Gustav Tellgmann

deutscher Offizier sowie Widerstandskämpfer, Opfer des Holocaust From Wikipedia, the free encyclopedia

Gustav Oskar Ludwig Tellgmann (* 22. Oktober 1891 in Weida, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach; † 26. Februar 1945 in Brandenburg-Görden) war ein deutscher Oberstleutnant der Wehrmacht, der wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet wurde.

Leben

Gustav Tellgmann wurde im Oktober 1891 in der kleinen (heute thüringischen) Stadt Weida geboren. Über sein Leben vor dem Zweiten Weltkrieg ist nur wenig bekannt. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Gefreiter im Infanterie-Regiment 118 teil und wurde 1916 leicht verwundet.[1]

Am 1. April 1933 trat Tellgmann in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein (Mitgliedsnummer 1687853).[2] Zu jenem Zeitpunkt war er laut Mitgliedsausweis von Beruf Polizeihauptmann („Pol. Hptm.“) mit Wohnsitz in Frankfurt-Bockenheim, Robert-Mayer-Straße 47.[2] In der aufarbeitenden Literatur wird er später als Berufsoffizier bezeichnet.[3] Zum 1. April 1934 wurde er zum Major (E) befördert und war 1939 bei der Wehrmacht dem Festungspionierstab 15 in Freiburg im Breisgau zugeordnet.[4]

Nachdem er aus Stalingrad entkommen war und ein Regiment in Posen befehligt hatte, äußerte er seine Zweifel zum glücklichen Kriegsausgang.[5] Später Oberstleutnant und Oberstaffelführer im Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, hatte er seit Ende Mai 1944 in Gesprächen seiner Regimefeindlichkeit wiederholt Ausdruck verliehen. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 hatte er überdies ausdrücklich Partei für die Widerstandskämpfer genommen und eine bevorstehende Revolution prophezeit.

Von seiner Zimmerwirtin denunziert, wurde Tellgmann in Frankfurt/Oder festgenommen und anschließend in das Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin eingeliefert.[2] Dort soll er durch Mitglieder der SS schwer misshandelt worden sein.[2] Tellgmann wurde wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt, und sein Prozess fand vor dem Volksgerichtshof in Berlin statt. Am 18. Januar 1945 wurde er vom Gericht schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.[3] Im Tenor des Urteils heißt es:

„Gustav Tellgmann hat als Mann in hoher Stellung einer einfachen Volksgenossin in zahlreichen Äußerungen den Glauben an unseren Sieg und das Vertrauen zum Führer zu nehmen gesucht, wobei er sich u. a. zu der Bemerkung verstieg, unter den Verrätern vom 20. Juli 1944 seien gute Deutsche, eine Revolution müsse kommen, denn der Führer trete von sich aus nicht ab.“[6]

Nach der Ablehnung seines Gnadengesuchs wurde das Todesurteil an Gustav Tellgmann am 26. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg vollstreckt.[7] Aus dem Eintrag in den Vollstreckungslisten geht hervor, dass er verheiratet war und der evangelischen Konfession angehörte.[7]

Gedenken

Frankfurt, Robert-Mayer-Straße 47, Stolperstein

Der Journalist und Widerstandskämpfer Rudolf Pechel führte Tellgmann bereits in seinem 1947 erschienenen Werk Deutscher Widerstand in der am Ende des Buches abgedruckten „Ehrentafel der Toten des 20. Juli (der im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 Hingerichteten, Ermordeten und durch Selbstmord aus dem Leben Geschiedenen)“ auf.[8]

In Frankfurt am Main wird seit 2015 die Erinnerung an Gustav Tellgmann mit einem Stolperstein in der Robert-Mayer-Straße 47, seiner zeitweiligen Wohnadresse, aufrechterhalten.[2]

Literatur

  • Rudolf Pechel: Deutscher Widerstand. Verlag Eugen Rentsch, Erlenbach-Zürich 1947.
  • Walter Wagner: Die deutsche Justiz und der Nationalsozialismus – Der Volksgerichtshof im nationalsozialistischen Staat. Deutsche Verlags-Anstalt, 1974.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI