Gut Grenzhof

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Gut Grenzhof ist ein denkmalgeschützter Gutshof an der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen-Köpfchen. Er wurde im Auftrag von Hubert Jacob Talbot, dem Gründer der Waggonfabrik Talbot, in den Jahren 1849/1850 als Dreiflügelanlage erbaut und von seinem Enkel Georg Talbot zwischen 1922 und 1925 zum Vierkanthof nach Plänen von Karl Stöhr im englischen Landhausstil mit Elementen der Neugotik und Neurenaissance maßgeblich ausgebaut.

Gut Grenzhof; Herrenhaus mit Ostflügel

Zur Anlage gehören neben den Kerngebäuden ein ehemaliges Gärtner- und Pförtnerhaus, mehrere Wirtschaftsgebäude und Stallungen, Gewächshäuser sowie weitläufige Wiesen und Waldanteile. Bis zum Jahr 2013 lief das Gebäudeensemble unter der Adresse Eupener Straße 384/386, danach wurde seitens der Stadt Aachen die zuführende private Erschließungsstraße zu „Gut Grenzhof“ umbenannt und die Gebäude erhielten die Hausnummern 1 bis 29.

Die gesamte Grundstücksfläche von Gut Grenzhof inklusive Wiesen- und Waldanteilen sind Bestandteil eines bedeutsamen Kulturlandschaftsbereichs und unter besonderen Schutz gestellt.[1]

Geschichte

Kastanienallee

Mit der Gründung der Waggonfabrik im Jahr 1838 stieg Hugo Jakob Talbot (1774–1850) zu einem der einflussreichsten Unternehmer Aachens auf. Das veranlasste ihn gemäß dem großbürgerlichen Lebensstil seiner Zeit, ein repräsentatives ländliches Anwesen erbauen zu lassen, womit er die gesellschaftliche Position und Zugehörigkeit der Familie Talbot zur Oberschicht widerspiegeln wollte. Er selbst konnte sein „neues“ Zuhause nicht mehr genießen, weil er im Jahr der Fertigstellung 1850 verstarb, woraufhin sein Sohn Carl Gustav Talbot die Gutsanlage erbte.

Dessen Sohn Georg Talbot (1864–1948), in dritter Generation Leiter der Waggonfabrik Talbot und seit 1899 Erbe von Gut Grenzhof, ließ ab 1922 den Gutshof durch den Bauunternehmer Karl Stöhr unter Mitwirkung des Architekten Fritz Bräuning und Einbeziehung des Vorgängerbaus grundlegend erweitern. Bedingt durch Auswirkungen der Ruhrbesetzung sowie der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch Franzosen und Belgier verzögerte sich die Fertigstellung des Bauvorhabens bis 1925. Dabei legte Talbot begründet durch seine Leidenschaft für den Pferdesport[2] und als Förderer des Aachen-Laurensberger Rennvereins Wert auf den Ausbau der Anlage zu einem vierflügeligen Reiterhof mit Stallungen für Pferde und Remisen für Pferdewagen sowie mit Wohn- und Funktionsräumen für entsprechendes Personal.[3] Damit wurde Gut Grenzhof zum zweiten bedeutenden Reiterhof im Aachener Süden neben der nur knapp einen Kilometer entfernten Anlage „Gut Heidchen“, wo der Unternehmer Henry Suermondt in Nachbarschaft zu seinem Familiensitz auf „Herffs Erb“ zu gleicher Zeit ein Gestüt betrieben hatte. Für Stöhr, der schwerpunkmäßig im Raum München tätig war, war es nach der Planung des Neuen Kurhauses der zweite Auftrag in Aachen, der auch als eines seiner Spätwerke gilt.

In unmittelbarer Umgebung zum Gut ließ Georg Talbot zudem eine Gärtnerei mit Nutzgärten und Obstwiesen sowie südlich am Herrenhaus einen schmuckvollen großen Ziergarten einrichten, ferner ein gläsernes Gewächshaus auf massivem Sockel und ein unterkellertes Steinhaus mit Betonfachwerk und Pultdach erbauen. Des Weiteren wurden auch einige Solitärgehölze gepflanzt, die teilweise bis heute erhalten geblieben und vereinzelt als Naturdenkmale verzeichnet sind. Darüber hinaus wurden die großräumig zur Verfügung stehenden Wiesen als Pferdekoppeln ausgebaut, an denen sich nördlich noch ein zum Gut gehörendes größeres Waldstück anschließt, das in direkter Verbindung zum anschließenden Aachener Wald steht, der durch ein großes Tor erreicht wird. Dabei wurden Wiesen und der gesamte Waldbereich vor allem als Trainingsstrecken für den Fahrsport oder für die Fuchsjagd genutzt.

Bereits zuvor im Jahr 1901 hatte Talbot den Bau eines Gärtner- und Pförtnerhauses in Auftrag gegeben, das am Anfang der 230 Meter langen Zufahrt zum Grundstück noch direkt an der vorbeiziehenden Eupener Straße liegt (ehemals Eupener Straße 384, heute Gut Grenzhof 2). Der Zufahrtsweg wurde als Kastanienallee gestaltet und führt geradlinig durch eine flache Talsohle leicht ansteigend auf den repräsentativen Mittelrisalit des Ostflügels als point de vue zu. Darüber hinaus wurden in neuerer Zeit zwei historische Adlersteine, die die Grenze des Aachener Reiches markierten, vom früheren Platz auf dem Außengelände in den südlichen Innenhof versetzt.

