Guri Melby

norwegische Sprachwissenschaftlerin und Politikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Guri Melby (* 3. Februar 1981 in Orkdal) ist eine norwegische Politikerin der sozialliberalen Partei Venstre, deren Vorsitzende sie seit September 2020 ist. Sie war von März 2020 bis Oktober 2021 die Bildungs- und Integrationsministerin ihres Landes. Von 2018 bis 2020 war sie Abgeordnete im Storting, seit 2021 ist sie es erneut.

Porträtfoto einer blonden Frau
Guri Melby, 2025

Leben

Herkunft und Studium

Guri Melby stammt aus der ehemaligen Kommune Orkdal in Trøndelag.[1] Dort besuchte sie von 1997 bis 2000 die weiterführende Schule. Von 2000 bis 2007 studierte sie an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU), wo sie mit einem Mastergrad in nordischen Sprachen abschloss.[2]

Berufliche Tätigkeiten

Nachdem sie von 2007 bis 2008 ein Jahr als Lehrerin tätig gewesen war, wechselte sie 2008 an die Hochschule in Sør-Trøndelag (Høgskolen i Sør-Trøndelag), wo sie Norwegisch-Dozentin für Lehramtsstudierende wurde. Diese Tätigkeit führte sie bis 2011 aus. Von 2009 bis 2011 war sie zudem als Beraterin für das Nasjonalt senter for skriveforskning og skriveopplæring, einem nationalen Forschungszentrum für Schriftsprache, tätig. In der Zeit von 2011 bis 2012 war sie als Ministerialreferentin im Bildungsministerium.[2] Von 2012 bis 2013 arbeitete sie als Dozentin an der Hochschule Oslo und Akershus (Høgskolen i Oslo og Akershus).[1]

Parteikarriere

Im Jahr 2010 wurde Melby Mitglied im Vorstand der Venstre-Partei. Nachdem Trine Skei Grande ihren Rücktritt vom Parteivorsitz ankündigte, wurde Melby im August 2020 vom Wahlausschuss ihrer Partei als neue Venstre-Vorsitzende vorgeschlagen. Am 26. September 2020 wurde sie bei einem Parteitag schließlich in diese Position gewählt.[3][4]

Spitzenkandidatin 2021

Melby führte ihre Partei bei der Parlamentswahl 2021 als Spitzenkandidatin an. Mit 4,6 % konnte Venstre ihr Ergebnis leicht verbessern. Der Partei gelang es damit erneut, mehr als vier Prozent der Stimmen zu erzielen und somit bei den Ausgleichsmandaten berücksichtigt zu werden.[1]

Spitzenkandidatin 2025

Im Vorfeld der Parlamentswahl 2025 kämpften Melby und ihre Partei mit den guten Umfrageergebnissen der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet (FrP). Im Zuge dessen trat wiederholt die Frage auf, ob Venstre im Falle einer bürgerlichen Mehrheit die FrP-Vorsitzende Sylvi Listhaug als Ministerpräsidentin unterstützen würde.[5][6] Bei der Wahl selbst rutschte die Partei schließlich überraschend auf 3,6 % der Stimmen ab. Damit wurde ihre Partei nicht bei den Ausgleichsmandaten berücksichtigt und die Stortingsfraktion der Venstre schrumpfte auf drei Mandate.[1]

Öffentliche Ämter

Lokalpolitikerin (1999–2019)

Von 1999 bis 2007 war Melby Mitglied im Kommunalparlament von Orkdal. In der von 2007 bis 2011 andauernden Legislaturperiode gehörte sie dem Stadtrat von Trondheim an.[1]

Im Oktober 2013 wurde sie Mitglied im Byråd der Stadt Oslo, also der Stadtregierung. Als solche war sie für den Bereich Umwelt und Verkehr zuständig.[7] Ihre Amtszeit dauerte bis zum Rücktritt des Byråds im Oktober 2015 an.[8] Es folgten vier Jahre als Mitglied im Osloer Stadtrat.[1]

Stortingsabgeordnete (seit 2018)

Bei den Parlamentswahlen 2013 und 2017 wurde Melby im norwegischen Parlament, dem Storting, jeweils erste Vararepresentantin, also Ersatzabgeordnete, der Partei Venstre in Oslo. Als solche kam sie ab dem 17. Januar 2018 zu einem dauerhaften Einsatz, als ihre Parteikollegin Trine Skei Grande aufgrund ihrer Regierungsmitgliedschaft ihr Stortingsmandat ruhen lassen musste. Melby wurde daraufhin Mitglied im Fraktionsvorstand sowie im Bildungs- und Forschungsausschuss. Im Januar 2020 ging sie in den Finanzausschuss über. Melbys Einsatz endete im März 2020, als sie selbst Regierungsmitglied wurde.[2]

Erstmals direkt ins Storting zog sie bei der Stortingswahl 2021 ein. Dort wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Außen- und Verteidigungsausschusses und Vorsitzende der Venstre-Fraktion. Nach der Parlamentswahl 2025 wechselte Melby in den Bildungs- und Forschungsausschuss und übernahm dort den stellvertretenden Vorsitz. Sie blieb auch nach der Wahl die Fraktionsvorsitzende ihrer Partei.[2]

Bildungs- und Integrationsministerin (2020–2021)

Am 13. März 2020 wurde Melby zur Bildungs- und Integrationsministerin in der Regierung Solberg ernannt.[9] Der Posten war frei geworden, nachdem Grande ihren Rücktritt von ihrem Ministeramt angekündigt hatte.[10] Ihre Amtszeit endete mit dem Abtritt der Regierung am 14. Oktober 2021.[9]

Positionen

China

Beim Besuch des chinesischen Politikers Li Zhanshu im Storting im Mai 2019 demonstrierte Melby gemeinsam mit Petter Eide von der Sosialistisk Venstreparti, indem sie T-Shirts trugen, auf denen sowohl auf Norwegisch als auch Mandarin „Freiheit“ aufgedruckt war. Ihr wurde daraufhin der Zugang in das Parlamentsgebäude verweigert.[11] Im Oktober erklärte sie, die Hongkonger Bürger wegen ihres Kampfes für Meinungsfreiheit und Demokratie für den Friedensnobelpreis 2020 nominiert zu haben.[12][13]

EU-Mitgliedschaft Norwegens

Im September 2020 plädierte sie bei einer Rede auf dem Parteitag der Venstre dafür, eine EU-Mitgliedschaft Norwegens als Ziel in das Parteiprogramm aufzunehmen. Melby erklärte, dass die Europäische Union die Norwegen am nahestehendste Wertegemeinschaft sei und die EU eine zentrale Rolle in der Lösung der Klimakrise hätte, was das Hauptziel der Venstre sei.[14]

Commons: Guri Melby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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