Groß Marzehns

Ortsteil von Rabenstein/Fläming From Wikipedia, the free encyclopedia

Groß Marzehns ist ein Ortsteil der Gemeinde Rabenstein/Fläming im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.

Schnelle Fakten Gemeinde Rabenstein/Fläming ...
Groß Marzehns
Koordinaten: 52° 0′ N, 12° 35′ O
Höhe: 141 m ü. NHN
Einwohner: 146 (31. Dez. 2006)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 2002
Postleitzahl: 14823
Vorwahl: 033848
Groß Marzehns (Brandenburg)
Groß Marzehns (Brandenburg)
Lage von Groß Marzehns in Brandenburg
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Geografische Lage

Der Ort liegt im äußersten Südwesten der Gemarkung an der Landesstraße L 83. Die A 9 verläuft westlich. Westlich, südlich und östlich vom Ort verläuft die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Die umliegenden Flächen sind vorzugsweise bewaldet und liegt auf einer Höhe von rund 141 m ü. NHN.[2]

Geschichte und Etymologie

Etymologie

Der Ort wurde 1388 als groten marczens erwähnt. 1450 erschien er als eine wüste Mark mit aller ihrer Zugehörung genannt großen Morczens bei dem Rabenstein. 1514 lautete die Schreibweise groß mertzes. 1554 wurde es als das Dorf großen Marzens, so itzt wieder aufgebauet wird bezeichnet.[3] Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Siedlung bei einem Sumpfgebiet“[4].

Besitzgeschichte

Die grundherrlichen Rechte lagen vor 1388 bis 1526 bei der Familie von Preußnitz, von 1526 bis 1577 bei der Familie von Brück und von 1577 bis 1872 beim Amt Belzig Rabenstein, das über Dorf und Kirchenpatronat verfügte, zuvor auch über Ober- und Untergericht und schließlich über das gesamte Dorf.[3]

14. bis 16. Jahrhundert

1388 und 1400 bestand Groß Marzehns noch als besetztes Dorf, ebenso 1419/1420. 1450 und erneut 1514 wurde es als wüste Feldmark bezeichnet. Um 1545 begann der Wiederaufbau, der 1554 ausdrücklich erwähnt wurde. 1575 wurden sechs Hufner und acht Gärtner gezählt. Im Jahr 1591 lebten 14 besessene Männer im Ort, darunter acht Gärtner. Der Richter besaß ein sogenanntes walzendes Gericht, das kein Lehngut war, mit fünf Erbhufen. Daneben bestanden fünf Viererbhufnerstellen sowie acht Häusler, von denen einer Haus und Hof und sechs jeweils einen Garten hatten. Die Feldmark umfasste insgesamt 25 Hufen sowie einen Morgen Wiese auf der Rohrpleke.[5] Das Patronat beanspruchte die Familie von Brück aufgrund von Lehnbriefen; seit 1577 lag es beim Kurfürsten beziehungsweise beim Fiskus. Die Zehnten wurden 1575 bei Rädigke erhoben; der Küster erhielt neun Scheffel Korn und 24 Brote. Eine Kirche bestand zu dieser Zeit noch nicht, der Wunsch zum Bau einer solchen war jedoch vorhanden.[6]

17. Jahrhundert

Im Jahr 1640 stand das Dorf vollständig öde und wüst. 1661 war es nach einem Brand zugrunde gegangen; lediglich das Schulzengut mit fünf Dorfbauhufen war vor sechs Jahren wieder angebaut worden und verfügte über zwei Morgen Wiese. 1676 wurden drei Anspänner beziehungsweise Hufner, ein Halbhufner und ein Kossät genannt; es bestanden 13 Erbhufen und eine halbe wüste Hufe. Im Jahr 1682 besaß der Schulze fünf Dorfbauhufen. Hinzu kamen fünf Viererbhufner, von denen drei wüst lagen, sowie acht Kossäten, von denen fünf wüst waren; zwei von ihnen hatten jeweils eine halbe wüste Hufe nach Berkau abgesetzt. Außerdem lebte ein Hirte im Ort. Die Wiesenfläche betrug sechs Morgen, davon zwei Morgen im Besitz der Gemeinde.[5]

