Gottfried Jonathan von Harttmann

deutscher Diplomat, Gesandter und Archivar From Wikipedia, the free encyclopedia

Gottfried Jonathan von Harttmann (* 23. Oktober 1775 in Cannstatt; † 15. März 1849 in Stuttgart) war ein deutscher Diplomat und Archivar. Harttmann wurde königlich württembergischer Gesandter im Königreich Preußen und Bundestagsgesandter in Frankfurt am Main. Er war von 1836 bis 1845 Direktor des königlichen Staats- und Hausarchivs in Stuttgart.

Leben

Familie

Gottfried Jonathan von Harttmann war der älteste Sohn des lutherischen Theologen Karl Friedrich Harttmann (* 4. Januar 1743; † 31. August 1815). Sein Vater war Professor an der Karlsschule in Stuttgart, wo unter anderem Friedrich von Schiller einer seiner Schüler war, und später Pfarrer und Dekan in Blaubeuren, Neuffen und in Lauffen am Neckar. Er heiratete am 30. August 1774 in Cannstatt in erster Ehe Johanna Elisa Beckh (* 30. Oktober 1750 in Cannstatt; † 2. März 1781 in Illingen), eine Tochter des Cannstatter Bürgermeisters und Landschaftsassessors Gottfried Beckh und Mutter von Gottfried Jonathan.[1][2]

Johanna Elisabeth Harttmann (* 3. Dezember 1783 in Kornwestheim; † 7. Dezember 1845 in Kirchhausen), seine jüngere Halbschwester aus einer späteren Ehe seines Vaters, heiratete im Jahre 1800 den lutherischen Theologen Ernst Gottlieb Bengel (* 1769; † 1826).[1]

Beruflicher Werdegang

Harttmann studierte von 1795 bis 1800 Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen, wo er 1801 an der juristischen Fakultät bei Christian Gottlieb Gmelin mit der Dissertation D. inaug. de graviori causa, in quam a debitore ex pluribus causis solutio facta esse praesumitor zum Doktor beider Rechte promoviert wurde.[3] Gmelin besorgte später auch die Herausgabe des Werkes. Nach einer kurzen Tätigkeit als Hofgerichtsadvokat am herzoglichen Hofgericht zu Tübingen, wurde er im Frühjahr 1803 württembergischer Komitialgesandter beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg.[4][5]

Bereits ein Jahr später wurde Harttmann Legationssekretär an der württembergischen Gesandtschaft in Wien, wo er 1807 zum Legationsrat und Geschäftsträger ernannt wurde. Im Mai 1809 erhielt er seine Versetzung als Vortragender Rat beim Department für auswärtige Angelegenheiten in Stuttgart. Zu Beginn der Befreiungskriege arbeitete er für kurze Zeit im russisch-österreichischen Hauptquartier, nun mit der Rangerhöhung als Geheimer Legationsrat.[5] Ab Herbst 1814 gehörte Harttmann, zusammen mit Franz Josef Ignaz von Linden und Georg Ernst Levin von Wintzingerode, zur württembergischen Delegation während des Wiener Kongresses.[6] Er arbeitete dort unter anderem in der Kommission zur Vorbereitung einer Verfassung des Deutschen Bundes, der späteren Bundesakte.

Am 4. November 1816 wurde Harttmann zum Geschäftsträger der württembergischen Vertretung in Berlin im Königreich Preußen ernannt, eine der ersten Amtshandlungen des neugekrönten Königs Wilhelm I. von Württemberg.[5] In seinen umfangreichen Korrespondenzen aus der preußischen Hauptstadt berichtete er über die Vorbereitungen zur Organisation der Militärangelegenheiten des Deutschen Bundes, die französischen Forderungen nach Verminderung der preußischen Truppen in Frankreich, die Regulierungen der römisch-katholischen Beziehungen zum Papst sowie die Aufhebung der Zollstätten in Preußen aber auch die neuesten Hofnachrichten.[7] Seine Tätigkeit endete bereits nach wenigen Wochen mit der Akkreditierung von Friedrich von Phull.

