Groß-Siegharts

Stadtgemeinde im Bezirk Waidhofen an der Thaya, Niederösterreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Groß-Siegharts ist eine Stadtgemeinde mit 2583 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Bezirk Waidhofen an der Thaya in Niederösterreich.

Schnelle Fakten Stadtgemeinde, Wappen ...
Stadtgemeinde
Groß-Siegharts
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Groß-Siegharts
Groß-Siegharts (Österreich)
Groß-Siegharts (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Niederösterreich Niederösterreich
Politischer Bezirk: Waidhofen an der Thaya
Kfz-Kennzeichen: WT
Fläche: 44,28 km²
Koordinaten: 48° 47′ N, 15° 24′ O
Höhe: 534 m ü. A.
Einwohner: 2.583 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 58 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3812
Vorwahl: 02847
Gemeindekennziffer: 3 22 07
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Schloßplatz 1
3812 Groß-Siegharts
Website: www.siegharts.at
Politik
Bürgermeister: Ulrich Achleitner (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2025)
(21 Mitglieder)
11
5
5
11 5 5 
Insgesamt 21 Sitze
Lage von Groß-Siegharts im Bezirk Waidhofen an der Thaya
Lage der Gemeinde Groß-Siegharts im Bezirk  Waidhofen an der Thaya (anklickbare Karte)DietmannsThaya
Lage der Gemeinde Groß-Siegharts im Bezirk Waidhofen an der Thaya (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Spätklassizistisches Doppelwohnhaus auf Lange Gasse 2
Spätklassizistisches Doppelwohnhaus auf Lange Gasse 2
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geografie

Groß-Siegharts liegt im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 44,27 Quadratkilometer. 39,17 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2025[1]):

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Ellends, Fistritz, Großsiegharts, Loibes, Sieghartsles, Waldreichs, Weinern und Wienings.

Nachbargemeinden

Karlstein an der Thaya Raabs an der Thaya
Dietmanns, Waidhofen an der Thaya Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Ludweis-Aigen
Göpfritz an der Wild

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Groß-Siegharts im Jahr 1299. Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein verfolgte um 1720 das ehrgeizige Ziel, das seiner Herrschaft zugehörige kleine Dorf zu einem Zentrum der Textilindustrie zu machen. Er ließ Fachkräfte aus ganz Europa ins Waldviertel kommen und in Groß-Siegharts 180 „Fabrics-Häusl“ bauen. Darin wohnten und arbeiteten jeweils 6–10 Personen. Erzeugt wurden vor allem „Bandlwaren“, die von umherziehenden Händlern, den „Bandltragern“ in den Ländern der Donaumonarchie feilgeboten wurden. Diesen Händlern verdankt die Region den Namen „Bandlkramerlandl“.

Der ehrgeizige Industrialisierungsplan Mallentheins scheiterte zwar zunächst, er gab jedoch den Anstoß für eine langzeitige Ausrichtung der Region in Richtung Textilwirtschaft.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Groß-Siegharts sechs Textilfabriken, die mit Dampfkraft betrieben wurden: Adensamer, Wagner, Hetzer/Silberbauer, Wolff, Zuleger und Fenzl. Um 1900 beschäftigten die örtlichen Bandwebereien mehrere hundert Personen. Groß-Siegharts wurde 1727 zur Marktgemeinde und 1928 zur Stadt erhoben.

Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Stadtgemeinde Groß-Siegharts neben vielen anderen Gewerbetreibenden vier Bandwarenfabriken, die Möbelstofffabrik Teppich- und Möbelstoffwerke AG (vormals Kurucz & Co.), das Sägewerk Adensamer Josef & Co., die (Seidenband-)Weberei Adensamer & Co. und mehrere Strickereien ansässig.[2]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zwischen Juli 1944 und April 1945 ungarische Juden, darunter Frauen und Kinder, zur Zwangsarbeit in den Firmen Josef Adensamer u. Cie. und Siemens angehalten, wo sie zu Arbeiten in der Band- und Stoffweberei eingesetzt waren. Im April 1945 wurden die Häftlinge ins Ghetto Theresienstadt „evakuiert“.[3]

