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Grundfreibetrag (Deutschland)

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Der Grundfreibetrag stellt seit 1996 in Deutschland sicher, dass das zur Bestreitung des Existenzminimums nötige Einkommen nicht durch Steuern gemindert wird. Jeder Einkommensteuerpflichtige hat Anspruch auf einen jährlichen steuerfreien Grundfreibetrag (§ 32a Abs. 1 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG)). Dieser Betrag wird rechnerisch im Einkommensteuertarif beim zu versteuernden Einkommen automatisch berücksichtigt.

Weitere Informationen Jahre, Grundfreibetrag pro Jahr ...
Entwicklung[1]
JahreGrundfreibetrag
pro Jahr
inflationsbereinigter
Wert 2026[2]
01.01.-20.06.1948300 RM[3]950 €
1949–05/1953750 DM[4]2.380 €
06/1953–1954800 DM[5]2.530 €
1955–1957900 DM[6]2.680 €
1958–19741.680 DM4.890 €
1975–19773.029 DM[7]4.580 €
19783.329 DM (3.839 DM)[8]4.910 € (5.660 €)
1979–19803.690 DM (4.200 DM)[9]4.960 € (5.640 €)
1981–19854.212 DM4.690 €
1986–19874.536 DM5.050 €
1988–19894.752 DM5.080 €
1990–19955.616 DM4.920 €
1996–199712.095 DM10.260 €
199812.365 DM10.400 €
199913.067 DM10.920 €
200013.499 DM11.130 €
200114.039 DM11.350 €
2002–20037.235 €11.170 €
2004–20087.664 €10.750 €
20097.834 €10.950 €
2010–20128.004 €10.630 €
20138.130 €10.650 €
20148.354 €10.830 €
20158.472 €10.930 €
20168.652 €11.110 €
20178.820 €11.150 €
20189.000 €11.180 €
20199.168 €11.230 €
20209.408 €11.470 €
20219.744 €11.520 €
202210.347 €11.440 €
202310.908 €11.390 €
202411.784 €12.040 €
202512.096 €(folgt)
202612.348 € (Stand 2025)(folgt)
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Grundlagen bis 1995

Die Höhe der Grundfreibeträge bis zum Jahr 1995 folgt keiner einheitlichen Systematik und Begründung.[10]

Verfassungsrechtliche Grundlagen seit 1996

In einer Reihe von Entscheidungen stellte das Bundesverfassungsgericht klar, dass aufgrund der verfassungsrechtlichen Vorgaben im Grundgesetz – insbesondere mit Blick auf die Bedeutung und rechtliche Tragweite des Sozialstaatsprinzips – das Steuerrecht und das Sozialhilferecht eng miteinander verknüpft sind.[11][12] Die deutliche Anhebung des Grundfreibetrages im Jahre 1996 ist auf diese Rechtsprechung zurückzuführen (siehe Tabelle).

Dem Einkommensteuerpflichtigen muss nach Erfüllung seiner Einkommensteuerschuld von seinem Erworbenen soviel verbleiben, als er zur Bestreitung seines notwendigen Lebensunterhalts und desjenigen seiner Familie bedarf („Existenzminimum“).[13] Maßgröße für die Bemessung des steuerfrei zu stellenden sächlichen Existenzminimums ist das sozialhilferechtlich definierte Existenzminimum, das über-, aber nicht unterschritten werden darf.[14][13][15][16] Die existenzsichernden Aufwendungen müssen nach dem tatsächlichen Bedarf realitätsgerecht bemessen werden, steuerfrei muss das bleiben, was zur Schaffung der Mindestvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Dasein benötigt wird.[15]

Dabei ist auch die Belastung durch die in die Verbraucherpreise eingehenden indirekten Steuern zu berücksichtigen und bei der Einkommensbesteuerung zu kompensieren.[17] Nach Meinung aus dem Bundesfinanzministerium müssten höhere und den regelsatzrelevanten Verbrauch betreffende indirekte Steuern jedoch zunächst zu einer Erhöhung der Regelleistung führen, ehe sich Auswirkungen auf die steuerlichen Freibeträge ergeben könnten.[18]

Bei Familien ist es verfassungsrechtlich geboten, das Einkommen auch insoweit von der Steuer freizustellen, als es für die Kinderbetreuungskosten und zur Deckung des Erziehungsbedarfs eines Kindes benötigt wird.[19][18] (siehe Hauptartikel Kinderfreibetrag)

