP hatte seinen Sitz im Maryland Zoo bis 2009, als MGVP eine Partnerschaft mit dem Wildlife Health Center der University of California, Davis School of Veterinary Medicine einging und zu Gorilla Doctors wurde. Der Maryland Zoo bewahrt jedoch weiterhin Blut- und andere genetische Proben aus dem Projekt in seiner Kryobank auf.[6][9][10]
Der regionale Hauptsitz der Gorilla Doctors in Afrika befindet sich in Musanze in Ruanda.[11][8] Eine Quarantäneeinrichtung befindet sich in Kinigi, Ruanda.[12] Am 31. Januar 2024 wurde in Musanze zudem das Michael Cranfield Regional One Health Laboratory eröffnet, um bei Probenentnahmen innerhalb von 24 Stunden die Ursache einer Erkrankung diagnostizieren zu können. Stand 2024 betreute Gorilla Doctors über 60 Gorillagruppen mit rund 800 an den Menschen gewöhnten Östlichen Gorillas in fünf Nationalparks in drei Ländern.[13]
Verbreitung und Populationsentwicklung des Östlichen Gorillas
Der Östliche Gorilla (Gorilla beringei) ist eine von zwei Arten der Gattung der Gorillas. Er wird von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft und teilt sich wiederum in zwei Unterarten: den Berggorilla (Gorilla beringei beringei) und den Östlichen Flachlandgorilla oder Grauergorilla (Gorilla beringei graueri). Letzterer lebt im Kahuzi-Biega-Nationalpark im Osten der Demokratischen Republik Kongo, während das Verbreitungsgebiet der Berggorillas sich zum einen im Bwindi Impenetrable National Park in Uganda befindet und zum anderen in der Region der Virunga-Vulkane, die am Dreiländereck der DR Kongo im Westen, Uganda im Norden und Ruanda im Osten liegt. Dort grenzen auch die Nationalparks der drei Länder aneinander: der Virunga-Nationalpark in der DR Kongo, der Mgahinga-Gorilla-Nationalpark in Uganda und der Vulkan-Nationalpark in Ruanda.[14]
Die erste vollständige Zählung der Virunga-Berggorillas wurde 1971 durchgeführt und lag bei 275 Tieren. Im Laufe des folgenden Jahrzehnts ging die Population durch die Zerstörung von Lebensraum und Wilderei auf 254 Gorillas zurück. In den 1980er Jahren konnte man einen Populationszuwachs beobachten, der auf den intensivierten und vielschichtiger aufgebauten Naturschutz zurückgeführt wurde.[15] Dennoch wurde die Unterart ab 1996 von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft.[14] 2003 wurden 380 Berggorillas gezählt[15] und 2015–2016 bestätigte eine Untersuchung eine Population der Virunga-Berggorillas von über 600 Individuen, wodurch die Gesamtpopulation wieder auf etwa 1000 Berggorillas angewachsen war. Die andere Unterart, der Östliche Flachlandgorilla, verzeichnet dagegen weiterhin einen starken Populationsrückgang, der insbesondere auf Wilderei für Buschfleisch und Handel im politisch unsicheren Ostkongo zurückgeht. Während die Population früher auf etwa 16.900 Tiere geschätzt wurde, so wird inzwischen davon ausgegangen, dass die Zahl innerhalb einer Generation um 77 % auf 3.800 Tiere gesunken ist und weiter jährlich um 5 % zurückgeht.[14]
Zielsetzung
Gorilla Doctors arbeitet mit den jeweiligen Behörden der drei afrikanischen Länder zusammen, darunter das Institut Congolais pour la Conservation de la Nature (ICCN), die Uganda Wildlife Authority (UWA) und das Rwanda Development Board (RDB). Die Organisation betreut verschiedene Gruppen der Östlichen Gorillas veterinärmedizinisch und verfolgt einen One-Health-Ansatz, der auf die Zielsetzung von PREDICT, einem bis 2020 bestehenden Programm der United States Agency for International Development (USAID) zurückgeht. Dieses diente der Prävention von Epidemien, die durch Krankheitsübertragung von Tieren entstehen können. Gorilla Doctors arbeitete mit PREDICT zusammen, indem es Wildtierpathogene untersuchte, die sowohl für Menschen als auch für Gorillas gefährlich sein könnten.[10] Wegen des One-Health-Ansatzes werden von Gorilla Doctors auch Gesundheitsinitiativen für andere Wildtiere, die sich die Parks mit den Gorillas teilen, für domestizierte Tiere in den angrenzenden Gebieten sowie für Menschen, die Kontakt zu den Gorillas haben, wie zum Beispiel Fährtenleser, Touristenführer und Träger, verfolgt.[16]
Regulierter Ökotourismus ist durch die daraus entstehenden Einnahmen eine Schlüsselstrategie für den Schutz der Östlichen Gorillas, jedoch stellt die Übertragung von Krankheiten wie Atemwegsviren vom Menschen auf Menschenaffen ein großes Problem dar. Dennoch weisen Berggorillas, die von Forschern und Touristen besucht werden und damit dem Risiko einer Krankheitsübertragung ausgesetzt sind, höhere Populationswachstumsraten auf als nicht an Menschen gewöhnte Gorillas. Es wird vermutet, dass dies auf die kontinuierliche Überwachung der Gorillas zurückzuführen ist, die zu einem frühen Eingreifen bei Problemen und damit einem besseren Schutz führt.[14][15]
Bekannte Gorilla Doctors
Bekannte Gorilla Doctors sind unter anderem:
- Michael Cranfield, Geschäftsführer von 1998 bis 2019
- James Foster, Gründer[3]
- Antoine Mudakikwa, ab 1995 erster ruandischer Feldtierarzt für Gorilla Doctors[17][13]
- Olivier Nsengimana, Gründer der Rwanda Wildlife Conservation Association[18]
Siehe auch
Literatur
- Gorilla Doctors: Liste von Veröffentlichungen (englisch)
- Michael Cranfield, Jan Ramer: Chapter 11 - Gorilla Doctors: A One Health/Conservation Medicine Success Story. In: Fowler' s Zoo and Wild Animal Medicine Current Therapy. Band 10, 2023, S. 61–66, doi:10.1016/B978-0-323-82852-9.00011-3 (englisch).
- Pamela S. Turner: Gorilla Doctors: Saving Endangered Great Apes. Clarion Books, 2008, ISBN 978-0-547-01433-3 (englisch).
Weblinks
- Offizielle Website. (englisch).
- Nina Strochlic: Meet the Vets Risking Their Lives to Treat Wild Gorillas. National Geographic (englisch).
- Marcus Westberg: Gorilla Doctors. In: africageographic.com. 9. November 2018 (englisch).