Gulf and Western Industries

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Gulf and Western Industries, Inc. (stilisiert als Gulf+Western) war ein US-amerikanischer Mischkonzern mit Sitz in New York City. Das Unternehmen konzentrierte sich ursprünglich auf die Fertigung von Automobilteilen und den Rohstoffabbau, erwarb jedoch ab 1966 zahlreiche Unternehmen aus der Unterhaltungs- und Verlagsbranche. Zu den bekanntesten Übernahmen zählten das Filmstudio Paramount Pictures (1966),[1] die Fernsehproduktionsfirma Desilu Productions (1967), der Spielautomaten- und spätere Videospielhersteller Sega (1969) sowie der Buchverlag Simon & Schuster (1975).

Schnelle Fakten
Gulf and Western Industries, Inc.
Logo
Rechtsform Corporation
Gründung 1934 (als Michigan Bumper Corporation)
Auflösung 1989
Auflösungsgrund Umbenennung in Paramount Communications
Sitz New York City, New York, Vereinigte Staaten
Branche Mischkonzern
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In den 1980er Jahren veräußerte das Unternehmen seine Industrie- und Rohstoffbeteiligungen und benannte sich 1989 in Paramount Communications um. Eine Mehrheitsbeteiligung an Paramount Communications wurde 1994 von Viacom erworben. Die Unterhaltungssparten von Gulf and Western sind seit 2025 Teil des Medienkonzerns Paramount Skydance Corporation.

Geschichte

Gründung und Ära Bluhdorn

Die Ursprünge von Gulf and Western reichen bis zur Gründung der Michigan Bumper Corporation im Jahr 1934 zurück.[2] 1955 wurde das Unternehmen in Michigan Plating and Stamping Company umbenannt. Ein Jahr später übernahm der aus Wien stammende Unternehmer Charles Bluhdorn die Kontrolle über die Firma.[3] 1957 fusionierte Michigan Plating and Stamping mit der Beard & Stone Electric Company aus Houston (Texas). 1958 wurde das Unternehmen in Gulf and Western Corporation umbenannt – ein Name, der die Lage am Golf von Mexiko und die Ausrichtung auf die wachsende Automobilindustrie im Westen der USA widerspiegelte. 1960 erfolgte die endgültige Umbenennung in Gulf and Western Industries.[4][5]

Unter Bluhdorns Führung diversifizierte sich das Unternehmen in zahlreiche Branchen, darunter Landwirtschaft, Bekleidung, Bauprodukte, Unterhaltung, Finanzdienstleistungen, Konsumgüter, Rohstoffe und Verlagswesen. Bluhdorn verfolgte eine aggressive Akquisitionsstrategie: In manchen Jahren erwarb Gulf and Western über 20 Unternehmen.[6] Auf seinem Höhepunkt besaß der Konzern über 100 Tochtergesellschaften.

Wesentliche Übernahmen

Paramount Pictures (1966)

Die Übernahme von Paramount Pictures im Jahr 1966 war der bedeutendste Schritt in der Diversifizierungsstrategie von Gulf and Western.[1] Zum Zeitpunkt der Übernahme kämpfte Paramount mit schweren Verlusten aus der Filmproduktion und hatte die Fernsehproduktion eingestellt. Das Studio verfügte jedoch über wertvolle Vermögenswerte: umfangreiche Immobilienbestände, die kanadische Kinokette Famous Players sowie eine Bibliothek alter Filme, die gewinnbringend an Fernsehsender verkauft werden konnten. Gulf and Western zahlte 125 Millionen US-Dollar für Paramount; im Gegenzug stiegen die Konzernumsätze auf 450 Millionen Dollar, was das Unternehmen unter die 110 größten US-Industrieunternehmen brachte.[5]

Bluhdorn ernannte sich selbst zum Vorstandsvorsitzenden und Präsidenten von Paramount und beförderte Martin S. Davis zum operativen Geschäftsführer. Mit der Paramount-Übernahme erlangte Gulf and Western auch die Kontrolle über das Plattenlabel Dot Records, den Musikverlag Famous Music und das Animationsstudio Famous Studios.

Unter Bluhdorns Ägide stieg Paramount vom neuntgrößten Filmstudio nach Einspielergebnissen zur Nummer eins auf, mit Erfolgsfilmen wie Der Pate und Chinatown.

Desilu Productions (1967)

1967 erwarb Gulf and Western Desilu Productions, die von Lucille Ball und Desi Arnaz gegründete Fernsehproduktionsfirma. Der Kauf umfasste wertvolle Fernsehformate wie Star Trek und Kobra, übernehmen Sie (Mission: Impossible), die zu den profitabelsten Produktionen des Konzerns werden sollten. Desilu wurde in Paramount Television umbenannt.[1]

Das US-Justizministerium zwang Gulf and Western, die Desilu-eigenen Culver Studios in Culver City zu verkaufen, um eine Monopolstellung zu vermeiden.

