Grotte Richard

Höhle und archäologische Fundstelle in der südwest-französischen Gemeinde Les Eyzies im Département Dordogne From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Grotte Richard ([ɡʁˈɔt ʁiʃˈaʁ ]), (deutsch Richard-Höhle), früher meist Grotte des Eyzies (Höhle von Les Eyzies), ist eine Höhle und archäologische Fundstelle in der südwest-französischen Gemeinde Les Eyzies im Département Dordogne.

Schnelle Fakten
Grotte Richard
Lage: Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, Département Dordogne, Südwest-Frankreich
Geographische
Lage:
44° 56′ 12,2″ N,  1′ 4″ O
Grotte Richard (Frankreich)
Grotte Richard (Frankreich)
Geologie Kalkstein
Typ Höhle
Entdeckung 1862
Beleuchtung keine
Gesamtlänge 11 m
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Geographische Lage und Topographie

Die Grotte Richard befindet sich in dem Dorf Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, im Fels an der rechten Talseite der Beune, in rund 35 m Höhe über dem Talgrund. Ihr ovales Portal ist 9 m breit, 3,2 m hoch und nach Süden gerichtet. Der Höhlenraum ist 11 m tief und 15 m breit. Sämtliche Ablagerungen wurden bis auf den anstehenden Fels ausgeräumt. Die Höhle liegt auf Privatgrund und kann nicht besucht werden.

Forschungsgeschichte

Bruchstücke des Höhlenbodens finden sich heute in vielen Museen Europas, z. B. im Urmensch-Museum in Steinheim an der Murr (links) und im Musée de l’Aurignacien in Aurignac
Bruchstücke des Höhlenbodens finden sich heute in vielen Museen Europas, z. B. im Urmensch-Museum in Steinheim an der Murr (links) und im Musée de l’Aurignacien in Aurignac
Bruchstücke des Höhlenbodens finden sich heute in vielen Museen Europas, z. B. im Urmensch-Museum in Steinheim an der Murr (links) und im Musée de l’Aurignacien in Aurignac

Die Grotte des Eyzies ist eine der ersten Höhlen, die in der Region des Vézèretals archäologische Funde des Paläolithikums erbrachten. 1862 wurde der Paläontologe Édouard Lartet informiert, dass Bruchstücke des Höhlenbodens in Paris zum Kauf angeboten würden. Lartet räumte daraufhin in den folgenden beiden Jahren gemeinsam mit Henry Christy die gesamte verbliebene Höhlenfüllung aus. Es handelte sich dabei um eine Brekzie aus Sediment, paläolithischen Schlachtabfällen, Asche, Holz- und Knochenkohle und Stein- sowie Knochenartefakten, die von 60 cm „lockerem Boden“ bedeckt war. 358 Bruchstücke unterschiedlicher Größe und einer Dicke zwischen 10 und 25 cm wurden herausgetrennt und viele davon an unterschiedliche französische und ausländische Museen geschickt, um „… die Koexistenz des Menschen mit ausgestorbenen Tierarten endgültig nachzuweisen.“

„Donc, des plaques de cette brèche sont taillées et … expédiées à un maximum de musées français et étrangers, afin d’emporter définitivement la conviction de la contemporanéité de l’homme avec les espèces animales éteintes … Quelle belle démonstration !“ (Édouard Lartet: L’origine de l’Homme - Édouard Lartet (1801-1871) de la révolution du signe à Cro-Magnon, 2021, S. 262, deutsch: „So werden Platten dieser Brekzie herausgeschnitten und… an so viele französische und ausländische Museen wie möglich geschickt, um die Menschen endgültig von der Gleichzeitigkeit des Menschen mit ausgestorbenen Tierarten zu überzeugen… Was für ein schöner Nachweis!“)

Lartets und Christys Arbeiten gelten als Beginn der prähistorischen Archäologie im Périgord und waren Auftakt für weitere Ausgrabungen wie z. B. in der Laugerie-Basse, Laugerie-Haute und den Fundstellen in der Gorge d’Enfer.

Funde

Anhand der Funde wird von einer wiederholten Begehung der Grotte Richard im Solutréen (Weidenblattspitzen, Kerbspitzen), dem späten Magdalénien (Harpunenspitzen, Ahlen, Schaber) und Azilien (Federmesser) ausgegangen.

Kleinkunst

Rippenfragment mit 6 gravierten Steinböcken

Mehr als 70 Kunstwerke aus der Grotte Richard befinden sich heute im Musée National de Préhistoire in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, dem Musée d’Archéologie Nationale in Saint-Germain-en-Laye und dem British Museum in London. Dargestellt sind sowohl figürliche als auch geometrische Zeichen – ausgeführt als Gravur oder Reliefdarstellung – auf Schiefer, Knochen oder Geweih. Pferde sind das am meisten verwendete Motiv, gefolgt von Steinböcken, Hirschen und Rentieren.[1][2]

Commons: Grotte Richard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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