Gustav Hinrichs
deutsch-US-amerikanischer Dirigent und Komponist
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Gustav Ludwig Wilhelm Hinrichs (* 10. Dezember 1850 in Grabow, Mecklenburg; † 26. März 1942 in Mountain Lakes, New Jersey, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-US-amerikanischer Dirigent und Komponist.

Leben
Gustav Hinrichs verbrachte seine Kindheit in einem stark musikalisch geprägten Elternhaus. Sein Vater August Hinrichs, selbst Musiker, übernahm früh seine Ausbildung und unterrichtete ihn in Violine, Klavier und Klarinette. Bereits als Jugendlicher zeigte Hinrichs außergewöhnliches musikalisches Engagement: Mit etwa fünfzehn Jahren begann er zu dirigieren und sammelte bald praktische Erfahrung im Orchesterbetrieb, unter anderem durch Mitwirkungen an der Hamburger Staatsoper. Seine weiterführende musikalische Ausbildung erhielt er ebenfalls in Hamburg. Dort studierte er Komposition bei Angelo Reisland sowie bei dem angesehenen Musikpädagogen Eduard Marxsen, der auch Johannes Brahms zu seinen Schülern zählte.
Im Jahr 1870 verließ Hinrichs Deutschland und wanderte in die Vereinigten Staaten aus, nicht zuletzt, um dem Militärdienst zu entgehen. Seine erste Station war San Francisco, wo bereits Bekannte seiner Familie lebten. Dort gelang es ihm rasch, beruflich Fuß zu fassen. Er arbeitete zunächst als Klavierlehrer und Organist in Kirchen, leitete mehrere Chorgesellschaften und fand bald Zugang zur Opernszene der Stadt. Als Dirigent war er unter anderem für die Fabbri Italian and German Opera Company, die Emily Melville Opera Company sowie später für das Tivoli Opera House tätig. 1885 zog er nach New York, wo er als Assistent von Theodore Thomas bei der American Opera Company wirkte. Drei Jahre später ließ er sich in Philadelphia nieder und gründete dort ein eigenes Opernensemble, das unter verschiedenen Namen auftrat, darunter National Opera Company und Gustav Hinrichs Opera Company. In seiner Tätigkeit als Dirigent und Impresario trug er wesentlich dazu bei, bedeutende europäische Opernwerke dem amerikanischen Publikum näherzubringen. Zu den von ihm geleiteten US-Erstaufführungen zählen unter anderem Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana (1891) und Giacomo Puccinis Manon Lescaut (1894). Gegen Ende des Jahrhunderts arbeitete er außerdem mit der Metropolitan Opera zusammen. Parallel zu seiner Bühnenarbeit unterrichtete Hinrichs zwischen 1895 und 1906 am National Conservatory of Music of America sowie an der Columbia University und prägte damit zahlreiche junge Musiker.
Neben seiner Dirigentenlaufbahn war Hinrichs auch kompositorisch tätig. Sein Werk umfasst vier Opern sowie zahlreiche Lieder, Chorwerke, Orchesterstücke und Bearbeitungen. Zwei seiner Opern gelangten bereits zu seinen Lebzeiten zur Aufführung: Der vierjährige Posten, uraufgeführt 1877 in San Francisco, und Onti-Ora, das 1890 in Philadelphia erstmals auf die Bühne kam und durch den Versuch auffiel, einen eigenständig amerikanischen Opernstoff zu gestalten. Später widmete er sich verstärkt orchestralen Arrangements und beteiligte sich zudem an der noch jungen Filmindustrie. In den 1920er Jahren komponierte und arrangierte er Orchestermusik für Stummfilme der Universal Studios, darunter die Musik zum Film The Phantom of the Opera (1925) mit Lon Chaney senior.
In den 1920er Jahren zog sich Hinrichs schrittweise aus dem aktiven Dirigierbetrieb zurück und ließ sich in Mountain Lakes im Bundesstaat New Jersey nieder. Dort blieb er weiterhin als Lehrer und Komponist tätig, allerdings überwiegend im privaten Rahmen. Er starb 1942 im Alter von 91 Jahren und wurde auf dem Greenwood Cemetery in Boonton, New Jersey beigesetzt.[1]
Kompositionen (Auswahl)
- Weihnachts-Cantate, für Soli, Chor, Orgel und Ensemble op.3 (1873)
- Der vierjährige Posten, Oper op.7 (1877) (Libretto von Theodor Körner)
- Romanze für Cello und Klavier op.18 (1882)
- Cavatine für Violine und Klavier (1883)
- Suite symphonique für Orchester op.20 (1885)
- Onti-Ora, Oper op.22 (1890) (Libretto von M. B. M. Toland)
- Eine Tanzweise für gemischten Chor und Orchester op.31 (1899, Gedicht von Ottokar Kernstock)
- Columbiana für Orchester op.38 (1905) (gewidmet den Alumni und Studenten der Columbia University)
Literatur
- June C. Ottenberg: Gustav Hinrichs (1850-1942). American Conductor and Composer. Warren (Michigan): Harmonie Park Press. 2003. ISBN 0-89990-117-4
- Hinrichs, Gustav (Carl). In: The National Cyclopedia of American Biography. Band 38. James Terry White & Co., New York 1953, S. 574–575 (englisch, archive.org [abgerufen am 28. April 2026]).