Sega (1969)

1969 erwarb Gulf and Western den Spielautomatenhersteller Sega.[7][8][9] Die Sega-Tochtergesellschaften waren in den USA und Japan aktiv. 1983 verkaufte Gulf and Western im Zuge der Restrukturierung die US-Vermögenswerte von Sega an den Flipperautomaten-Hersteller Bally Manufacturing. Die japanischen Sega-Vermögenswerte (Sega Enterprises, Ltd., die Markenrechte und die Spielebibliothek) wurden 1984 von einer Investorengruppe unter der Leitung von David Rosen und Hayao Nakayama erworben – und bildeten die Grundlage für die spätere Sega Corporation.[10]

Jahrzehnte später kooperierten Paramount und Sega bei der Produktion einer Filmreihe basierend auf dem Videospiel Sonic the Hedgehog.

Simon & Schuster (1975)

1975 erwarb Gulf and Western den Buchverlag Simon & Schuster, einschließlich der Taschenbuchmarke Pocket Books. In den 1980er Jahren wurde die Verlagssparte durch den Kauf von Prentice Hall (1984), Esquire Inc. (1984, mit den Verlagen Allyn & Bacon und Globe Book Company), Silver Burdett (1986) und Ginn & Company (1985) erheblich ausgebaut.

Madison Square Garden (1977)

1977 übernahm Gulf and Western die Madison Square Garden Corporation, wodurch der Konzern auch Eigentümer der New York Rangers (NHL), der New York Knicks (NBA) und der Eisshow Holiday on Ice wurde. Zur Übernahme gehörten außerdem das O'Hare Hilton Hotel in Chicago, mehrere Pferderennbahnen (Arlington Park, Roosevelt Raceway) sowie Immobilien in Manhattan und auf Long Island.[11]

Weitere bedeutende Beteiligungen

Zu den weiteren wesentlichen Übernahmen unter Bluhdorn gehörten:

  • New Jersey Zinc Company (1966): Ein Bergbau- und Chemieunternehmen mit Zink- und Titanproduktion. Die ehemalige Superfund-Altlast der Eagle Mine in Colorado wurde später Viacom International als Rechtsnachfolgerin zugerechnet.
  • South Puerto Rico Sugar Company (1967): Eine Holdinggesellschaft mit Zuckerrohrraffinerie in Puerto Rico und der Central Romana Corporation in der Dominikanischen Republik.
  • Associates Investment (1968): Ein Finanzdienstleister mit Bank- und Versicherungstöchtern.
  • Consolidated Cigar Corporation (1968): Zigarrenherstellung in den USA und den Niederlanden.
  • Kayser-Roth Corporation (1975): Ein Bekleidungsunternehmen, zu dem auch Miss Universe Inc. gehörte, da Kayser-Roth zuvor Pacific Mills übernommen hatte, den Erfinder des Wettbewerbs.
  • Simmons Company (1979): Matratzen- und Bettenhersteller.

Gulf and Western hielt darüber hinaus Minderheitsbeteiligungen an zahlreichen Unternehmen, darunter Alberto-Culver, Brunswick Corporation, Bulova, Cummins und Uniroyal.[12]

Weitere Aktivitäten unter Bluhdorn

Musik- und Schallplattengeschäft

Mit der Paramount-Übernahme erlangte Gulf and Western auch die Kontrolle über Dot Records und den Musikverlag Famous Music. 1968 wurde Stax Records (zusammen mit dem Schwesterlabel Volt Records) übernommen und als Tochtergesellschaft von Dot geführt. 1969 wurde ein neues Label, Paramount Records, gegründet, das Dots Pop-Katalog übernahm, während Dot zu einem reinen Country-Label wurde. 1970 verkaufte Gulf and Western Stax Records an dessen ursprüngliche Eigentümer zurück. 1974 wurde das gesamte Schallplattengeschäft an die American Broadcasting Company veräußert, die Dot und Blue Thumb Records als Tochtergesellschaften von ABC Records weiterführte.

Engagement in der Dominikanischen Republik

Gulf and Western hatte über die South Puerto Rico Sugar Company und die Central Romana Corporation umfangreiche Aktivitäten in der Dominikanischen Republik, darunter Zuckerproduktion, Tourismus und eine industrielle Freihandelszone in La Romana. In den 1970er Jahren ließ Bluhdorn auf dem Gelände der Zuckermühle das Luxusresort Casa de Campo errichten. Anfang der 1980er Jahre wurde das Künstlerdorf Altos de Chavón fertiggestellt, ein von dem ehemaligen Paramount-Bühnenbildner Roberto Copa entworfenes Projekt im Stil eines mediterranen Dorfes des 16. Jahrhunderts.

Cinema International Corporation

Anfang der 1970er Jahre fusionierten Gulf and Westerns Paramount und MCAs Universal ihre internationalen Vertriebsaktivitäten zur Cinema International Corporation, einem Joint Venture. United Artists trat dem Gemeinschaftsunternehmen später bei, das schließlich in United International Pictures umbenannt wurde.[5]

Viertes US-Fernsehnetwork

Barry Diller, damals Vorstandsvorsitzender von Paramount, schlug die Gründung eines vierten US-Fernsehnetworks vor – den Paramount Television Service. Das Projekt wurde jedoch sechs Monate vor dem geplanten Start von Bluhdorn abgesagt, der massive Verluste befürchtete.[13] Diller wechselte daraufhin zu 20th Century Fox, wo er unter dem neuen Eigentümer News Corporation die Fox Broadcasting Company mitgründete – das vierte Fernsehnetzwerk, das Paramount nie realisiert hatte.