Sozialhilfe als Basis für die Bemessung des Grundfreibetrags

Die Ermittlung des steuerfrei zu stellenden sächlichen Existenzminimums erfolgt auf der Basis des geltenden Sozialhilferechts (Zwölftes Buch Sozialgesetzbuch, Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz). Folgende sozialhilferechtlichen Bedarfskomponenten werden berücksichtigt:

  1. Regelbedarf
  2. Bedarfe für Bildung und Teilhabe von Kindern
  3. Kosten der Unterkunft (Bruttokaltmiete bzw. vergleichbare Aufwendungen für Haus- oder Wohnungseigentum in angemessener Höhe)
  4. Heizkosten einschließlich Kosten für Warmwasserbereitung

Die Festlegung (bzw. Beschränkung) auf die genannten Bedarfskomponenten ergibt sich aus dem Kriterium des notwendigen sozialhilferechtlichen Mindestbedarfs. Sonderbedarfe (z. B. für Alleinerziehende) finden aufgrund ihres einzelfall- bzw. gruppenbezogenen Charakters keine Berücksichtigung bei der Ermittlung des Grundfreibetrags. Nicht berücksichtigt wird ferner der durch Ausübung einer Arbeit entstehende Mehrbedarf. Die mit der Erwerbsarbeit verbundenen Aufwendungen (Werbungskosten) werden steuerrechtlich durch den Arbeitnehmerpauschbetrag und die Entfernungspauschale berücksichtigt.

Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung werden nicht zur Ermittlung des Grundfreibetrags herangezogen. Steuerrechtlich sind diese Vorsorgeaufwendungen nach § 10 EStG als Sonderausgaben absetzbar.

Existenzminimumberichte der Bundesregierung

Der Bericht über die Höhe des Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern (kurz: Existenzminimumbericht) wird gemäß dem Beschluss des Deutschen Bundestags vom 2. Juni 1995 von der deutschen Bundesregierung alle zwei Jahre vorgelegt.[20]

Aus dem Existenzminimumbericht, der prognostisch angelegt ist (Ex-ante-Berechnung), ergibt sich jeweils die Höhe des von der Einkommensteuer freizustellenden Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern.[21] Hieran orientiert sich auch das Kindergeld.

Sächliches Existenzminimum

Von 1996 bis 2022 wurde der Grundfreibetrag von 6.184 € auf 10.347 € erhöht. Die Vergleichbarkeit mit den im jeweiligen Veranlagungsjahr geltenden Steuer-Freibeträgen ist eingeschränkt.

Weitere Informationen Steuerfrei zu stellende sächliche Existenzminima in den bisherigen Existenzminimumberichten, Quelle ...
Steuerfrei zu stellende sächliche Existenzminima in den bisherigen Existenzminimumberichten[18]
Quelle Berichtsjahr sächliches Existenzminimum nachrichtlich:
AlleinstehendeEhepaareKinderGrundfreibetrag,
für Ehegatten × 2
Kinderfreibetrag, ohne Freibetrag für den
Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf
[22] 1996 6.071 €10.286 €3.215 € 6.184 € 3.203 €
[23] 1999 6.455 €10.976 €3.424 € 6.681 € 3.534 €
[24][25] 2001 6.547 €11.136 €3.460 € 7.206 € 3.534 €
[26] 2003 6.948 €11.640 €3.636 € 7.235 € 3.648 €
[27] 2005 7.356 €12.240 €3.648 € 7.664 € 3.648 €
[28] 2008 7.140 €12.276 €3.648 € 7.664 € 3.648 €
[21] 2010 7.656 €12.996 €3.864 € 7.664 € 3.648 €
[29] 2012 7.896 €13.272 €4.272 € 8.004 € 4.368 €
[30] 2014 (für 2015) 8.472 €14.472 €4.512 € 8.472 € 4.368 €
2014 (für 2016) 8.652 €4.608 € 8.652 € 4.608 €
[31] 2016 (für 2017) 8.820 €14.856 €4.716 € 8.820 € 4.716 €
2016 (für 2018) 9.000 €4.788 € 9.000 € 4.788 €
[32]: 2018 (für 2019) 9.168 €15.540 €4.896 € 9.168 € 4.980 €
2018 (für 2020) 9.408 €5.004 € 9.408 € 5.172 €
[33]: 2020 (für 2021) 9.744 €16.320 €5.412 € 9.744 € 5.460 €
2020 (für 2022) 9.888 €5.460 € 10.347 €0 5.640 €
[34]: 2022 (für 2023) 10.908 €018.984 €6.024 € 10.908 €0 6.024 €
2022 (für 2024) 11.472 €06.384 € 11.784 €0 6.384 €
[35]: 2024 (für 2025) 11.940 €019.992 €6.648 € 11.784 €0 6.384 €
2024 (für 2026) 12.096 €06.696 € 11.784 €0 6.384 €
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Grundfreibeträge ab 2005

