Gulag-Museum

Museum in Moskau, Russland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Gulag-Museum (russisch Музей ГУЛАГа), offiziell „Staatliches Museum der Geschichte des Gulag“ (russisch: Государственный музей истории ГУЛАГа), war ein staatliches Museum in Moskau zur Geschichte des Systems der sowjetischen Zwangsarbeitslager, Straflager, Gefängnisse und Verbannungsorte von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre. Das Museum wurde 2021 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet.

Gulag-Museum in Moskau (2008)

Das Gulag-Museum wurde am 14. November 2024 auf Anordnung russischer Behörden geschlossen.

Geschichte

Entstehung

Das Museum wurde 2001 von Anton Wladimirowitsch Antonow-Owsejenko (1920–2013) gegründet, einem in Russland berühmten Dissidenten und Autor des in viele Sprachen übersetzten Werks „Stalin: Porträt einer Tyrannei“, der selbst von 1940 bis 1953[1] in Stalinschen Arbeitslagern inhaftiert war. Die Ausstellung wurde 2004 eröffnet.[2] Sie widmete sich neben der Darstellung des Gulag-Systems auch der Erforschung der politischen, administrativen und wirtschaftlichen Funktionen dieses Systems in der Sowjetunion.[3]

Seit Anton Antonow-Owsejenkos Tod leitete Roman Wladimirowitsch Romanow, der langjährige Stellvertreter des Gründers, das Museum. Am 31. Oktober 2015 eröffnete es an einem neuen Standort in der 1. Samotetschnyj-Gasse 9 (russisch: 1й Самотечный пер., д. 9), 3 Kilometer nördlich des Roten Platzes[4] mit einer viermal so großer Ausstellungsfläche wie zuvor.[5]

Das Museum war täglich außer montags von 12 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt war kostenlos.

Dauerausstellung

Ein Schwerpunkt der Dauerausstellung lag auf der exemplarischer Darstellung persönlicher Schicksale einzelner der insgesamt schätzungsweise 15 bis 18 Millionen Menschen, die zwischen 1934 und 1960 Opfer des Gulag-Systems wurden.[6] Dazu wurden Briefe und Erinnerungsstücke, die persönliche Habe und in den Lagern entstandene Kunstwerke ehemaliger Gulag-Insassen gezeigt, darunter viele, die Gulag-Überlebende und deren Nachkommen dem Museum übereignet hatten.[7] Videoinstallationen mit Zeugnissen ehemaliger Gefangener sowie aktuelle Kunstwerke zum Thema ergänzten die Ausstellungsstücke. Des Weiteren wurden Kopien amtlicher Dokumente sowie Nachbauten einer Gefangenenbaracke, einer Arrestzelle und eines Wachtturms aus einem Lager gezeigt. Das Museum verfügte außerdem über ein Dokumentenarchiv.[2]

Aktivitäten

Das Museum veranstaltete zusammen mit anderen Museen und Archiven, privaten Sammlern, Malern, Fotografen und zeitgenössischen Künstlern sowohl feste als auch Wanderausstellungen in Moskau und anderen Städten. Es organisierte regelmäßig Konferenzen, Seminare und Vorträge zu neueren Forschungsergebnissen zur Geschichte des Gulag und seiner Interpretation. Es gab Konzerte, Lesungen, Buchpräsentationen und Theateraufführungen. Das Museum beteiligte sich an der Moskauer Langen Nacht der Museen und führte russische und internationale Filme zum Thema vor.[2] Es nahm an Exkursionen zu den Orten des Gulag teil, beispielsweise in die wegen ihrer Zwangsarbeitslager berüchtigte Oblast Magadan,[5] und half mit, besondere Gedenkorte zu pflegen, darunter die Ermordungs- und Begräbnisstätte „Kommunarka“ des NKWD im Südwesten Moskaus, wo nach Angaben des FSB rund 6500 derzeit namentlich bekannte sowie eine unbekannte Anzahl namentlich nicht bekannter Opfer des Großen Terrors vergraben liegen.[8]

Ausstellungsauswahl

  • 2015: „Christmas in the GULAG“, Ausstellung zu den vielfältigen Versuchen von Lagerinsassen, das verbotene Weihnachtsfest zu feiern; Video-room, Videoperformances mit den Ergebnissen des Projekts MyGULag, in dem Interviews mit ehemaligen Insassen, deren Verwandten und Nachfahren sowie ehemaligen Wärtern mit Filmen, Photos und anderen Zeitdokumenten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts verknüpft worden sind; Gedenkveranstaltung zum Tibetaufstand 1959.
  • 2014: „I was alone and against all odds …“, Ausstellung von Arbeiten von Valentin Mitrofanow; „Repressed Buddhism“, Ausstellung zur Unterdrückung des Buddhismus in der Sowjetunion; „Between Worlds. Vadim Sidur and His Work“, Ausstellung zu Leben und Werk des Künstlers; „Life Line“, Videokunstpräsentation zur Rezeption der Vergangenheit; „Trials: 70 Years After“, Ausstellung zur Vertreibung der Inguschen im Zweiten Weltkrieg.
  • 2013: „I came as guest in your country. German anti-fascists in the Soviet Union 1933–1956“, Ausstellung zum Schicksal deutscher Emigranten in der Sowjetunion in den 1930er-Jahren; „Without the Tsar …“, Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Nowospasski-Kloster zur Erinnerung an 400 Jahre Romanow-Dynastie; „Trotsky. The Commissar Returns“, Ausstellung von Photos aus der Sammlung David King; „Presentation of a new collection of Varlam Shalamov’s works in 7 volumes“, Buchpräsentation; „Kharms-concert“, Konzert; „Karl Eimermacher. Under Protection – Unprotected“, Ausstellung mit Werken des deutschen Historikers und Slawisten.
  • 2012: „The Commissar Vanishes. The Falsification of Photographs and Art in Stalin’s Era“, Ausstellung von Photos aus der Sammlung David King; „Live Sound“, Konzert.
  • 2011: „ZONE. Uranium camps of Chukot“, Ausstellung von Fotos aus den Uranabbaugebieten im Fernen Osten.

Schließung

Das Kulturamt der Stadt Moskau behauptete gegenüber Agence France-Presse, „die Entscheidung, die Aktivitäten des staatlichen Gulag-Museums vorübergehend einzustellen“, wäre aus Sicherheitsgründen getroffen worden. Es seien „Verstöße gegen den Brandschutz“ entdeckt worden.[9] Dass dies ein Vorwand gewesen war, zeigte sich, als 2025 die endgültige Schließung verfügt wurde.[7] Das Gulag-Museum soll durch ein Museum zum Gedenken an den „Genozid am sowjetischen Volk“ ersetzt werden und – gemäß dem Beschluss der Duma „über den Völkermord an den Völkern der Sowjetunion durch Deutschland und seine Helfershelfer im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945“ vom 22. März 2023 – die Leiden und den Heldenmut der Sowjetmenschen im Großen Vaterländischer Krieg darstellen.[7]

Commons: State Museum of Gulag History – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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