Gustav Tafel
Bürgermeister von Cincinnati, Rechtsanwalt und Offizier im Amerikanischen Bürgerkrieg
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Gustav Rudolf Tafel, auch Gustavus Tafel (* 13. Oktober 1830 in München; † 12. November 1908 in Cincinnati, Ohio, USA), war ein deutschamerikanischer Drucker, Offizier im Amerikanischen Bürgerkrieg und Bürgermeister von Cincinnati.


Biografie
Tafel wurde 1830 in München geboren. Seine Eltern waren der württembergische Bibelübersetzer Johann Friedrich Leonhard Tafel (1800–1880) und Carolina Luise Vaihinger (1801–1887). Er war mit Therese Dorn (* 15. Oktober 1849 in Triest; † 26. Mai 1909 in Cincinnati/Ohio) verheiratet. Aus der Ehe gingen 11 Kinder hervor.
Im Alter von 18 Jahren, im Jahre 1849, emigrierte Gustav noch vor seinen Eltern zusammen mit seinem Bruder Gustav Albert nach Nordamerika. Die Eltern folgten 1853. In Cincinnati, Ohio fanden die Brüder Unterschlupf bei ihrer Tante Vaihinger, einer Schwester ihrer Mutter. Gustav und Albert Tafel gehörten zu der Auswanderungsgruppe, die Achtundvierziger genannt wurden. Sie wanderten in den Jahren 1848/1849 aus politischen und religiösen Gründen nach Amerika aus.
Werdegang
Tafel fand in Cincinnati, Ohio mit seiner großen Gemeinde von deutschen Einwanderern eine Anstellung als Drucker und arbeitete sich bis zum Zeitungsredakteur hoch. Gemeinsam mit Max Burgheim baute er später die Cincinnati Freie Presse zu einer der einflussreichsten deutschsprachigen Tageszeitungen im Mittleren Westen aus und nutzte sie als Plattform für die Ideale der Achtundvierziger.[1]
Als der Amerikanische Bürgerkrieg ausbrach und Gouverneur William Dennison Freiwillige für die Armee rekrutierte, meldete sich Tafel mit den "Cincinnati Turnverein" und diente im mehrheitlich deutschen 9. Ohio Infanterie Regiment, zuerst als Stabsfeldwebel (First sergeant), ab Juni 1862 als Leutnant (Second lieutenant).[2]
Im August 1862 wurde ihm als Oberstleutnant (Lieutenant Colonel) das Kommando des 106. Infanterie-Regiments (auch als "The 4th German Regiment" bekannt) übertragen. Unter seinem Kommando sicherte das Regiment wichtige Versorgungslinien der Union in Kentucky und Tennessee gegen konföderierte Kavallerie-Überfälle.[3] Als das Regiment am 29. Juni 1865 aufgelöst wurde, quittierte auch Tafel den Dienst in der Armee.[4]
Tafel arbeitete anschließend in Cincinnati als Rechtsanwalt. Als Mitglied der Demokratischen Partei war er von 1866 bis 1868 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Ohio. Im Jahr 1897 wurde er als Reformkandidat gegen das korrupte Parteisystem von George B. Cox zum Bürgermeister von Cincinnati gewählt (bis 1900). In seiner Amtszeit setzte er sich besonders für die Einführung des Leistungsprinzips (Merit System) im öffentlichen Dienst ein, um politische Günstlingswirtschaft zu bekämpfen.[5] Zudem engagierte er sich zeitlebens im Deutschen Pionier-Verein von Cincinnati und dokumentierte dort die Geschichte der deutschen Einwanderer.[6]
Literatur
- Tafel, Gustav: The Cincinnati Germans in the Civil War." Translated and edited with Supplements on Germans from Ohio, Kentucky, and Indiana in the Civil War by Don Heinrich Tolzmann. Milford, Ohio: Little Miami Publishing Co. 2010.
- Christina Ziegler-McPherson: Gustav Tafel. In: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): American Dreams. Ein neues Leben in den USA. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-933726-69-8, S. 54f.
Weblinks
- Gustav Tafel in der Datenbank Find a Grave