Guelb er Richat

geologische Formation in der Sahara From Wikipedia, the free encyclopedia

Karte: Mauretanien
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Guelb er Richat
Topografische Karte von Guelb er Richat und Ouadane
Guelb er Richat aus dem All (Falschfarbendarstellung)
Sechsfach überhöhtes 3D-Modell nach einem Satellitenbild
Innerer Ringhügel

Guelb er Richat (arabisch قلب الريشات, DMG Qalb ar-Rīšāt), deutsch auch Richat-Struktur, umschrieben mit Auge Afrikas, Bull’s Eye oder Auge der Sahara, ist ein ringförmiges, kraterähnliches geomorphologisches Gebilde in der Region Adrar im nördlichen Zentrum Mauretaniens. Nach ausführlichen geologischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich um einen alkalinen Ringkomplex handelt, also magmatischen Ursprungs ist.

Begriff und Bedeutung

Das Wort Guelb (arabisch قلب, DMG qalb) bedeutet im Hocharabischen „Herz“, in geologischen und geographischen Quellen wird das Wort jedoch mit der Bedeutung „Inselberg“ interpretiert. Da die Struktur aus dem Weltall besonders auffällig zu sehen ist, wurde sie bei Shuttle-Missionen von Astronauten als Landmarke zur Orientierung benutzt.[1]

Geographische Lage

Das Zentrum der Ringstruktur von Guelb er Richat liegt auf 485 m Meereshöhe im Nordwesten des Départements Ouadane (Region Adrar) und ist eingebettet in eine längliche und steinige vegetationsarme Teilfläche des Adrar-Plateaus, die zwischen der bis zu 300 m hohen steilen Abbruchkante des Plateaus im Nordwesten und Norden und dem Sandmeer des Erg Ouarane im Südosten und Süden liegt. Über dem Adrar-Steilabbruch nordwestlich der Ringstruktur erreicht das Plateau über 610 m Meereshöhe.

Die Ringstruktur hat einen Durchmesser von 45 Kilometern. Sie ist in das umgebende Plateau eingetieft; dessen Höhe nimmt von Norden nach Süden ab, von etwa 500 m auf 400 m Meereshöhe. Die konzentrischen Ringwälle sind in nur wenige Meter hoch und bestehen aus Sedimentgestein unterschiedlicher Schichtungen. Das Zentrum der Ringe hat etwa sieben Kilometer Durchmesser und liegt durchweg auf über 400 m Meereshöhe. Im Zentrum verstreut liegen einzelne Gipfel, deren Höhe mehrmals mit 445 m und in einem Fall mit 485 m angegeben ist. Die eingetiefte Außenzone der Ringe liegt auf etwa 370 m Meereshöhe und weist Fließspuren von Wadis auf, die in der Regenzeit die Starkregenfälle von der umgebende Hochfläche im Norden ableiten und die Ringzone nach Südwesten in Richtung der etwa 31 Kilometer vom Zentrum der Ringe entfernten Oasenstadt Ouadane verlassen.

Interpretationen zur Entstehung

Ursprünglich wurde die Struktur als Meteoritenkrater interpretiert, was aber wegen fehlender Impaktgesteine nicht allgemein unterstützt wird. Der Sahara-Forscher Théodore Monod[2] veröffentlichte 1954 eine Schrift, in der er fünf derartige Krater in Mauretanien beschrieb und bei vieren einschließlich des Richat die gängige Auffassung unterstützte, es könne sich um eine vulkanische Explosion auf der Erde handeln, nur beim fünften wollte er die Einwirkung eines Meteoriten nicht ausschließen.[3] Der Geophysiker Robert S. Dietz schloss 1969 einen Meteoriteneinschlag aus.[4]

Die Entstehung dieser kreisförmigen Struktur war lange unklar und wurde seit den 1950ern geologisch untersucht.[5] Neuere Studien gehen davon aus, dass die Struktur durch die Erosion einer Domstruktur entstand. Diese wiederum sei durch magmatische Intrusionen aufgewölbt worden, durch die dabei entstandenen Schwächezonen seien hydrothermale Fluide eingedrungen, die eine Verkarstung und Silifizierung des Materials verursacht hätten.[6] Aeromagnetische und gravimetrische Vermessungen der Struktur unter der Oberfläche unterstützen diese Hypothese. Aufgrund von ringförmigen Verwerfungen seien gabbroische Ring-Dykes über einem großen intrusiven Magmakörper entstanden, bei der Erosion des Doms seien abwechselnd harte und weiche Gesteinsschichten erodiert worden.[7]

Commons: Richat-Struktur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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