Gustav Oberleithner

tschechoslowakischer Politiker (DNP) From Wikipedia, the free encyclopedia

Gustav Oberleithner (* 8. April 1871 in Mährisch Schönberg, Bezirk Schönberg, Österreich-Ungarn; † 19. Mai 1945 in Rapotín, Okres Šumperk, Tschechoslowakei) war ein tschechoslowakischer Politiker (Deutsche Nationalpartei) deutscher Nationalität. Er war von 1918 bis 1921 Bürgermeister der Stadt Mährisch Schönberg und von 1920 bis 1929 Abgeordneter zum Senat der Ersten Tschechoslowakischen Republik.

Gustav Oberleithner (vor 1924)

Leben und Wirken

Nach dem Schulbesuch in Mährisch Schönberg studierte er Chemie und wurde Ingenieur. Durch Erbschaft gelangte er in den Besitz einer Seifenfabrik, aus der er eine Mineralölraffinerie machte. 1900 wurde er in den Stadtrat von Mährisch Schönberg gewählt und 1906 zum stellvertretenden Bürgermeister der Stadt ernannt. Er wechselte daraufhin hauptamtlich in die Kommunalpolitik und wurde 1918 als Nachfolger von Viktor Woelhelm zum ersten Bürgermeister von Mährisch Schönberg gewählt. Dieses Amt übte er bis 1921 aus, setzte sich für die Modernisierung der Stadt und den Bau eines Kraftwerks sowie die Erweiterung der Wasserversorgung ein.[1]

Nach Gründung der Tschechoslowakei wurde Oberleithner Mitglied der ebenfalls neugegründeten Deutschen Nationalpartei der Tschechoslowakei und erhielt bei den Parlamentswahlen 1920 einen Sitz im Senat. Bei den Wahlen 1925 verteidigte er sein Mandat. Wegen eines Abos der nationalsozialistisch ausgerichteten Zeitschrift Sudetendeutsches Echo wurde gegen ihn 1927 den Antrag auf Aufhebung seiner Immunität gestellt, was jedoch durch das Parlament abgelehnt wurde. Er zog sich daraufhin 1929 nach Ablauf der Wahlperiode aus der aktiven Politik zurück.[2]

Nachdem sich die Deutschnationale Partei 1933 selbst aufgelöst hatte, wurde er Mitglied der Sudetendeutschen Heimatfront, aus der 1935 die Sudetendeutsche Partei (SdP) hervorging.

Nach der Besetzung des Sudetenlandes durch das Deutsche Reich wurde er deutscher Staatsbürger. Am 9. April 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.694.997).[3] Er starb wenige Tage nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei im Mai 1945.

Ehrungen

  • 1917: Ehrenbürger der Stadt Mährisch Schönberg

Literatur

  • Mads Ole Balling: Von Reval bis Bukarest – Statistisch-Biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1945, Band 1 und 2, Kopenhagen 1991, ISBN 87-983829-1-8.

Einzelnachweise

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