Tuchomie
Dorf im Pommern
From Wikipedia, the free encyclopedia
Tuchomie (deutsch Groß Tuchen, kaschubisch Tëchómie) ist ein Dorf im Powiat Bytowski der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es ist Hauptort der gleichnamigen Landgemeinde Gmina Tuchomie.
| Tuchomie | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Bytowski | |
| Gmina: | Tuchomie | |
| Geographische Lage: | 54° 7′ N, 17° 20′ O | |
| Einwohner: | 1387 (31. März 2011[1]) | |
| Postleitzahl: | 77-133 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 59 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GBY | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Miastko–Kościerzyna | |
| Nächster int. Flughafen: | Danzig | |
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, am Nordhang des Endmoränenzuges Schimmritzer Berge (256 m), im äußersten Nordwesten der Kaschubischen Schweiz, etwa zwölf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Bytów. Durch den Ort fließt die die Kamienica, ein Nebenfluss der Słupia. Die Kamenz entspringt dem wenige Kilometer südlich gelegenen See Kamieniczno.
Geschichte

In einer Urkunde der brandenburgischen Markgrafen von 1315 über die Verleihung des Tuchener Landes an den Ritter Kasimir aus dem Adelsgeschlecht der Swenzonen wird das Dorf unter dem Namen „Tuchom“ erstmals erwähnt. Von 1329 bis 1410 gehörte das Gebiet als Land Bütow zum Deutschen Orden und ging danach in die Hände der pommerschen Herzöge über. Zum Ende des 14. Jahrhunderts wurde zeitweise auch die Ortsbezeichnung „Cotzmersch“ verwendet. Der Bütower Ordenspfleger Jacob von Reinach verlieh 1400 seinem treuen Diener Staneken das Schulzenamt zu Kotzmers Tuchen mit vier freien Hufen zu kulmischem Recht und der Auflage, das Dorf zu besetzen und dem Orden mit einem Pferd zu dienen.[2]
Zur Zeit der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 lagen in Groß Tuchom, das von alters her einen Freischulzenhof, neun Bauernhöfe, zwei Ketner (Kesselflicker), einen Krüger und einen Müller gehabt hatte, drei Bauernhöfe wüst, die während des Schwedisch-Polnischen Kriegs 1655–1660 zerstört worden waren, und die Bauern besaßen zusammen nur noch zwei Pferde, 22 Ochsen und 16 Kühe.[3] Mitte des 16. Jahrhunderts Waren die meisten Einwohner des Ortes zum Protestantismus übergetreten. Um 1560 waren sowohl eine Getreide- als auch eine Papiermühle in Betrieb.
Im Jahr 1670 wurde erstmals eine Kirche für die evangelische Gemeinde fertiggestellt. Zwei große Brände zerstören den Ort 1674 und 1695 fast vollständig. 1710 wurde erstmals eine Schule erwähnt. Mit der Machtübernahme des preußischen Staates begann eine positive Entwicklung im Dorf, neue Siedler ließen sich nieder. In einer Ortsbeschreibung von 1780 werden zwei Kornmühlen und eine Papiermühle, eine Schmiede und ein Dorfkrug erwähnt. Obwohl 1810 von den 289 Einwohnern nur 13 Katholiken waren, hatten sowohl sie als auch die Evangelischen ihr eigenes Gotteshaus. Der fortschreitende Aufstieg des Ortes wird an den Einwohnerzahlen besonders deutlich: 1855 lebten hier bereits 715 Menschen. 1857 erreichte mit der Chaussee Bütow–Rummelsburg der erste moderne Verkehrsweg das Dorf.
1874 wurde innerhalb des Kreises Bütow das Amt Groß Tuchen eingerichtet, zu dem neben dem Hauptort, jetzt Königlich Tuchen genannt, noch der rechtlich selbständige Gutsbezirk Adlig Tuchen und die Dörfer Klein Tuchen und Zemmen gehörten.