Bis zum heutigen Tag betreibt die Familie Talbot weiterhin den Gutshof, der nach Georgs Tod zunächst auf seinen Sohn Richard Talbot und danach auf dessen Tochter Carlitta Grass-Talbot (* 1941) übergegangen war. Letztere fungierte in Aachen von 1975 bis 2012 als belgische Honorarkonsulin[4] und engagiert sich wie ihre Vorfahren sowohl als Sponsorin für das CHIO Aachen als auch in diversen Stiftungen.

Teile der vormaligen Personalwohnungen sind mittlerweile als eigenständige Wohneinheiten für Familien umgestaltet worden. Die Gewächshäuser mit den Außenflächen werden seit 2023 von der Gemüsegärtnerei „Krautopia“ genutzt, die mehrere Bioläden im Aachener Raum beliefert.

Baucharakteristik

Herrenhaus mit Westflügel
Gärtner- und Pförtnerhaus

Der gesamte Gutshof zeigt sich als ein von Nord nach Süd langgestreckter rechteckiger vierflügeliger, weiß getünchter Häuserblock, dessen Innenbereich durch eine verbindende Innenmauer in zwei funktional getrennte Innenhöfe mit jeweils eigenen Toreinfahrten gegliedert ist. Der südliche Innenhof ist der repräsentative Herrenhof für Empfänge, der von einer abwechslungsreichen Staffelung von Baukörpern mit dem auffälligen Herrenhaus an der Südflanke umgeben ist. Dieses ist ein viergeschossiges nach außen und zum Hof hin giebelständiges Gebäude mit von unten nach oben abnehmenden Fensterachsen. Das hohe Giebeldach zieht hinunter bis auf den Boden des dritten Geschosses und die Giebelflächen sind mit Holzfachwerk und verziertem Windbrett gestaltet. Der vorgezogene Eingang im Innenhof ist mit Quadersteinen eingefasst und verziert mit einem Wappenstein, auf dem ein Löwe, ein Windhund und Ährengarben aufgetragen und von einer Sprucheinrahmung umrahmt sind.

Im Inneren des Herrenhaues findet sich eine historisierende Ausstattung der 20er Jahre mit Rundbogentüren, Stuckdecken, Parkett- und Steinfußböden und mit einem repräsentativen neubarocken Treppenhaus sowie Vertäfelungen aus Holz und Kreuzstockfenster in Hochparterre und ein intakter hölzerner Dachstuhl im Giebelbereich.

Westlich des Herrenhauses schließt sich zunächst ein zweigeschossiger Anbau für Küche und weitere Wohnräume an, der im Winkel übergeht in den langen Westflügel, beginnend mit einem zweigeschossigen, dreiachsigen Trakt für die Chauffeurwohnung sowie einen für die Wohnungen der Bediensteten und einen Trakt für drei Remisen mit stichbogigen Toreinfahrten. Daran schließt sich ein langgestreckter, ein- bis zweigeschossiger Scheunentrakt mit mehreren Tordurchfahrten und metallenen Sprossenfenstern mit Gewänden aus Werkstein an.

Der vom West-zum Ostflügel verbindende Nordflügel ist als Wirtschaftsgebäude konzipiert und unter anderem mit einem dreischiffigen Stallraum, Stichbogenfenstern und -türen sowie mit Werksteinelementen ausgestattet.

Der lange Ostflügel schließt winkelförmig an das Herrenhaus an und beginnt dort mit einem dreiachsigen und eingeschossigen Verbindungstrakt zum zweigeschossigen und zweiachsigen Pferdestall. Dieser geht über in einen zweiachsigen Trakt für Remisen, dem sich eine zweigeschossige Kutscherwohnung mit Tordurchfahrt anschließt, über der auf Höhe des Schlusssteines ein Pferdekopf aufgesetzt ist. Im weiteren Verlauf schließt sich die lange 20-achsige Ostfassade mit dem Nordflügel zusammen und ist geprägt durch den betonten vierachsigen Mittelrisalit, auf den die Kastanienallee zuführt und in dem sich einst die Pächterwohnung befand. Bis auf den Mittelrisalit sind alle Achsen im Erdgeschoss dieses Teils des Ostflügels mit Blendbögen verziert und ruhen auf einem Gewölbekeller, der noch vom Vorgängerbau aus dem Jahr 1849/1850 stammt.

Dieser nördliche Bereich des Gebäudekomplexes umschließt den nördlichen Innenhof, der mit dem Scheunentrakt, dem Viehstall, der Milch- und Futterküche und der ehemaligen Pächterwohnung klar funktional gegliedert ist. In diesem Innenhof befindet sich zudem noch ein nachträglich errichteter hölzerner, eingeschossiger Anbau mit überdachter Holztreppe.

Fast alle Gebäude sind mit Satteldächern aus Schieferdeckung oder Dachziegeln ausgestattet, wobei vor allem bei den Wirtschaftsgebäuden einige als Pfettendächer konstruiert sind. Sämtliche Fenster der als Wohnungen konzipierten Gebäudetrakte sind aktuell mit neuen Fenstern ausgestattet.

Das bereits 1901 erbaute Gärtner- und Pförtnerhaus ist ein zweigeschossiges Gebäude mit einem Mauersockel aus Bruchsteinen und einem eingeschossigen Anbau an seiner Rückseite mit unterschiedlichen Fensterachsen. Das Hauptgebäude besticht durch sein mit Andreaskreuzen geschmücktes Zierfachwerk und seinen Schwebegiebeln sowie durch reich verzierte hölzerne Fenstergewände und der mit einem Pultdach überdachten Eingangstreppe.

Commons: Gut Grenzhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Gut Grenzhof, ausführliches Porträt auf geoserver.aachen.de

Einzelnachweise

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