Grasbeuren

Ortsteil von Salem, Baden-Württemberg, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Grasbeuren ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Schnelle Fakten Gemeinde Salem ...
Grasbeuren
Gemeinde Salem
Ehemaliges Gemeindewappen von Grasbeuren
Koordinaten: 47° 44′ N,  18′ O
Höhe: 417 m ü. NHN
Fläche: 3,47 km²
Einwohner: 356 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 88682
Vorwahl: 07556
Luftbild von Grasbeuren (1983)
Luftbild von Grasbeuren (1983)
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Geographie

Lage

Grasbeuren liegt in der Bodenseeregion im Linzgau. Es ist ein kleines Dorf in der Niederung der Seefelder Aach.[2] Vom Gemeindezentrum Salem ist es sechs Kilometer entfernt, zur Stadt Meersburg und damit zum Bodensee sind es fünf Kilometer.

Gliederung

Zur Gemarkung gehören das Dorf Grasbeuren und die Höfe, In der Kürze und In der Roggenbreite, sowie das ehemalige Bahnhofsgebäude.[3]

Geschichte

Frühgeschichte

Grasbeuren gilt als frühmittelalterlicher Ausbauort, wurde also vermutlich im 7./8. Jahrhundert besiedelt.[4]

Mittelalter und frühe Neuzeit

Der Ort Grasbeuren wurde 1179 erstmals urkundlich erwähnt, und zwar im Rahmen der Übertragung der Vogtrechte des Klosters Kreuzlingen an Herzog Friedrich V. von Schwaben. Die Ortsherrschaft gehörte vom Jahr 1397 an zu Kloster Salem, das schon ab 1211 systematisch seinen Besitz im Ort erweiterte. Ein Adelsgeschlecht von Grasbeuren (Wappen: drei Schilde in schwarzem Feld) lässt sich für die Zeit von 1211 bis 1306 nachweisen.[5] Im Jahr 1637 erwarb Salem auch die Landeshoheit von der Grafschaft Heiligenberg.

Moderne

Nach der Enteignung des Klosters Salem im Zuge der Säkularisation 1803 gehört der Ort zum standesherrlichen badischen Oberamt Salem. Bis 1838 bestand offensichtlich eine kommunale Gemeinschaft mit dem nahen Dorf Buggensegel,[6] ab 1813 im großherzoglichen badischen Bezirksamt Salem im Seekreis. Grasbeuren gehört dann ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden. Bis 1972 war Grasbeuren selbständige Gemeinde im Landkreis Überlingen.[7] Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich Grasbeuren 1973 der Gemeinde Salem an.[8]

Postkarte R.A.D.-Lager 2/317 Grasbeuren um 1935 – ohne Verlag – Sammlung Klaus Maier

Von 1935 bis 1945 bestand in Grasbeuren ein Lager des Reichsarbeitsdiensts (RAD). Zunächst waren dort Männer untergebracht, die im Flussbau, bei Entwässerungsarbeiten und in der Landwirtschaft eingesetzt waren. Nach Ausbruch des Krieges 1939 befand sich dort der weibliche Arbeitsdienst. Seine „Arbeitsmaiden“ waren meist in der Landwirtschaft eingesetzt.[9] Nach dem Krieg nutzten die Franzosen die Anlage noch kurzzeitig als Kriegsgefangenenlager. Dann wurden die Gebäude abgerissen mit Ausnahme der Leiter-Baracke, in die 1958 Flüchtlinge einzogen.[10]

Gesellschaft

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung Grasbeuren von 1852 bis 2024

Die Zahl der Einwohner in Grasbeuren hat sich seit 1850 bis in die 1930er Jahre kaum verändert, steigt dann aber steil an (RAD-Lager) und fällt in den 1950er wieder zurück. Seit den 1960er Jahren hat sie sich in etwa verdoppelt.[11]

Religion

Die Bevölkerung war bis zur Aufhebung der Klosterherrschaft 1803 ausschließlich katholisch. Dies ändert sich im 19. Jahrhundert nur minimal und lag 1925 noch über 95 %. In den 1950er Jahren ist ein deutlicher Anstieg der evangelischen Bevölkerung auf etwa rund 25 % zu verzeichnen.[12] Kirchlich gehörte der Ort ursprünglich zur Pfarrei Seefelden, ab 1630 zur Pfarrei Mimmenhausen.

Die Kapelle wurde ab 1823 neu gebaut, nachdem der Vorgängerbau abgerissen worden war. Die letzte Renovierung war 1990. Damals wurde sie dem heiligen Georg geweiht.

Politik

Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2008 in einer unechten Teilortswahl gewählt. Das System garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitzen. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenten.