Weitere Informationen Jahr, Regelsatz ...
Jahr Regelsatz Kosten der
Unterkunft
Heizkosten Sächliches
Existenzminimum
Steuerlicher
Freibetrag
Quelle
Alleinstehende
2005 4.164 2.592 600 7.356 7.664 [27]
2008 4.140 2.364 636 7.140 7.664 [28]
2010 4.368 2.520 768 7.656 8.004 [21]
2012 4.488 2.724 684 7.896 8.004 [29]
2015 4.788 2.988 696 8.472 8.472 [30]
2016 4.872 3.060 720 8.652 8.652 [30]
2017 4.908 3.312 600 8.820 8.820 [31]
2018 4.968 3.396 636 9.000 9.000 [31]
2019 5.088 3.468 612 9.168 9.168 [32]
2020 5.196 3.552 660 9.408 9.408 [32]
2021 5.352 3.612 780 9.744 9.744 [33]
2022 5.400 3.684 804 9.888 10.347 [33]
2023 6.024 3.828 1.056 10.908 10.908 [34]
2024 6.444 3.924 1.104 11.472 11.784 [34]
2025 6.756 4.092 1.092 11.940 11.784 [35]
2026 6.756 4.212 1.128 12.096 11.784 [35]
Ehepaare
2005 7.488 3.984 768 12.240 15.328 [27]
2008 7.464 4.020 792 12.276 15.328 [28]
2010 7.860 4.164 972 12.996 16.008 [21]
2012 8.064 4.344 864 13.272 16.008 [29]
2016 8.784 4.788 900 14.472 17.304 [30]
2018 8.952 5.088 816 14.856 18.000 [31]
2020 9.360 5.328 852 15.540 18.816 [32]
2022 9.720 5.520 1.080 16.320 20.694 [33]
2024 11.592 5.892 1.500 18.984 23.568 [34]
2026 12.144 6.324 1.524 19.992 23.568 [35]
Kinder
2005 2.688 804 156 3.648 3.648 [27]
2008 2.676 804 168 3.648 3.648 [28]
2010 2.820 840 204 3.864 4.368 [21]
2012 2.988 876 180 4.272 4.368 [29]
2015 3.168 936 180 4.512 4.512 [30]
2016 3.228 960 192 4.608 4.608 [30]
2017 3.336 996 156 4.716 4.716 [31]
2018 3.372 1.020 168 4.788 4.788 [31]
2019 3.456 1.044 168 4.896 4.980 [32]
2020 3.528 1.068 180 5.004 5.172 [32]
2021 3.780 1.092 216 5.412 5.460 [33]
2022 3.816 1.104 216 5.460 5.620 [33]
2023 4.248 1.152 288 6.024 6.024 [34]
2024 4.548 1.188 312 6.384 6.384 [34]
2025 4.764 1.236 300 6.648 6.384 [35]
2026 4.764 1.272 312 6.696 6.384 [35]
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In ihrem „Achten Existenzminimumbericht“[29] vom Mai 2011 bezifferte die Bundesregierung den für das Jahr 2012 angenommenen sozialhilferechtlichen Mindestbedarf („sächliches Existenzminimum“) für Alleinstehende auf jeweils insgesamt 7.896 € jährlich, für Ehepaare wurde ein sächliches Existenzminimum von 13.272 € veranschlagt und für ein Kind ein sozialhilferechtlich definiertes Existenzminimum von 4.272 €. Das einkommensteuerliche Existenzminimum (Grundfreibetrag) betrug für Alleinstehende 8.004 €, für Ehepaare 16.008 €.

Mit dem 10. Existenzminimumbericht[30] vom Januar 2015 hat das Bundeskabinett ein steuerfrei zu stellendes Existenzminimums für Kinder und Erwachsene beschlossen, der steuerliche Grundfreibetrag soll an diese Zahl angepasst werden. Er stieg rückwirkend zum 1. Januar 2015 auf 8.472 €, zum 1. Januar 2016 wurde er dann nochmals um 180 € auf 8.652 € erhöht.

Siehe auch

Einzelnachweise

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