Grabstein des Vellaunus
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Der Grabstein des Vellaunus ist ein römischer Reitergrabstein, der in Bonn gefunden wurde und ins 1. Jahrhundert n. Chr. datiert wird.

Das Original befindet sich im LVR-Landesmuseum Bonn (Inv. Nr. 8192); ein Abguss ist in der Bonner Rheinaue aufgestellt. Ein weiterer Abguss der Stele befindet sich im Archäologischen Park Xanten.
Auffindung
Um die Jahreswende 1891/92 verdichteten sich die Indizien, dass die von Bonn nach Köln führende Provinzialstraße dem Verlauf der einstigen Gräberstraße des Legionslagers Bonn folgte. In diesem Winter wurden nämlich an dem nahe bei Bonn liegenden Teil der Provinzialstraße, dem sogenannten Johanniskreuz, Fundamente für Neubauten ausgehoben. Dabei kamen mehrere Grabsteine römischer Soldaten ans Licht. Joseph Klein berichtete: „Als dann im Februar dieses Jahres [1892] die Canalisation für das von dem Eingangs erwähnten Bauconsortium gebaute Haus Nr. VI angelegt wurde, sah man sich genöthigt, im Keller noch tiefer zu graben und entdeckte abermals, ungefähr 2 1/2 Meter unter der Terrainoberfläche einen 2,54 Meter hohen, 74 cm breiten und 34 cm dicken gewaltigen Block aus Kalkstein, welcher sich, nachdem er von den anhaftenden Schmutz- und Erdmassen gehörig gereinigt worden war, als das Grabdenkmal eines römischen Auxiliarsoldaten auswies.“[1] Das war, wie sich anhand der Inschrift gleich herausstellte, der Grabstein des Vellaunus, Sohn des Nonnus.
Beschreibung
Die Grabstele des Vellaunus ist 221 cm hoch, 74 cm breit und 35 cm tief. Das Material ist Kalkstein. Die Stele blieb ungebrochen erhalten, doch ist die Oberfläche teilweise ausgeplatzt und insbesondere das Gesicht des Reiters verrieben.
Die untere Zone wurde nur grob bearbeitet, da sie in den Boden eingelassen werden sollte. Darüber folgt eine von Profilleisten gerahmte Inschrifttafel und im oberen Teil der Stele das rechteckige Bildfeld in einer Aedicula-Architektur. Es zeigt Reiter und Pferd, die von links nach rechts unterwegs sind. Das Pferd ist anatomisch gut getroffen; seine Haltung ähnelt der Levade. Der Reiter ist dagegen ungeschickt proportioniert: die Beine zu lang, der Rumpf zu kurz.[2]
Das Pferd des Vellaunus ist in der üblichen Weise aufgezäumt. Seine Mähne ist in wellige Locken geteilt. Der Schweif fällt bis zur Ferse herab. Unter dem Sattel ist die Schabracke erkennbar. Am Riemenzeug sind runde Schmuckplatten angebracht.[3]
Der Reiter trägt ein eng anliegendes, bis auf den halben Oberschenkel reichendes Gewand, vielleicht ein Kettenpanzerhemd (lorica hamata). Vom Gürtel hängt die Spatha. Der Helm ist wegen der starken Beschädigung der Kopfpartie nicht genauer erkennbar. Im Reliefgrund hält die linke Hand einen Rundschild, der hinter dem Pferdekopf erkennbar ist. Der rechte Fuß steht auf einer Art Stütze. (Diese Stütze sieht man auf römischen Reiterreliefs häufiger; sie soll ein Abbrechen des vollplastisch ausgearbeiteten Fußes verhindern.) Die rechte Hand hält ein Feldzeichen, das auf der rechten Schulter ruht. Es ragt aus dem Bildfeld in den Aediculagiebel hinaus und wird teils als Vexillum mit dem Wappentier der Ala (einem Stier mit drei Hörnern) teils als „Reitersignum … ohne Phalerae, mit Bild an der Spitze“ erklärt.[4]
Die lateinische Inschrift lautet:
Vellaunus Nonni / f(ilius) / Biturix eques / ala Longiniana / turma L(uci) Iuli Reguli / an(norum) XXXVIII stipendio/rum XVIII h(ic) s(itus) e(st) / ex testamento factu(m) / cura(ve)runt L(ucius) Iulius Reg/ulus decurio et Macer Aspadi / f(ilius) eiusde(m) turma // L C T[5]
„Vellaunus, Sohn des Nonnus, Bituriger, Reiter im Regiment des Longinius, in der Schwadron des L. Julius Regulus, 38 Jahre alt, 18 Jahre im Dienst, liegt hier. Nach dem Testament errichtet von dem Rittmeister L. Julius Regulus und Macer dem Sohn des Aspadius aus derselben Schwadron.“[6]
Interpretation
Vellaunus trug einen keltischen Namen (*vellauno- „Befehlshaber, Kommandant“), der auch als Beiname von Gottheiten bezeugt ist. Der Name des Vaters, Nonnus, ist im gallisch-germanischen Raum mehrfach bezeugt (auch in der femininen Form Nonna). Falls lateinischer Herkunft, hatte er vielleicht die Bedeutung „Verwandte(r)“ (vgl. italienisch nonno „Großvater“).[7]
Literatur
- Gerhard Bauchhenß: Militärische Grabdenkmäler (= Corpus der Skulpturen der Römischen Welt: Deutschland (Germania Inferior, Bonn und Umgebung), Band 3,1). Habelt, Bonn 1978, S. 32 f. Nr. 12.
- Hans Lehner: Die Standarte der ala Longiniana. In: Bonner Jahrbücher, Band 117 (1908), S. 279–286. (PDF)
- Mathilde Schleiermacher: Römische Reitergrabsteine: Die kaiserzeitlichen Reliefs des triumphierenden Reiters (= Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Band 338). Bouvier, Bonn 1984.