Gotthold Pahlitzsch

deutscher Verfahrensingenieur, Betriebswissenschaftler und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Walther Gotthold Pahlitzsch (* 19. April 1903 in Dresden; † 30. November 1992 in Braunschweig) war ein deutscher Verfahrensingenieur, Betriebswissenschaftler und ordentlicher Professor für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik.

Leben, Ausbildung und Beruf

Gotthold Pahlitzsch war der Sohn des Lehrers Adolf Pahlitzsch. Nach Besuch des König-Georg-Gymnasiums in Dresden und bestandenem Abitur 1922 arbeitete er kurze Zeit als Praktikant in den dortigen Eisenbahnwerkstätten[1] und begann im Wintersemester sein Studium der Betriebswirtschaft[2] an der Technischen Hochschule Dresden, das er über Arbeit bei der Reichsbahn und mit Hilfe einer Begabtenbeihilfe der Stadt Dresden finanzierte; dabei legte er die Führerprüfung für Güterzüge ab. Das Studium schloss er als Betriebsingenieur mit dem Titel Dipl.-Ing. ab. Bereits während seines Studiums wandte er sich Ewald Sachsenberg zu, der auch seine Diplomarbeit Umstellung einer bereits eingerichteten Tätigkeit für Kopfhörer betreute.[1]

Pahlitzsch nahm eine Tätigkeit in einer Farbenfabrik in Elberfeld auf und war von 1927 bis 1928 Betriebsleiter der Wülfing AG in Wuppertal-Vohwinkel, ging aber 1928 wieder zurück an die Universität und wurde 1929 Assistent bei Sachsenberg. Am Institut leitete er bis 1934 das Versuchsfeld für Werkzeugmaschinen am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen der TH Dresden und das Prüffeld für Verpackungen. Seine Dissertation zur Erlangung des Doktor-Ingenieur-Grades im Jahr 1932 behandelt das Rotationskernbohren in Kalkstein.[1]

Im Jahr 1934 wechselte Pahlitzsch erneut in die Industrie; er arbeitete in Dessau in höheren Positionen in der Flugmotorenproduktion bei Junckers und bei den Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau.[2] Bis 1936 war er Hauptabteilungsleiter der Junckers Motorenbau GmbH und von 1936 bis 1937 Betriebsdirektor der Deutschen Werkstätten AG. Er schloss sich der SA an.[3]

Im Jahr 1937 war er wieder zurück im akademischen Betrieb; im Mai wurde er an der Technischen Universität Braunschweig kommissarischer Leiter und im August außerordentlicher Professor der TH.[2] und von 1950 bis 1971 Inhaber des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb sowie für Feinmechanische Fertigung an der TH bzw. TU. Zusätzlich zu seinen Lehrverpflichtungen war Pahlitzsch von 1945 bis 1948 Technischer Direktor bei Voigtländer in Braunschweig und Mitglied im Vorstand.[4]

1971 wurde Gotthold Pahlitzsch emeritiert.[4] Gotthold Pahlitzsch war evangelisch, verheiratet mit Erika Pahlitzsch, geborener Kater, und hatte zwei Söhne (Andreas und Roland).

Forschungsgebiete und Leistungen

Pahlitzschs Forschungen zu Feinbearbeitung von Werkstücken, namentlich zum Zerspanen und zum Schleifen waren von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der Produktionstechnik. Verschiedene Methoden der Metallbearbeitung wie Elektroerosion, Bearbeitung durch Elektronenstrahlen und Laserstrahlen wurden von ihm untersucht. Werkstoffe, die der Bearbeitung schwer zugänglich sind, wie Glas, Beton, Keramik bezog er in seine Untersuchungen mit ein.[4] Dazu stand ihm ein damals in Deutschland einzigartiges Versuchsfeld für Schleiftechnik zur Verfügung. Das Reichsamt für Wirtschaftsausbau erteilte ihm einen Forschungsauftrag zum Konditionieren von Schleifscheiben und weitere als kriegswichtig eingestufte Aufträge.[1] Zu einigen Projekten gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Beihilfen.[5] Das zweite wichtige Arbeitsgebiet von Pahlitzsch war die Holzbearbeitung. Im Jahr 1952 richtete er ein Prüffeld für Holzbearbeitung und Holztechnologie ein und war damit in der Bundesrepublik Deutschland Vorreiter auf diesem Gebiet.[4][2] In der Holzverarbeitung war der Abbund vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mechanisiert. Bereits früh (1950) beschrieb Pahlitzsch eine längs eines Schienenstranges angeordnete Reihe einer Kombination aus Kreissäge und Fräsmaschine für den Holzhausbau in Serie und ähnliche Zwecke.[6] Allein bis 1985 hatte er über 400 Fachveröffentlichungen vorzuweisen. Er arbeitete auch mit an Werk Hütte und Betriebs-Hütte, zu dem er den Abschnitt Holzbearbeitung und -maschischen beitrug.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Der Zerspanungsvorgang beim Rotationskernbohren von Kalkstein mittels Diamantbohrkronen. VDI-Verlag, Berlin 1933. (Dissertation)
  • Werkstoffabtrag mittels Elektronenstrahlen. VDI-Verlag, Düsseldorf 1966 (mit Andreas Visser)
  • Feindrehen von unlegierten Kohlenstoffstählen. VDI-Verlag, Düsseldorf 1965 (mit Reinhard Dorhöfer)

Mitgliedschaften und Ehrungen

Literatur

  • Franz Kollmann: Prof. Dr.-Ing Dr.-Ing e.h. Gotthold Pahlitzsch 60 Jahre. In: Holz als Roh- und Werkstoff. Bd. 21, Nr. 6, 1963, ISSN 0018-3768, S. 234.
  • Pahlen, Gotthold. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 927.
  • Günter Spur: In memoriam Gotthold Pahlitzsch. In: Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb, Bd. 88, Nr. 2, 1993, ISSN 0947-0085, S. 50
  • Pahlitzsch (Karl Walter) Gotthold. In: Waltraud Voss, Anja Musiol: Biographisches Lexikon der frühen Promovenden der TU Dresden (1900–1945) – Bd. 2., M-Z. Hochschule Merseburg, 2019, ISBN 978-3-948058-09-8, S. 744–746 (Veröffentlichung des Universitätsarchivs der Technischen Universität Dresden). Digitalisat, PDF-Dokument

Einzelnachweise

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