Grazer Uhrturm

Turm auf dem Schlossberg in Graz From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Grazer Uhrturm ist ein 28 Meter hoher Uhrturm. Er steht auf dem Schloßberg und ist mit seinen im Durchmesser über 5 Meter großen Zifferblättern und den vergoldeten Zeigern das Wahrzeichen der steirischen Landeshauptstadt Graz.

Grazer Uhrturm auf dem Schloßberg
Nachtaufnahme
Graz Uhrturm mit Schatten von Markus Wilfling 2003

Lagebeschreibung

Der Grazer Uhrturm liegt am südlichen Ende des Grazer Schlossberges, einem 120 Meter hohen, langgestreckten Felsen aus Dolomitgestein, der die mittelalterliche Burg trägt. Er bildet den Schnittpunkt zwischen der landesfürstlichen Burg und der mittelalterlichen Stadtmauer. Der ursprünglich als Stadt- bzw. Magistratsturm errichtete Uhrturm bildete den höchsten Punkt der mittelalterlichen Stadtmauer, die vom Sacktor zum Schlossberg hinauf und auf der anderen Seite weiter zur nordöstlichen Ecke der Stadt führte. Gleichzeitig bildete er den Abschluss der Burg, die den nördlichen, höheren Teil des Schlossberges einnahm, die zur Gänze außerhalb der Stadtmauer lag.[1]

Geschichte

Der Kern des Grazer Uhrturms stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten Gebäuden am Schloßberg. Erste Nennungen eines Turms als Teil der Festungsanlage finden sich um 1265. Seine jetzige Form bekam er im Zuge eines Umbaus, der 1569 mit dem Einbau einer ersten Uhr mit drei großen Zifferblättern abgeschlossen war. Über den Zifferblättern führt ein hölzerner Wehrgang um den Turm, von dem aus die Feuerwächter die ganze Innenstadt überblicken konnten. 1712 bekam er ein weiteres Zifferblatt auf der Nordseite, dazu ein von Michael Sylvester Funck geschaffenes neues Uhrwerk. Die neue Uhr ging genau genug, um auch Minuten anzeigen zu können. Anders als heute üblich, ist jedoch der Stundenzeiger der größere Zeiger, da es wichtiger war, aus der Entfernung die Stunden richtig ablesen zu können.[2]

Als Napoleons Truppen im Fünften Koalitionskrieg 1809 Graz belagerten, wurde der Uhrturm zwar durch eine der ersten abgeschossenen Geschützkugeln getroffen, nahm aber keinen größeren Schaden. Der Schloßberg wurde nicht erobert, aber durch den Waffenstillstand von Znaim fiel er letztlich doch in die Hände der Gegner. Der Uhrturm konnte allerdings von den Grazer Bürgern freigekauft werden und wurde dadurch nicht wie die restliche Festungsanlage geschleift.[2]

Ende September 2008 begann man mit der Generalsanierung des Uhrturms. Die Bodenfeuchtigkeit hatte dem Mauerwerk massiv zugesetzt. Die erste Renovierungsphase, die Sanierung des hölzernen Wehrganges, wurde, bei Kosten von etwa 500.000 Euro, Mitte 2009 abgeschlossen.[3] Ungefähr 115.000 Euro wurden durch eine 900 m² große, um das Gerüst gespannte Werbefläche eingenommen.[4] Bis 2011 waren noch zwei weitere Phasen geplant. Dabei wurde der Uhrturm im November 2011 letztmals zur Sanierung der Zifferblätter und der Uhrzeiger verhüllt.[5]

Baubeschreibung

Der schlanke Turm über quadratischem Grundriss hat im Erdgeschoß eine Seitenlänge von etwa acht Metern, die sich im obersten Stockwerk um 0,5 Meter reduziert. Dadurch haben die Wandflächen eine ungewöhnlich starke Schrägstellung. Die Höhe bis zur Dachkante beträgt 18 Meter, wovon etwa drei Meter unterhalb des heutigen, durch den Bau der Bürgerbastei veränderten Niveaus liegen.[1]

Glocken

Heute sind im Turm noch drei Glocken erhalten: Die Stundenglocke ist laut ihrer Inschrift die älteste Glocke von Graz (1382) und schlägt zu jeder vollen Stunde. Die Feuerglocke von 1645 warnte je nach Anzahl der Schläge vor Feuer in den verschiedenen Bezirken von Graz. Die Armesünderglocke von ca. 1450 läutete zu Hinrichtungen, im 19. Jahrhundert zur Sperrstunde, was ihr zusätzlich den Namen Lumpenglocke eintrug.

Rezeption

Im Jahr 2003, als Graz „Kulturhauptstadt Europas“ war, wurde der Uhrturm mit einem sogenannten „Schatten“ versehen. Dieser war ein vom Künstler Markus Wilfling maßstabsgetreu nachgebauter, schwarzer Zwillingsturm aus Stahl.[6] Der „Uhrturm-Schatten“, mit dem Wilfling „an die NS-Schattenseite von Graz erinnern wollte“,[7] wurde nach Ende des Kulturhauptstadtjahres 2003 an die Shoppingcity Seiersberg, ein Einkaufszentrum am Grazer Stadtrand, verkauft, wo er seither als Attraktion dient. — Nach Kaufabschluss wurden über die Medien Stimmen laut, die den unbefristeten Verbleib des Artefakts neben dem Grazer Uhrturm forderten. Die Stadt Graz lehnte jedoch sowohl den Rückkauf als auch das örtliche Verbleiben des Uhrturm-Schattens wegen absehbarer Erhaltungskosten, vor allem jedoch wegen Fragen der Schadenshaftung, ab.[8]

Sonstiges

Steinerner Hund

Unterhalb des Uhrturms wacht auf einem Mauervorsprung der Steinerne Hund. Nach einer Legende bewahrte 1481 ein bellender Hund Kunigunde, die Tochter des Kaisers Friedrich III., davor, von Söldnern des Ungarnkönigs Matthias Corvinus entführt zu werden, der zuvor vergeblich um die Hand der Prinzessin angehalten hatte. Zum Dank ließ Kaiser Friedrich den Hund in Form eines Standbilds verewigen.

Literatur

  • Eva Tangl, Wolfgang Absenger: Grazer Uhrturm: Restaurierung und Bauforschung. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. Heft 3/4, Verlag Berger, Horn 2010 (= Berichtheft 2008/2009).
  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Graz. 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 1979, ISBN 3-7031-0475-9, S. 12.

Einzelnachweise

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