1825 erfolgte seine Berufung zum Vorsitzenden des Ministerialrates beim Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, womit Harttmann gleichzeitig zum Stellvertreter des Außenministers ernannt wurde. Er war außerdem seit 1818 nebenberuflich Mitglied im Lehnrat, dessen Vorsitz er von 1824 bis 1830 übernahm. Ab 1831 war er Direktor der Zensurkommission, eine Einrichtung die nach den Karlsbader Beschlüssen geschaffen wurde und die dem Außenministerium unterstellt war. 1833 und 1834 war Harttmann württembergischer Vertreter bei den Wiener Ministerialkonferenzen und außerordentliches, später ordentliches, Mitglied des Geheimen Rates. Als solcher vertat Harttmann auch den Außenminister in der Württembergischen Ständeversammlung.[5]

1836 wurde er zum württembergischen Außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister bei der Bundesversammlung des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main ernannt.[8] Ab Juli 1836 war er außerdem Direktor des königlichen Staats- und Hausarchivs in Stuttgart, als Nachfolger von Karl Philipp von Kauffmann. Im März 1845 beantragte er seine Pensionierung, die November 1845 mit der Auflage gewährt wurde, ihn bei wichtigen Angelegenheiten weiterhin konsultieren zu können.[5]

Gottfried Jonathan von Harttmann starb am 15. März 1849 morgens 10 Uhr in Stuttgart, im Alter von 73 Jahren, an den Folgen von Brustwassersucht.[9] Seine Ehefrau Wilhelmine Konstanze Regina (* 1779), eine geborene Kirschbaum, starb bereits 1839. Beide heirateten am 17. Februar 1817 in Waiblingen. Die Beziehung blieb kinderlos, allerdings brachte seine Frau einen Sohn aus erster Ehe mit in die Familie.[5]

Ehrungen und Titel

Im Mai 1809 wurde Harttmann mit dem württembergischen Zivilverdienstorden ausgezeichnet. Damit verbunden war eine Nobilitierung in den persönlichen Adelsstand des Königreiches Württemberg.[10] Am 31. Dezember 1827 erhielt er den Rang und Titel eines württembergischen Staatsrates. Für seine Verdienste wurde ihm 1829 der Orden der Württembergischen Krone und 1841 der württembergische Friedrichs-Orden verliehen. Mit seiner Versetzung in den Ruhestand 1845, ernannte ihn König Wilhelm I. von Württemberg zum Ehrenmitglied des Geheimen Rates mit dem Titel Exzellenz.[5]

Harttmann war ehrenamtliches Mitglied im Vorstand des Gustav-Adolf-Vereins in Stuttgart.[11]

Literatur

  • Johann Jakob Gradmann: Das gelehrte Schwaben oder Lexicon der jetzt lebenden schwäbischen Schriftsteller; voraus ein Geburtstags-Almanach und hintennach ein Ortsverzeichniß. Selbstverlag, Ravensburg 1802, Seite 210, (Digitalisat.)
  • Stuttgart den 15. März 1849. (Todesanzeige) In: Schwäbische Kronik. Des Schwäbischen Merkurs zweite Abtheilung III. Blatt. Nr. 65, Ausgabe: Stuttgart / Samstag, 17. März 1849, Seite 463.
  • Gottlieb Friedrich Harttmann: Karl Friedrich Harttmann, ein Charakterbild aus der Geschichte des christlichen Lebens in Süddeutschland. Verlag der Osianderschen Buchhandlung, Tübingen 1861, (Digitalisat.)
  • Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. Sauer, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, Seite 423.
  • Johannes Renz: Harttmann, Gottfried Jonathan (von). In: Nicole Bickhoff (Bearb.): Gestatten, Exzellenzen. Die württembergische Gesandtschaft in Berlin. Landesarchiv Baden-Württemberg / Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-17-026342-0, Seite 76–77.

Einzelnachweise

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