Grasulf II.
langobardische dux (Herzog)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Grasulf II. († um 660, auch 653 wird genannt) war von etwa 625 bis zu seinem Tod der sechste langobardische dux (Herzog) des Herzogtums Friaul.
Leben
Die einzige Quelle zu seinem Leben stellt die Historia Langobardorum des Friulaners und Langobarden Paulus Diaconus vom Ende des 8. Jahrhunderts dar.
Nachfolger Gisulfs II.: dessen Söhne Cacco und Taso (bis 625)
Grasulf II. war wohl ein jüngerer Bruder Gisulfs II., der das Amt des Herzogs von Friaul bis etwa 610 bekleidete. Nach Paulus folgte Grasulf den beiden älteren Söhnen seines eigenen Bruders, nämlich Cacco und Taso, im Amt nach. Diese beiden waren ihrerseits nach 610 ihrem Vater Gisulf II. im Amt gefolgt. Ihr Vater war nämlich um 610 in einer Schlacht gegen die Awaren, die das Herzogtum plünderten und Cividale zerstörten, ums Leben gekommen. Im Zuge dieses Raubzuges kam nicht nur Grasulfs Bruder Gisulf, sondern auch seine Schwägerin Romilda zu Tode, dazu alle Männer der zerstörten Stadt. Grasulfs vier Neffen flohen, während die vier Nichten verschleppt und später verheiratet wurden. Die besagten beiden Brudersöhne Cacco und Taso folgten ihrem Vater im Amt, wurden jedoch im Jahr 625 in Opitergium von Byzantinern in eine Falle gelockt und ermordet.
Auszug der beiden verbliebenen Neffen nach Benevent
Grasulf übernahm daraufhin das Amt des Herzogs von Friaul. In der älteren Forschung geschah dies zum zweiten Mal, denn man nahm an, er habe das Amt von 611 bis 621 geführt, sei dann zurückgetreten, und habe dieses Amt 635 erneut übernommen.[1] Diese Annahmen gehen auf Muratori zurück. Den Rücktritt sah man als ungewöhnliche Großzügigkeit gegenüber seinen inzwischen regierungsfähigen Neffen an.[2]
Die anderen beiden Neffen jedoch, die jüngeren Söhne seines Bruders also, lehnten es ab, unter der Herrschaft Grasulfs zu leben. Sie flüchteten sich in das Herzogtum Benevent. Diese beiden, Radoald und Grimoald, hielten es für unter ihrer Würde, unter der Herrschaft ihres Onkels zu leben, oder, wie es Paulus formuliert: „Radoald vero et Grimoald despectui ducentes sub patrui sui Grasulfi potestate degere“. Sie zogen es vor, über See in das Herzogtum Benevent zu fahren, wo sie in den nächsten Jahrzehnten politisch bis an die Spitze des dortigen Herzogtums aufstiegen. Grimoald wurde schließlich sogar König der Langobarden von 662 bis 671 (Historia Langobardorum IV, 41).
Tod
Zur Herrschaftszeit Grasulfs war zunächst Adaloald (616–627), dann Arioald König (627–636) – von dem Paulus Diaconus schreibt: „De cuius regis gestis ad nostram notitiam aliquid minime pervenit“ (Historia Langobardorum IV, 41) – schließlich Rothari (636–652). Insgesamt kann Paulus über diese Zeit tatsächlich wenig berichten, außer, dass um diese Zeit Grasulf starb, dem Ago im Amt folgte. Da Paulus den Tod König Ariperts unmittelbar anschließt (661), muss Grasulf im selben Jahr oder kurz davor gestorben sein.
Doch auch das Jahr 653 wird genannt.[3] Zudem wurde gelegentlich angenommen, Grasulf habe eine erste Amtszeit vor Cacco und Taso gehabt, nämlich von 611–621, dann, nach deren Tod, eine zweite Amtszeit (ab 635).[4]
Quellen
- Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, hrsg. Ludwig Bethmann und Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX, Hahn, Hannover 1878, liber III, 9, 16, 27; IV, 39.
- Wolfgang F. Schwarz (Hrsg.): Paulus Diaconus: Historia Langobardorum – Geschichte der Langobarden, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 (lateinisch–deutsch).