Tod Bluhdorns und Umstrukturierung unter Martin S. Davis

Am 19. Februar 1983 starb Charles Bluhdorn an einem Herzinfarkt auf einem Flug von der Dominikanischen Republik nach New York. Der Vorstand überging den amtierenden Präsidenten Jim Judelson und ernannte den Vizepräsidenten Martin S. Davis – der über Paramount Pictures zum Konzern gekommen war – zum neuen Vorstandsvorsitzenden.[14][15]

Davis verfolgte eine konsequente Restrukturierungsstrategie: Der Konzern sollte sich auf Unterhaltung und Verlagswesen konzentrieren, um den Investoren eine bessere Bewertung der Aktie zu ermöglichen. Obwohl Paramounts Filmsparte sehr erfolgreich war, spiegelte sich dies nicht im Aktienkurs des diversifizierten Mischkonzerns wider.[14][16]

Die wichtigsten Veräußerungen unter Davis:

  • 1983: Consolidated Cigar Corporation (Verkauf an das eigene Management unter Alexander N. Brainard); Bauproduktsparte (Symons Corporation, Livingston-Graham u. a.) an Merrill L. Nash; E. W. Bliss Company an eine Investorengruppe; US-Vermögenswerte von Sega an Bally Manufacturing
  • 1984: Taylor-Forge-Betriebe an private Eigentümer; Bonney Forge an deren Präsidenten John Leone; Zucker- und Dominikanische-Republik-Beteiligungen an eine Investorengruppe um Carlos Morales Troncoso und die Fanjul-Familie[17]
  • 1985: Konsumgüter- und Industriesparte (A.P.S. Autoteile, Kayser-Roth Bekleidung, Simmons Betten) an die Wickes Companies[18]

Gleichzeitig stärkte Davis die Verlagssparte durch den Erwerb von Prentice Hall und Esquire Inc. (beide 1984), Silver Burdett (1986) und die Kinokette Mann Theatres (1986).

Umbenennung in Paramount Communications (1989)

1989 benannte sich Gulf and Western in Paramount Communications um und verkaufte die Associates First Capital Corporation an die Ford Motor Company.[19] Der Namenswechsel unterstrich die vollständige Transformation vom Industriekonglomerat zum Medien- und Verlagskonzern.

1994 erwarb Viacom die Mehrheit an Paramount Communications. Die früheren Unterhaltungssparten von Gulf and Western sind über verschiedene Unternehmensumstrukturierungen seit 2025 Teil der Paramount Skydance Corporation.

Firmensitz

Vor 1970 befand sich der Firmensitz an der Madison Avenue in Manhattan. 1970 wurde das von Thomas E. Stanley entworfene Gulf-and-Western-Gebäude (15 Columbus Circle) am Südwestrand des Central Parks fertiggestellt. Das 45-stöckige Gebäude (178 m) hatte bauliche Probleme: Die oberen Stockwerke schwankten an windigen Tagen übermäßig stark. Im obersten Stockwerk befand sich ein Restaurant, The Top of the Park.

Nach dem Ende von Gulf and Western wurde das Gebäude 1997 nach Plänen von Costas Kondylis und Philip Johnson umfassend zum Trump International Hotel and Tower umgebaut. Aus den 45 Büroetagen wurden 52 Wohnetagen, und die Fassade erhielt eine neue Verglasung mit Stahlrahmen.

Einordnung

Gulf and Western gilt als eines der prominentesten Beispiele für die Konglomeratswelle in den USA der 1960er und 1970er Jahre, vergleichbar mit ITT und Litton Industries.[20] Die Strategie, durch den Erwerb unterbewerteter Unternehmen über verschiedene Branchen hinweg zu wachsen, funktionierte so lange, wie der Aktienkurs des Konglomerats hoch genug war, um weitere Übernahmen mit eigenen Aktien zu finanzieren.[6][21] Mit dem Ende der Konglomerats-Ära in den 1980er Jahren – als Investoren erkannten, dass solche Mischkonzerne oft weniger wert waren als die Summe ihrer Teile – zerlegte sich Gulf and Western unter Davis’ Führung selbst, bevor feindliche Übernahmen dies hätten erzwingen können.

Siehe auch

Literatur

  • Bernard F. Dick: Engulfed: The Death of Paramount Pictures and the Birth of Corporate Hollywood. University Press of Kentucky, Lexington 2001, ISBN 0-8131-2202-3.
  • Stephen Prince: A New Pot of Gold: Hollywood Under the Electronic Rainbow, 1980–1989. University of California Press, Berkeley 2000, ISBN 0-520-23266-6.
  • Robert Evans: The Kid Stays in the Picture. Hyperion, New York 1994, ISBN 0-7868-6059-6.
Commons: Gulf and Western Industries – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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