Gustave Vanaise
belgischer Maler
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Gustave Vanaise (Gustavus Antonius Maria Vanaise;[1][2] * 4. Oktober 1854 in Gent; † 20. Juli 1902 in Saint-Gilles/Sint-Gillis) war ein belgischer Historien-, Porträt-, Genre-, Akt-, Landschaft and Stillebenmaler. Er malte auch einige orientalistische Szenen.[3]

Leben
Vanaise war der Sohn von Nicolaus Josephus (1822-1860), einem Konditor gebürtich aus Marche-lez-Écaussinnes, und Seraphina Antonia Vlieghe (1822-1860).[2] Er war das vierte Kind einer Familie mit sechs Kindern. Der Künstler litt an einer körperlichen Missbildung und war von sehr schwacher Gesundheit. Als Kind half er seinem Vater, der ihn in sein Geschäft einbinden wollte, während er die Grundschule besuchte. Als er 13 Jahre alt war, willigte der Vater ein, von seinem Vorhaben abzusehen, und Gustave Vanaise konnte den Unterricht an der Akademie der Schönen Künste in Gent besuchen, die von Théodore-Joseph Canneel geleitet wurde.[3] Am 4. März 1877 stellte er zum ersten Mal in seiner Heimatstadt aus und verkaufte sein erstes Gemälde, eine Landschaft.[4]

Im März 1877 reist er mit Jules Van Syngel nach Paris. Er arbeitet unermüdlich im Louvre und in Cluny. Im Oktober desselben Jahres kehrt er mit einer reichen Ernte Studien nach Gent zurück. Er mietete daraufhin ein Atelier in den Räumlichkeiten der Vrouwenbroeders (Karmeliter) und malte dort Studien und Porträts. Aus dieser Zeit stammen die Porträts von Herrn M. Em. Van Swieten und Van Hyfte.[4]
Er interessierte sich sehr für die holländischen Meistern, die er im Louvre kennengelernt hatte. Anfang 1878 reiste er in Begleitung des niederländischen Künstlers Louis Ludwig nach die Niederländen und malte dort Skizzen nach Frans Hals. Im August 1878 begab er sich ein zweites Mal nach Paris, um dort diesmal einen mehr als zweijährigen Aufenthalt zu verbringen. Dort arbeitete er zunächst mit dem belgischen Maler Jan Van Beers zusammen, der später zum Maler der Pariser Halbwelt wurde.[4]

Später teilte er sich sein Atelier mit Jef Lambeaux. In Paris malte er großen Gemälde in der Tradition der historischen Malerei: Ludwig XI. und Olivier le Daim (das 1879 auf der Pariser Kunstausstellung an der Rampe platziert wurde) sowie Quentin Massys als Kind. Vanaise stand damals unter dem Einfluss von Bastien Lepage und Jan Van Beers und malte in hellen Tönen und mit weichen Pinselstrichen.[4]
Im Oktober 1880 kehrte er nach Belgien zurück und ließ sich zusammen mit Jef Lambeaux in Saint-Gilles/Sint-Gillis nieder, wo er die Frau mit dem Papagei für den Brüsseler Salon 1881 malte. Er kehrte oft nach Gent zurück und arbeitete dort in dem geräumigen Atelier, das sich sein Förderer, der maler Auguste Dael, hatte errichten lassen. Dort entstand das großformatige Gemälde Der Heilige Livinus in Flandern, ein Werk, das, nachdem es in Paris eine lobende Erwähnung und in Gent (1883) eine Goldmedaille erhalten hatte, für das Museum dieser Stadt erworben wurde.[4] Zu Ehren seines Mäzens stellt Gustave Vanaise Auguste Dael als Der Heilige Livinus dar.[5]

Das Jahr 1882 war geprägt von einer Italienreise, die er gemeinsam mit Jef Lambeaux und Rodolphe Wytsman unternahm. In Rom fertigte er Kopien zahlreicher Kunstwerke an, darunter Fresken von Raffael. Rom und vor allem Venedig inspirieren ihn übrigens zu zahlreichen eigenen Werken. Nach seiner Rückkehr schenkte er dem Museum von Gent das Gemälde Die Lagunen von Venedig. Zurück im Atelier in Gent malte er nacheinander Sonntagabend, Der barmherzige Samariter und das Reiterporträt von Herrn Dael. Er wurde ein erfolgreicher Porträtmaler.[4]
Er schloss sich der Künstlergruppe „La Chrysalide“ an, die eigene Ausstellungen organisierte. Vanaise war am 28. Oktober 1883 Gründungsmitglied der Brüsseler „Les XX“-Kunstlergruppe, eine Vereinigung avantgardistischer Künstler, die sich vom Monopol des Salonsystems mit seinen Jurys und Preisen befreien wollte. Sie organisierte jährliche Ausstellungen ihrer Mitglieder, bei denen auch Werke ausländischer Avantgarde-Künstler gezeigt wurden. Er nahm drei Jahre in Folge an den Ausstellungen von „Les XX“ teil. Als akademischer Maler von Historienbildern, der an den traditionellen Salons teilnahm, wurde Vanaise zusammen mit anderen akademischen Künstlern der Gruppe „Les XX“ zur Zielscheibe von Angriffen avantgardistisch orientierter Publikationen wie „L'art moderne“, was ihn 1886 dazu veranlasste, die Gruppe zu verlassen.[6]

Im Januar 1887 reiste er nach Spanien, diesmal mit Jules Lambeaux, dem Maler und Bruder des Bildhauers. Dort studierte er Velázquez und Ribera sowie Jordaens und Rubens. Die Alhambra in Granada hielt ihn eine Zeit lang in ihrem Bann, so wie dieses wunderbare Bauwerk. Er malte ein Gemälde in einer Kirche von Granada, eine Ausnahme im Werk des Meisters.[4]
Zurück in Belgien ließ er sich vorübergehend in Brügge nieder, wo ihn die Erinnerungen an die alten Schützenbruderschaften glücklicherweise inspirierten und wo ihm die erste Idee zu seinem Heiligen Martin kam. Er heiratete am 4. August 1890 in Oostduinkerke, Westflandern, Anna Maria De Coster (1868–1891). Sein Glück macht ihn heimisch und seine Frau ist auf verschiedenen Gemälden aus dieser Zeit zu sehen. Leider verlor er vorzeitig seine geliebte Gemalin, ein Verlust, unter dem er sehr litt. Er zog sich nach und nach immer mehr zurück und nahm schon Jahre vor seinem Tod nicht mehr an Ausstellungen teil.[4]
Er starb im Alter von 47 Jahren.
Werke

Vanaise war ein produktiver Maler, dessen Themenpalette Geschichte, Porträt, Genremalerei, Marinemalerei, Landschaft, Orientalismus, Aktmalerei und Allegorien umfasste. Er wurde in der akademischen und realistischen Tradition ausgebildet.
Er war Schöpfer großformatiger Werke in der Tradition der belgischen Schule der Historienmalerei, darunter „Jacob Van Artevelde – gefeiert, ermordet und verherrlicht“, die seine Bewunderung für die alten Meister wie Rubens, Frans Hals und Raffael zum Ausdruck bringen. Unter dem Einfluss zeitgenössischer Kunstströmungen, mit denen er als Mitglied von „Les XX“ in Berührung kam, wurde sein solider Malstil geschmeidiger und seine traditionelle Farbpalette heller.[7]
Literatur
- Gustave Vanaise in: Dictionnaire des peintres belges (Online)
- Vanaise, Gustave. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 34: Urliens–Vzal. E. A. Seemann, Leipzig 1940, S. 91 (biblos.pk.edu.pl).