18. Jahrhundert

Im Jahr 1701 wurden sechs Hufner, acht Kossäten und ein Hirte gezählt; die Wiesenfläche umfasste neun Morgen. 1718 bestanden sechs Hufner, drei Kossäten und drei Häusler. Die Feldmark maß 27½ Hufen, darunter zweieinhalb wüste Markhufen. 1743 war der Ort mit einem Fünfhufner als Schulzen, fünf Vierhufnern und vier Eineinhalbhufnern besetzt; es bestanden 27 Hufen. 1764 wurden ein Fünfhufner als Schulze, fünf Vierhufner, vier Eineinhalbhufner und vier Gärtner genannt, die jeweils über ein Wort verfügten. Die Feldmark umfasste 27 Hufen, von denen zwölf tragbar waren, während 15 Hufen mit sehr schlechten Kiefersträuchern bewachsen waren; auf jede Hufe entfielen zehn Dresdner Scheffel und 13⅓ Metzen Aussaat. Im Jahr 1777 lebten 14 besessene Männer im Ort, darunter sechs Hufner, vier Kossäten und vier Häusler. Daneben bestanden ein Schulhaus und ein Hirtenhaus.[5]

19. Jahrhundert

Mühle in Groß Marzehns

Im Jahr 1806 wurden ein Zweieindrittelhufner als Schulze, drei Einfünfsechstelhufner, zwei Einviersechstelhufner, vier Kossäten mit jeweils einer halben Hufe, vier Häusler sowie ein Hirtenhaus, eine Kirche und eine Schule genannt. Die Feldmark umfasste nur noch 13½ Hufen, da durch Abtretungen an den königlichen Amtsforst des Klepziger Reviers die Hufen bis auf die Hälfte verringert worden waren. 1822 bestanden sechs Hufner, darunter ein Erbgerichtsschulze, vier Kossäten, vier Halbkossäten und ein Häusler. Der Krug sollte zu dieser Zeit niedergelegt werden. Die Dorfflur umfasste nominell 27 Hufen, von denen laut einer Urkunde aus dem 18. Jahrhundert 16 Hufen gegen Erlass der Hälfte der Abgaben an den Fiskus abgetreten worden sein sollten, sodass tatsächlich nur noch neun Hufen verblieben; dabei sei der Fiskus erheblich benachteiligt worden. 1837 wurde Groß Marzehns als Dorf mit 23 Wohnhäusern beschrieben. 1858 bestanden vier öffentliche Gebäude, 35 Wohngebäude und 63 Wirtschaftsgebäude, darunter eine holländische Getreidemühle.[5] Die Gemarkung umfasste 4450 Morgen, davon entfielen etwa 37 Morgen auf Gehöfte, 2825 Morgen auf Ackerland, 12 Morgen auf Wiesen, 40 Morgen auf Weiden und 1536 Morgen auf Wald.[3]

20. Jahrhundert

1900 wurden 50 Häuser gezählt, 1931 waren es 52 Wohnhäuser mit 72 Haushaltungen. Zuvor waren im Jahr 1928 vom Gutsbezirk Dippmannsdorf Forst die zwischen Groß Marzehns und der Anhaltinischen Grenze liegende Parzelle (Forstort Neues Revier) eingemeindet worden. Im 1939 bestanden land und forstwirtschaftliche Betriebe unterschiedlicher Größe, darunter drei Betriebe mit 20 bis 100 Hektar, mehrere mit 10 bis 20 Hektar, 19 Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie elf Kleinbetriebe mit weniger als fünf Hektar.

1946 erhielt die Gemeinde Flächenzulagen aus Klein Marzehns und Raben mit insgesamt 137,63 Hektar, davon 40,63 Hektar Acker und 97 Hektar Wald. Diese Flächen wurden aufgeteilt, wobei 24,38 Hektar an acht nichtlandwirtschaftliche Arbeiter und Handwerker, 88,25 Hektar an 30 Bauern und weitere Flächen an die Gemeinde gingen. 1960 bestand eine LPG des Typs I mit 68 Mitgliedern und 367 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, die 1964 mit der LPG Typ III Klein Marzehns zusammengeschlossen wurde. 1973 bestanden eine LPG sowie eine Revierförsterei.

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Einwohnerentwicklung in Groß Marzehns von 1817 bis 1971 ...
Einwohnerentwicklung in Groß Marzehns von 1817 bis 1971
Jahr181718371858187118851895190519251939194619641971
Einwohner127198243246239245222241218326215217
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Kultur und Sehenswürdigkeiten

Commons: Groß Marzehns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

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