Gruppo N
italienische Künstler
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Gruppo N war eine italienische Künstlervereinigung, die 1959 von Tino Bertoldo, Alberto Biasi, Tolo Custoza, Sara Ivanoff, Bruno Limena, Manfredo Massironi, Milla Muffato, Gianfilippo Pecchini und Gaetano Pesce in Padua unter dem Namen Gruppo Enne (auch Gruppo Enne 65 oder Gruppo EnneA) gegründet wurde. 1960 reduzierte sich die Gruppe auf die fünf Mitglieder Alberto Biasi, Ennio Chiggio, Toni Costa, Edoardo Landi und Manfredo Massironi, die bis 1966 unter ihrem endgültigen Namen Gruppo N aktiv waren.[1]
Die Gruppe beschäftigte sich mit optischen Themen und Fragestellungen, mit kinetischer Kunst und programmierter Computerkunst, wie es auch die Künstler der Op-Art taten. Den Betrachter von Kunstwerken sahen sie nicht länger als reinen Betrachter an, sondern – wie den Gestalter des Werks – auch als Akteur im künstlerischen Prozess. 1960 organisierte Gruppo N die Ausstellung mit dem provokanten Titel Mostra chiusa. Nessuno e' invitato a intervenire (Die Ausstellung ist geschlossen. Es ist niemand zum Besuch eingeladen.). Die Besucher standen vor einer verschlossenen Tür.[2] 1961 folgte die Ausstellung Mostra del pane. Beide Ausstellungen der Gruppe waren von einem Wunsch nach radikaler Provokation geprägt. Das Kunstwerk und die Person des Künstlers sollten infrage gestellt werden.
1961 nahm Gruppo N an der 12. Ausgabe des Premio Lissone teil. Den ausgestellten Werken fügten sie eine Erklärung bei, die das Prinzip der kollektiven Schöpfung bekräftigte und die Urheberschaft ablehnte. 1962 beteiligte sich Gruppo N zusammen mit Gruppo T an der Ausstellung Arte programmata, die in Mailand und Venedig stattfand. Kuratiert wurde sie von Bruno Munari, Per un’arte programmata lautete der Titel von Umberto Ecos Vorwort im Katalog. Eco plädierte darin für eine neue Kunst, die nicht abgeschlossen, sondern programmatisch offen, interaktiv und reproduzierbar sein sollte — die den Betrachter zum Mitgestalter machen sollte. 1965 nahmen alle Künstler der Gruppo N an der größten Ausstellung für kinetische und programmierte Kunst teil, The Responsive Eye[3] im MoMA in New York.
In den 2000er Jahren wurden Künstler der Gruppo N wiederentdeckt. In Italien war es insbesondere die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) in Rom, die 2012 die Ausstellung Arte programmata e cinetica zeigte.[4] Im selben Jahr organisierte das New Museum of Contemporary Art in New York die Ausstellung Ghosts in the Machine, in der ein Werk von Toni Costa vertreten war[5], gefolgt von der Ausstellung Percezione e Illusione: Arte Programmata e Cinetica Italiana im Museo de Arte Contemporáneo in Buenos Aires.
Ausstellungen
- 1960: Mostra chiusa. Nessuno e' invitato a intervenire. Padua.
- 1961: Mostra del pane. Padua.
- 1996: Museum für Moderne Kunst Bozen, Palazzo della Ragione Padua und Galleria d'Arte Moderna e Contemporanea Republica di San Marino
- 2012: Arte programmata e cinetica. Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM), Rom.
- 2012: Ghosts in the Machine. New Museum of Contemporary Art, New York.
- 2013: Percezione e Illusione: Arte Programmata e Cinetica Italiana. Museo de Arte Contemporáneo de Buenos Aires (MACBA).
Literatur
- Guido Bartorelli, Andrea Bobbio, Giovanni Galfano, Massimo Grassi (Hrsg.): L’occhio in gioco. Il Gruppo N e la psicologia della percezione. Trick of the Eye. The Gruppo N and the Psychology of Perception. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2022, ISBN 978-88-366-5325-6.
- Volker W. Feierabend, Lucilla Meloni (Hrsg.): Gruppo N. Oltre la pittura, oltre la scultura, l’Arte programmata. Programmierte Kunst, mehr als Malerei, mehr als Bildhauerei. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2009, ISBN 978-88-366-1386-1.
- Andreas Hapkemeyer, Pier Luigi Siena (Hrsg.): N&O. Enne&Zero. motus etc. Ausstellungskatalog, Museum für Moderne Kunst Bozen, Palazzo della Ragione Padua und Galleria d'Arte Moderna e Contemporanea Republica di San Marino, 1996, Folio Verlag, Wien/Bozen 1996, ISBN 978-3-85256-039-7.
- Martina Weinhart, Max Hollein (Hrsg.): OP ART. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2007, ISBN 978-3-86560-206-0, S. 24.
- Italo Mussa: Il Gruppo Enne. La situazione dei gruppi in Europa negli anni ’60. Bulzoni Editore, Rom 1976.