1909 wurde Königlich Tuchen an die neu gebaute Bahnstrecke Bütow–Rummelsburg angeschlossen. Ein Jahr später hatten Königlich Tuchen 741 und der Gutsbezirk Adlig Tuchen 184 Einwohner. Mit der allgemeinen Aufhebung der Gutsbezirke wurden 1928 Königlich und Adlig Tuchen zu Groß Tuchen zusammengelegt. Durch den Verlust des benachbarten Westpreußens nach dem Ersten Weltkrieg kam es noch einmal zur Vergrößerung des Ortes.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Groß Tuchen eine Flächengröße von 19,4 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 79 bewohnte Wohnhäuser an sieben verschiedenen Wohnstätten:[4]
- Alexanderhof
- Bahnhof Groß Tuchen
- Forsthaus Jungingen
- Groß Tuchen
- Gut Adlig Groß Tuchen
- Obermühle
- Wiesenthal
Um 1935 hatte Groß Tuchen unter anderem zwei Gasthöfe, zwei Sparkassen-Niederlassungen, einen Gemischtwarenladen, eine Molkerei, zwei Mühlen, eine Apotheke, drei Schmieden, eine Stellmacherei und zwei Tischlereien.[5] Die Einwohnerzahl wuchs von 838 im Jahr 1925 auf 1006 im Jahr 1939. Für kinderreiche Familien wurden Einfamilienhäuser errichtet, und bedingt durch die Grenzlage des Ortes wurden auch vier Zollhäuser erbaut.
Bis 1945 bildete Groß Tuchen eine Landgemeinde im Kreis Bütow, Regierungsbezirk Köslin, der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Groß Tuchen war Sitz des Amtsbezirks Groß Tuchen.
Ende des Zweiten Weltkrieges war das Dorf ab Mitte Februar 1945 mehreren sowjetischen Tieffliegerangriffen ausgesetzt. Am 2. März befahl die deutsche Wehrmacht die Räumung des Ortes. Sie verlief begleitet von erneuten Fliegerangriffen in großer Panik. Zwischen dem 4. und 7. März lieferten sich deutsche und sowjetische Soldaten heftige Kämpfe auf den Feldern bei Groß Tuchen, die Deutschen mussten sich jedoch zurückziehen und das Dorf fiel in die Hände der Sowjetarmee. Einige der geflohenen Bewohner kehrten wieder in ihre Häuser zurück. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde Groß Tuchem Teil Polens. Der Großteil der deutschen Bevölkerung wurde bis 1946 vertrieben. Der Ort wurde in Tuchomie umbenannt.[6]
Kirche
Dorfkirchen
Die Bewohner der adligen Güter Mudderau (Moddrow), Trzebetken (Radensfelde, früher Tschebiatkow), Zemmen sowie aus den Amtsdörfern Groß Tuchen, Klein Tuchen, Tangen und Krossen (Kroßnow), die in das Kirchspiel Groß Tuchen eingegliedert waren, hatten sich früh der Reformation angeschlossen. Am 15. März 1659 überreichten sie dem Oberhauptmann eine Bittschrift zur Weiterleitung an den Kurfürsten und baten um Bestätigung und Einführung des Predigers Krüger, zumal dieser einen untadeligen Lebenswandel führe und auch auf kaschubisch zu predigen in der Lage sei. Sie trugen vor, dass zur polnischen Zeit der polnische katholische Klerus ihnen die evangelische Kirche und ihrem Pfarrer alle Ländereien und Einkünfte abgenommen, dass jetzt aber der katholische Priester die Kirche, die Pfarre und das Land verlassen habe. Zwar bestätigte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Wahl des Predigers Krüger, kam aber dem Wunsch nach dessen Einsetzung in die verlassene Kirche und Pfarre nicht nach, sondern gab stattdessen die Mittel zum Aufbau einer neuen evangelischen Kirche und zur Anstellung des neuen evangelischen Pfarrers.[7]
Zwischen 1886 und 1889 baute sich die evangelische Gemeinde eine neue Kirche, die mit 1000 Sitzplätzen zum größten Sakralbau im Bütower Land geriet. 1905 zogen die 97 katholischen Gläubigen nach und errichten ebenfalls eine neue Kirche, die dem Heiligen Michael geweiht wurde.
Kirchspiel bis 1945
Die hier vor 1945 ansässige Dorfbevölkerung war mehrheitlich evangelischer Konfession (Angehörige der Landeskirche). Die Evangelischen gehörten zum Kirchspiel Groß Tuchen.
Das katholische Kirchspiel war in Groß Tuchen.
Polnisches Kirchspiel seit 1945
Die seit 1945 anwesende Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch. Das polnische katholische Kirchspiel ist in Groß Tuchen.
Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.
Verkehr
Die durch den Ort führende Landesstraße DK 20 (Stettin–Gdynia), stellt die Verbindung zu den Nachbarstädten Bytów (Bütow) und Miastko (Rummelsburg) her. Der Bahnhof Tuchomie liegt an der Bahnstrecke Bütow–Rummelsburg (Pom), die seit 1945 nicht mehr betrieben wird.
Weblinks
- Webpräsenz der Gemeinde (polnisch)
- Amtsbezirk Groß Tuchen (Territorial.de)
- Die Gemeinde Groß Tuchen im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Groß Tuchen, ein Dorf in Hinterpommern (deutsch, englisch)
