Gulli Petrini

schwedische Physikerin und Suffragette From Wikipedia, the free encyclopedia

Gulli Charlotta Petrini, geb. Rossander (* 30. September 1867 in Stockholm; † 18. April 1941 ebenda) war eine schwedische Physikerin, Frauenrechtsaktivistin, Politikerin und Lehrerin. Sie zählte zu den aktivsten Frauen in der linksliberalen Bewegung Schwedens um die Jahrhundertwende[1] und setzte sich unter anderem für das Frauenwahlrecht ein.

Gulli Petrini

Leben und Werdegang

Petrini besuchte die Wallin-Schule in Stockholm – die erste Mädchenschule in Schweden, deren Schülerinnen berechtigt waren, das für den Zugang zur Universität vorausgesetzte studentexamen abzulegen. Sie machte 1887 ihren Schulabschluss und schrieb sich noch im gleichen Jahr an der Universität Uppsala ein, wo sie Mathematik und Physik studierte.

1900 verteidigte sie erfolgreich ihre Dissertation über das Ausströmen von Gasen durch Kapillarrohre bei niedrigem Druck. Hierfür wurde ihr der Doktortitel im Fachgebiet Physik verliehen.[2]

1902 heiratete sie den Naturwissenschaftler Henrik Petrini und zog mit ihm zusammen nach Växjö, wo beide als Lehrkräfte arbeiteten. Insbesondere ihre religionskritische Haltung stieß dort bei den kirchlichen Führungskräften auf Ablehnung. Petrini erhielt trotz ihrer hohen Qualifikationen keine Beförderung und wurde schließlich entlassen, weil sie darauf bestand, die Evolutionstheorie zu lehren. Daraufhin widmete sie sich zunehmend ihrer politischen Karriere.[2]

1914 kehrten die Petrinis nach Stockholm zurück. Gulli Petrini nahm eine Stelle an der koedukativen Whitlock-Schule an[3], die sich durch ein für die Zeit besonders fortschrittliches Bildungskonzept auszeichnete, etwa im Hinblick auf die Wahrung der Religionsfreiheit.[4]

Gulli Petrini starb am 18. April 1941 an Gebärmutterkrebs. Sie wurde auf dem Norra begravningsplatsen (Nordfriedhof) in Solna bestattet.

Engagement für Frauenrechte

Portrait von Gulli Petrini. Darunter in ihrer Handschrift: "Die Frauen wollen sich an der Gesetzgebung beteiligen, die ihr Heim und ihre Kinder betrifft. Sie wollen den Schwachen und Schutzlosen helfen und zum Wohlergehen aller beitragen."

Während ihrer Studienzeit in Uppsala lebte Gulli Petrini im Haus der Schriftstellerin und Feministin Ann Margret Holmgren, mit der sie sich später gemeinsam in der Frauenbewegung engagierte und ihr Leben lang befreundet blieb.[3] Dort, in der Villa Åsen, fand viel Austausch unter libertären und radikalen Studierenden statt, und die dort geknüpften Kontakte spielten teils eine maßgebliche Rolle für den politischen Werdegang Petrinis.[2]

Als sich 1903 in Växjö eine Vereinigung für das Wahlrecht bildete, wurde Petrini schon bald deren Vorsitzende. Sie vertrat ihre Forderungen (sowohl zum Wahlrecht als auch zu anderen Themen, wie der Rechtslage unverheirateter Mütter oder dem Schulwesen) bei verschiedenen Kongressen im In- und Ausland.[3]

1910, als Frauen erstmals für kommunale Versammlungen wählbar wurden, wurde Petrini in den Stadtrat gewählt. Im Jahr darauf folgte ihre Wahl in die drätselkammare, die für die Verwaltung der kommunalen Finanzen zuständig war. Damit war sie die erste Frau in Schweden, die ein solches Amt innehatte.[5] Zu ihren Hauptanliegen im Stadtrat zählten soziale Fragen, die ihres Erachtens auf kollektiver bzw. politischer Ebene zu lösen waren.[2]

Auch nach ihrem Umzug zurück in ihre Heimatstadt Stockholm blieb Gulli Petrini in der Frauenbewegung aktiv. Sie wurde Vorsitzende der Stockholmer Lokalgruppe der LKPR (Landsföreningen för kvinnans politiska rösträtt Landesvereinigung für das politische Wahlrecht der Frau)[3] und war ein aktives Mitglied der Föreningen frisinnande kvinnor (Vereinigung frei denkender Frauen).

Nachdem das allgemeine Wahlrecht 1921 eingeführt worden war, setzte Petrini ihr Engagement für Frauenrechte fort. In den 1930ern beteiligte sie sich an Diskussionen zum Recht verheirateter Frauen auf eine Karriere. 1939 wurde in Schweden ein Gesetz erlassen, das Arbeitgebern untersagte, Frauen aufgrund von Ehe oder Schwangerschaft zu entlassen.[6]

Schriften

Physik

  • Om gasers utströmning genom kapillärrör vid låga tryck. Almqvist & Wiksell, Uppsala 1900. OCLC 32947279
  • Enklare fysiska experiment vid laborationsöfhingar i skolor. Aktiebolaget Ljus, Stockholm 1905. (Zusammen mit Henrik Petrini.)

Frauenrechte

  • Kvinnorna och statsämbetena. Stockholm 1911.
  • Kvinnorösträttens riksdagshistoria i Sverige 1884–1912. Eklund, Stockholm, 1914.
  • Hur kvinnorösträtten vinner terräng ute i världen. Eklund, Stockholm 1916.
  • Gift kvinnas rätt till arbetsanställning. In: Tidevarvet, 11(1933):20. Stockholm, 1933.
  • Anna Bugge Wicksell. En internationell märkeskvinna. Stockholm 1934.
Commons: Gulli Petrini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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