Große Synagoge (Erfurt)

nicht erhaltenes Synagogengebäude in Erfurt From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Große Synagoge war eine Synagoge in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt.

Große Synagoge Erfurt (Außenansicht)
Große Synagoge Erfurt (Innenraum)

Geschichte

Mit dem Beginn der Franzosenzeit in Erfurt ab 1806 konnten sich wieder Juden in der Stadt ansiedeln. Die jüdische Gemeinde errichtete zunächst 1840 die Kleine Synagoge hinter dem Rathaus in der Altstadt, die jedoch, nachdem die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch anwuchs, zu klein wurde.

Deshalb erwarb die Gemeinde ein Grundstück am heutigen Juri-Gagarin-Ring (damalige Adresse: Kartäuserring 14). Dort ließ sie zwischen 1882 und 1884 die Große Synagoge, einen historistischen Kuppelbau, errichten. Geplant wurde das Bauwerk, das 500 Gläubigen Platz bot, von dem Frankfurter Architekten Siegfried Kusnitzky, der zuvor die viel beachtete Börneplatzsynagoge in Frankfurt erbaut hatte. Eingeweiht wurde die Synagoge im Herbst 1884 von den Rabbinern Theodor Kroner und Karo. Der Einweihung waren heftige Auseinandersetzungen um den Einbau einer Orgel vorausgegangen, worauf sich ein Teil der bisherigen Gemeinde abspaltete und gesonderte Gottesdienste außerhalb der „Reformsynagoge“ einrichtete.

In den folgenden Jahrzehnten diente sie der Gemeinde als Gebetsstätte. Schon in den 1920er Jahren gab es Berichte über Schändungen der Synagoge. Im November 1938 wurde die Große Synagoge in der Reichspogromnacht zerstört. Die Stadt erbaute 1939 einen Kohlenschuppen auf dem Areal der Großen Synagoge.[1]

In den Jahren 1951/1952 entstand auf dem Gelände mit der Neuen Synagoge nach Plänen von Willy Nöckel die erste deutsche Nachkriegssynagoge, die auch der einzige Synagogenneubau der DDR war.[2]

Seit dem Jahr 2021 ist ein 3D-Modell der Großen Synagoge mittels VR-Brille begehbar. Der Dienst wird u. a. in der Neuen Synagoge angeboten.[3] Anlässlich des 70. Jubiläums der Neuen Synagoge wurde im Jahr 2022 ein Tastmodell der Großen Synagoge im Maßstab 1:68 als Denkmal vor ihr aufgestellt.[4][5]

Literatur

  • Jutta Hoschek: Novemberpogrom 1938 in Erfurt. Aus Dokumenten und Erinnerungen. Jena 2014.
  • Antje Bauer: Der Fall Georg Beuchel und die Brandstiftung in der Erfurter Synagoge am 9. November 1938. In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt, Heft 74, 2020, S. 36.
  • Antje Bauer, Tom Fleischhauer: „... nicht im geringsten ahnen konnten, dass das Benzin zu Nichtmotorzwecken gebraucht würde“. Die Brandstiftung in der Erfurter Synagoge am 9./10. November 1938 und der Fall Georg Beuchel. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt, Neue Folge, Heft Nr. 29, 2021, S. 229–274.

Siehe auch

Einzelnachweise

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