Wappen

Die Blasonierung lautet: In Rot drei (2:1) nach links gekehrte silberne Sicheln mit goldenem Griff. In Erinnerung an die historischen Herrschaftsverhältnisse werden die Symbole der „ortsadeligen Herren von Grasbeuren“ verwendet. An die Stelle der schwarzen Feldfarbe des mittelalterlichen Wappenschildes trat die heraldisch passende Feldfarbe Rot. Die im Wappen von Grasbeuren enthaltene Symbolik deutet auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten und die christliche Lebensorientierung hin.[13]

Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen

Das 1965 erbaute Schulgebäude in Grasbeuren wird heute als Kindergarten und Dorfgemeinschaftshaus genutzt. In den 1930er Jahren erhielt der Ort wichtige Infrastruktur: 1933 eine zentrale Wasserversorgung und 1935 einen Anschluss an das elektrische Leitungsnetz. Die Kläranlage und die Ortskanalisation wurden am 1. Januar 1972 fertiggestellt. 1997 wurde die Kläranlage zeitgemäß erweitert bzw. saniert.[14]

Verkehr

Grasbeuren ist Kreuzungspunkt zweier Kreisstraßen: der K7782 von Mühlhofen nach Ahausen und der K7761 von Mimmenhausen nach Baitenhausern. Von Schiggendorf gelangt man über die Riedstraße nach Grasbeuren. Mit dem Bus erreicht man Grasbeuren mit der Linie 7382 Markdorf – Meersburg. Der Bau der Bodenseegürtelbahn 1901 bescherte Grasbeuren einen Haltepunkt mit einem stattlichen Bahnhofsgebäude. Auch die Salemertalbahn (1905) von Frickingen nach Unteruhldingen machte hier Station und wurde zumindest bis 1945 genutzt.

Wirtschaft

Postkarte Grasbeuren um 1935 mit Handlung Laubenberger, Gasthaus und Lager

Der Ort war traditionell landwirtschaftlich strukturiert, speziell die Milchwirtschaft hatte Bedeutung. Im Jahr 1926 wurde die Milchgenossenschaft Grasbeuren-Baitenhausern (ab 1934 GmbH) gegründet mit bald 41 Mitgliedern. 1979 wurde die Genossenschaft aufgelöst. Waren 1972 noch neun landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe im Ort, so war es 1998 nur noch einer.

Von 1925 bis 1967 existierte ein Ladengeschäft in Grasbeuren, die Handlung Joh. Laubenberger. 1863 wird auch schon eine „Spezereiwaarenhandlung“, ebenso eine „Wein- und Speisewirthschaft“. Der „Gasthof zum Busch“ war dann für mehrere Generationen Anlaufstelle im Ort. Er wird heute als Pension betrieben. Von überörtlicher Bedeutung ist die Herter GMBH, die Dienstleistungen am Bau und einen Containerservice anbietet.[15]

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Kapelle St. Georg Grasbeuren

Unter Denkmalschutz stehen in Grasbeuren die Dorfkapelle, das ehemalige Bahnhofgebäude, das Bauernhaus Dorfstraße 20 und der ehemalige Lehenhof des Klosters Kreuzlingen, Mimmenhauser Straße 2.[16]

Bildung

Nach Einführung der Schulpflicht in der „Herrschaft unter den Bergen“ 1787 könnte die Gemeinde zunächst der Schulgemeinde Mimmenhausen angehört haben. Der Ursprung der Schule in Grasbeuren soll auf Ignaz Schuler aus Zußdorf zurückgehen, welcher 1791 in Grasbeuren für seine Heirat bürgerlich angenommen wurde und der erste Lehrer dort gewesen sein soll. Im Zeitraum 1818 bis 1972 besaß Grasbeuren jedenfalls eine eigene Schule, für die um 1843 erstmals ein eigenes Gebäude errichtet wurde. Zur Schulgemeinde gehörte seit dem 19. Jahrhundert die Gemeinde Baitenhausen sowie Schiggendorf. 1972 kam allerdings das Ende der Schule.[17]

Vereine und Veranstaltungen

Der Narrenverein Gablemale Grasbeuren e. V. wurde 1976 gegründet. Neben dem alle zwei Jahre stattfindenden gemeinschaftlichen Umzug der Salemer Narrenzünfte wird an zahlreichen auswärtigen Veranstaltungen teilgenommen und veranstaltet die traditionelle Dorffasnacht. Der „Reit- und Fahrclub Grasbeuren e. V.“ betreibt seit 1995 regelmäßig pferdesportliche Veranstaltungen und hat zwischenzeitlich 130 Mitglieder.

Persönlichkeiten

  • Georg Auer, Gründungsabt (1143–1153) des Zisterzienserklosters Raitenhaslach in Bayern, Tochterkloster von Kloster Salem. Er stammt aus Grasbeuren.
  • Thomas Wunn, geboren um 1580 in Grasbeuren; 31. Abt des Klosters Salem (1615 bis 1647). Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten auf dem Abtsstuhl des Klosters. Unter seiner Regentschaft wurde 1630 die Pfarrei Mimmenhausen gegründet.[18]

Literatur

  • Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.): Die Gemeinden im oberen und unteren Linzgau, Grasbeuren, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee. 1972. ISBN 3-8062-0102-1, S. 314 f
  • Gemeinde Salem (Hrsg.): Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Grasbeuren, 2009.
  • Hugo Gommeringer: Grasbeuren, in: Salemer Wappen. 2000, ISBN 3-929551-09-8. S. 54 f
  • F. X. Conrad Staiger: Grasbeuren, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008). S. 309 ff
  • Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege: Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg – Bodenseekreis – Salem – Grasbeuren
  • Autorengemeinschaft Grasbeuren (Hrsg. 1998): Grasbeuren. Geschichte und Geschichten eines kleinen Dorfes im Linzgau.
  • Hugo Gommeringer: Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit Salem, 2004, ISBN 3-7954-6483-8
  • Martin Baur: RAD-Lager in Salem-Grasbeuren ist ein lange vergessenes Stück Heimatgeschichte, in Südkurier Überlingen vom 19. November 2019

Einzelnachweise

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