Im Zuge der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung wurden insgesamt sechs ehemalige Gemeinden eingegliedert, nämlich am 1. Jänner 1968 die Gemeinde Waldreichs, am 1. Jänner 1971 die Gemeinden Ellends, Weinern und Wienings sowie am 1. Jänner 1972 die Gemeinden Fistritz und Loibers.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Groß-Siegharts: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
4.247
1880
 
4.452
1890
 
4.364
1900
 
4.302
1910
 
4.305
1923
 
3.836
1934
 
3.850
1939
 
3.975
1951
 
4.073
1961
 
3.825
1971
 
3.545
1981
 
3.359
1991
 
3.236
2001
 
3.089
2011
 
2.804
2021
 
2.691
2025
 
2.583
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Textilmuseum Groß-Siegharts
Schloss Groß-Siegharts
Pfarrkirche Groß-Siegharts
Waldbad Groß-Siegharts
Spielplatz im Park

Museen

  • „lebendes“ Textilmuseum Groß-Siegharts In einer ehemaligen Bandfabrik werden die Geschichte der Textilerzeugung und die Entwicklung der Bandweberei in der Region gezeigt, unter anderem ein originalgetreu nachgebautes Weberhaus und eine funktionierende Transmissionsanlage, die mehrere große Webstühle und Maschinen antreibt. Geöffnet: Mai-Oktober fixe Führungstermine: Do/Fr 16.00 Uhr, Sa/So/Ft 14.00 Uhr
  • Sparkassenmuseum im Schloss Groß-Siegharts
  • Kaiser-Franz-Josef-Museum in Wienings

Wirtschaft und Infrastruktur

Bandlkramer in biedermeierlicher Tracht

Die ursprünglichen Fabriken hatten Textilindustrie als Schwerpunkt, vor allem die Herstellung von Bändern und Schnüren. Groß-Siegharts war das Zentrum des Bandlkramerlandls. Im Zuge der „Textilkrise“ in den 1980er Jahren wanderten die meisten der großen Textilfabriken ab oder sperrten zu. Heute ist die Firma Test-Fuchs, die Testsysteme und Bauteile für die Luft- und Raumfahrt herstellt, als ein international tätiges Unternehmen mit weltweit 700 Mitarbeitern (Stand 2026) größter Arbeitgeber.[7] Mehrere Klein- und Mittelbetriebe sind vor allem im Bereich Handwerk tätig. Als einzige Bandweberei ist die Silberbauer Textiltechnik geblieben, die sich u.a. auf technische Textilbänder für die Elektro- und Papierindustrie spezialisiert hat.

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 154, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 109. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Registerzählung vom 31. Oktober 2011 1233, das entsprach einer allgemeinen Erwerbsquote von 47,9 Prozent.

Öffentliche Einrichtungen: In der Gemeinde gibt es Schulzentrum, in dem Volksschule, Mittelschule und die „Schule zum Leben“ (allgemeine Sonderschule) untergebracht sind.

Sport:

  • 6 Tennisplätze
  • 1 Fußballplatz
  • Naturbadeanlage Waldbad
  • 2 Asphaltstockbahnen
  • Radweg „Thayarunde“ führt durch Groß-Siegharts
  • Wanderwege, unter anderem 3 „Tut-Gut“-Wanderrouten (Ausgangspunkt Waldbad)

Im Stadtpark befindet sich auch ein großer öffentlicher Spielplatz, der in Zusammenarbeit mit dem „Verein Miteinander“ gestaltet wurde.

Ein international hochrangiges Rollstuhltennisturnier mit Teilnehmern aus der ganzen Welt findet jeweils Anfang August statt. 2025 wird dieses Turnier bereits zum 26. Mal ausgetragen.

Politik

Gemeindeamt im Schloss Groß-Siegharts

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder.

Bürgermeister

Stadtwappen

Blasonierung: Im roten Schild zwei silberne rot gezungte Greifen auf sechs silbernen Hügeln, die einen grünen Kranz und einen blauen goldgerandeten Schild mit den Buchstaben S.H. (Siegharts) im silbernen Balken halten und unter dem ein grüner Ölzweig hervorragt.

Gemeindepartnerschaften

Persönlichkeiten, Töchter und Söhne

Commons: Groß-Siegharts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Groß-Siegharts – Reiseführer

Einzelnachweise

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