Gottfried Hensel
Dt. ev. Theologe, Philologe, Mathematiker und Pädagoge; Schüler in Lauban, Görlitz und Breslau; 1707 Student in Wittenberg; Hofmeister; 1714 Lehrer und 1728 Rektor in Goldberg; 1732-1765 Rektor in Hirschberg
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Gottfried Hensel (* 1687 in Hirschberg im Riesengebirge; † 1765[1]) war ein deutscher Sprachwissenschaftler, Priester und Kartograf sowie Rektor in Hirschberg im Herzogtum Schweidnitz-Jauer.[2]
Leben

Gottfried Hensel wurde als Sohn des Pfarrers Gottfried Hensel (1620–1694)[1] geboren. Im Jahre 1741 verfasste er seine Synopsis Universae Philologiae, ein Werk, das alle Sprachen der Welt mit den jeweiligen Schreibsystemen vorstellen sollte. Es wurde in Nürnberg im Auftrag der Firma Homannsche Erben veröffentlicht. In Anlehnung an die von Platon im Kratylos dargelegte Theorie vertritt Hensel darin die Auffassung, dass jeder Buchstabe eine natürliche und inhärente Bedeutung (lateinisch Valor naturalis atque internus) hat, durch die es möglich ist, materielle Objekte, aber auch abstrakte Konzepte metaphorisch darzustellen. Die natürlichen Bedeutungen, die Hensel den einzelnen Buchstaben des Hebräischen Alphabets zuschreibt, wurden von Caspar Neumann aufgegriffen, aber schließlich auf der Grundlage expliziter phonosymbolischer Begründungen systematisch erklärt.[3] Mit diesem Werk war er Vorreiter der Vergleichenden Sprachwissenschaft.
Hensel veröffentlichte 1741 den Atlas “Europa Polyglotta” mit den Landkarten der Kontinente. Er ist die wahrscheinlich älteste Sprachatlas-Karte der Welt. Auf ihr verzeichnete er – nach seinem Kenntnisstand – alle an ihrem jeweiligen Ort gesprochenen Sprachen sowie die erste Zeile des Vaterunser in der jeweiligen Landessprache. Die Karte von Gottfried Hensel ist nur ein Beispiel dafür, wie sich deutsche Gelehrte das Format der Weltkarten zunutze gemacht haben, um ihre eigenen Forschungsgebiete darzustellen und aus einem neuen Blick analysieren zu können.[4]