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Görtz-Palais

Gebäude in der Hamburger Neustadt From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Görtz-Palais ist ein ursprünglich barockes Gebäude am Neuen Wall Nr. 86 in der Hamburger Neustadt. Unter der Bezeichnung „Stadthaus“ diente es von 1814 bis 1943 als Sitz der Hamburger Polizeibehörde.

Straßenansicht nach Umbau und Aufstockung (2024)

Nach Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Görtz-Palais von der Stadt verkauft und ab 1953 nach Plänen des Architekten Carl-Friedrich Fischer neu erbaut. Dabei wurde lediglich die erhaltene Barock-Fassade wiederhergestellt und dahinter ein modernes siebengeschossiges Bürohaus errichtet. Nach abermaligem Verkauf und Umbau ist es heute in den Gebäudekomplex der „Stadthöfe“ integriert.

Der Ursprungsbau

Görtz-Palais in seiner ursprünglichen Form (1750)
Görtz-Palais als „Stadthaus“ um 1840 (Lithografie der Gebrüder Suhr)
Ebba Tesdorpf: Diele im Stadthaus (Neuerwall), um 1885
Ebba Tesdorpf: Garten hinter dem Stadthaus, um 1885

Das dreigeschossige Stadtpalais wurde ab 1710 von dem Hamburger Architekten Johann Nikolaus Kuhn für den Gesandten von Schleswig-Holstein-Gottorf und Minister Georg Heinrich von Görtz entworfen und war zu dieser Zeit das erste und einzige Gebäude am Neuen Wall. Mit seiner großzügigen und eleganten Erscheinung galt das Stadtpalais nach seiner Fertigstellung als herausragend innerhalb Hamburgs, dessen profaner Baubestand bis dahin vergleichsweise bescheidene Bürgerhäuser umfasste. Der Bau war ursprünglich mit sichtbarem Backstein ausgeführt, erst 1776 wurde es verputzt.[1]

Das Görtz-Palais, das als wichtigstes Werk des Architekten Kuhn gilt, wurde Vorbild für viele weitere großzügige barocke Stadthäuser in Hamburg. Das Gebäude war das erste in Hamburg, in dem Kuhn das aus Italien stammende Motiv der dreischiffigen Einfahrtshalle umsetzte. Ob der wenig integren Persönlichkeit des Bauherren Görtz spotteten die Hamburger Zeitgenossen des Bauherren, über der Einfahrt müsse eigentlich „spolia holsatiae“ („Raubbeute aus Holstein“) stehen.[2] Görtz hatte das Grundstück seinem Widersacher am Gottorfer Hof Magnus von Wedderkop entschädigungslos abgenommen.

Der kleine Barockpalast mit niederländischem Architektureinfluss ist mit Gesimsen und ionischen Pilastern aus Sandstein geschmückt. Die verputzte Hauptfassade ist gegliedert in einen dreiachsigen Mittelrisalit und jeweils zweiachsige Risalite an den Seiten. Dies betont die Mitte der Fassade mit dem Rundbogen-Portal, über dem sich ein Balkon befindet, der von toskanischen Säulen getragen wird. Als oberer Abschluss des Mittelrisalits dient ein Segmentbogengiebel, der ursprünglich mit einem Wappenfries geschmückt war.

Nutzungsgeschichte

Das „Stadthaus“ mit flachem Dach um 1900
Polizisten in der Diele des Stadthauses, um 1900

Nachdem Görtz 1719 in Stockholm hingerichtet worden war, diente das Haus von 1722 bis 1806 als Residenz des kaiserlichen Gesandten bei den Hansestädten und im Niedersächsischen Kreis. Die Stadt stellte das Gebäude dem Kaiser zur Verfügung, nachdem die ursprüngliche Gesandtschaft unweit der Hauptkirche Sankt Michaelis von aufgebrachten Hamburgern 1717 geplündert und niedergebrannt worden war.[3.1] Bereits in dieser Zeit wurde das von der Stadt zunächst gemietete und 1726 erworbene Gebäude vereinzelt als „Stadt-Haus“ bezeichnet.[3.2]

Während der französischen Besetzung wurde das Palais von 1811 bis 1814 als Mairie (Rathaus) genutzt. Ab 1814 wurde es als Stadthaus bezeichnet und war fortan Sitz der Hamburger Polizeibehörde, deren erstes Oberhaupt der vormalige Maire Amandus Augustus Abendroth war. 1827 zog auch die neu gegründete Hamburger Sparkasse ein, deren Gründung auf Abendroth zurückging, ferner hatten z. B. die Hamburger Feuerkasse, die Allgemeine Armenanstalt, der 1821 gegründete „Gesundheitsrat“ als Aufsichtsorgan über die Krankenhäuser sowie mehrere Deputationen ihre Geschäftsräume im Stadthaus.[3.3]

Ab 1888 wurde das Stadthaus sukzessive zu einer weitläufigen Anlage erweitert, zu der auch der markante Eckturm Neuer Wall/Stadthausbrücke gehört. Dabei ging der Name Stadthaus allmählich auf die neuen Gebäudeteile über, während der Altbau entweder als „Altes Stadthaus“ oder „Görtz'sches Palais“ bezeichnet wurde.[3.4]

1926 wurde das Palais auf Initiative des Oberbaudirektors Fritz Schumacher nach einem Entwurf von Otto Fischer-Trachau vorübergehend gelb und rot bemalt, um die „schönen Verhältnisse“ und Einzelformen der Architektur „betonend hervorzuheben“.[3.5] Seit 1928 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, der 2009 auf das gesamte Stadthaus-Ensemble ausgeweitet wurde.

Ab 1933, in der Zeit des Nationalsozialismus, war das Palais als Teil des Stadthaus-Komplexes Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums einschließlich der Gestapo-Leitstelle Hamburg. Deren Büros lagen allerdings im benachbarten Erweiterungsbau an der Stadthausbrücke, die „Folterkeller“ im rückwärtigen Flügel am Bleichenfleet.[3.4]

1943 wurde das Palais bei Luftangriffen zerstört; lediglich die Fassade blieb erhalten. In dem wiederaufgebauten (und fortan auch so benannten) Görtz-Palais befand sich von 1955 bis 1977 der Hauptsitz des Germanischen Lloyds. Das Palais wurde als Bürogebäude genutzt. Das Görtz-Palais wurde 2020 umgebaut und in das heute als „Stadthöfe“ bezeichnete Ensemble integriert.

Dem Görtz-Palais gegenüber liegt der Bürgermeister-Petersen-Platz mit dem Denkmal des ehemaligen Bürgermeisters (und davor langjährigem Polizeiherrn) Carl Friedrich Petersen. Unter dem Platz befindet sich der Führungsbunker der Polizei aus dem Zweiten Weltkrieg, der in seiner Struktur weitgehend erhalten ist. Der direkte Zugang vom Görtz-Palais ist allerdings seit dem jüngsten Umbau verschlossen.[4]

Literatur

  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Der große Architekturführer. Junius, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 46.
  • Daniel Tilgner: „Vornehmer Fremdling in Hamburgs Straßen“. Die Geschichte des Görtz-Palais, Hamburg 1995, ISBN 3-923356-72-2.
Commons: Görtz-Palais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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