Götz Bernau

deutscher Geiger, Musikforscher, Musikpädagoge und Musikpublizist From Wikipedia, the free encyclopedia

Götz Bernau (* 26. Mai 1941 in Braunschweig) ist ein deutscher Geiger, Musikforscher, Musikpädagoge und Musikpublizist.

Leben

Nach dem Violinstudium in Hannover bei Karl Heinrich von Stumpf und Detmold (Max Strub) wirkte Bernau als Konzertmeister in Bonn am Rheinischen Kammerorchester, Rendsburg am Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester, am Nürnberger Stadttheater und dem Stadttheater Regensburg. 1969 wurde er zum 1. Konzertmeister Berliner Symphonikern, bis 1990: Symphonisches Orchester Berlin (SOB). Bis 2004 trat er regelmäßig mit diesem Orchester als Solist in der Berliner Philharmonie, im Saal der Universität der Künste Berlin und im Konzerthaus Berlin sowie auf Tourneen hervor. Solistische Engagements führten ihn zu Orchestern in Europa, in die Türkei, die UdSSR, die USA sowie nach Südamerika. Neben den Werken des klassischen Violinkonzert-Repertoires stellte Bernau hierbei auch neue Kompositionen – davon viele Ur- und Erstaufführungen – vor und widmete sich unbekannten und vergessenen Werken aus Klassik, Romantik und Moderne.

Als Kammermusiker pflegte Bernau – neben der Beschäftigung mit der Streichquartett- und Klaviertrio-Literatur – ein Repertoire unterschiedlicher Besetzungen. Das Spektrum reicht hierbei vom Ein-Mann-Orchester (Der Untergang der Titanic von Wilhelm Dieter Siebert für Violine und Schlagwerk), über Duette für Violine und eine Gesangstimme (ohne Klavierbegleitung) bis hin zu den größeren gemischten Formationen (Streicher und Bläser, mit und ohne Klavier). Hierbei ist die Zusammenarbeit im von ihm mitbegründeten Pihtipudas Kvintetti (Klavierquintett) hervorzuheben, welches auch auf mehreren CDs dokumentiert ist (darunter diverse Ersteinspielungen). Götz Bernau setzt sich auch im Bereich der Kammermusik für zeitgenössische Komponisten (Uraufführungen z. B. von Werken von Carlo Domeniconi, Helge Jörns, Jaime Mirtenbaum Zenamon, Fazil Say, Wilhelm Dieter Siebert) sowie für vergessene oder selten gespielte Werke ein, darunter Wiederaufführungen nach Handschriften und frühen Drucken von Werken aus Klassik und Romantik.

Eine Spezialität stellen eine Reihe von (teils halbszenischen) Konzertprogrammen dar, in welchen Bernau u. a. Opern oder Opernkomponisten (Carl Maria von Weber: Der Freischütz; Giacomo Meyerbeer) anhand von zeitgenössischen, heute nur noch in Bibliotheken zu findenden Bearbeitungen der Opernmelodien aus dem 19. Jahrhundert porträtierte (im Duo mit dem Pianisten Eckehard Scholl).

Radioproduktionen erfolgten in verschiedenen europäischen Ländern sowie Schallplatten- resp. CD-Einspielungen, sowohl als Solist wie auch als Kammermusiker.

Für seine außergewöhnlichen Programme, seinen Einsatz für zeitgenössische Werke deutscher und insbesondere Berliner Komponisten, die Vorstellung ausländischer zeitgenössischer Komponisten in Deutschland, sowie für seine vielfältige musikpädagogische Arbeit wurde Götz Bernau im Jahr 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Er lebt im Oderbruch (Land Brandenburg) und in Berlin, bis 2020 mit seiner Frau und Managerin Luise Bernau (1941 Braunschweig - Oderaue / Neumädewitz 2020). Hier engagierte er sich unter anderem mit Kirchenkonzerten für die Restaurierung der Dorfkirche von Mädewitz bei Wriezen und in Konzerten im Theater am Rand.

Ur- und Erstaufführungen (Werke mit Orchester, Auswahl)

  • Mozart Camargo Guarnieri: Konzert Nr. 2 (Erstaufführung)
  • Jeannot Heinen: Konzertstück op. 37 (1970) (Uraufführung)
  • Paul Huber: Konzert Nr. 2 (1974) (Uraufführung)
  • Helge Jörns: Konzert Nr. 2 (Uraufführung)
  • Helge Jörns: Konzert Nr. 3 (Uraufführung, 2002)
  • Ernst Krenek: Konzert op. 29 (1924) (US-Erstaufführung)
  • Ernst Krenek: Doppelkonzert für Violine, Klavier und Kammerorchester op. 124 (1950) (Deutsche Erstaufführung)
  • Usko Meriläinen: Chamber Concerto (1962) (Deutsche Erstaufführung)
  • Friedrich Metzler: Konzert (1942) (Uraufführung, 2001)
  • Gisbert Näther: Konzert op. 66 (Uraufführung, 1996)
  • Pehr Henrik Nordgren: Konzert Nr. 3 op. 53 (1981) (Deutsche Erstaufführung)
  • Wallingford Riegger: Variations for Violin and Orchestra op. 71 (1959) (Deutsche Erstaufführung)
  • Aulis Sallinen: Konzert op. 18 (1968) (Deutsche Erstaufführung)
  • Fazil Say: Reflexionen für Klavier, Violine und Orchester (1990) (Uraufführung, mit dem Komponisten)
  • Wilhelm Dieter Siebert: Konzert (Uraufführung, 2004)
  • Heitor Villa-Lobos: Fantasia (Europäische Erstaufführung)
  • Sabine Wüsthoff: Konzert (Uraufführung)
  • Jaime Mirtenbaum Zenamon: Orakel-Violinkonzert (Uraufführung)

Diskographie (Auswahl)

Mit dem Pihtipudas Kvintetti:

Sonstige:

Publikationen

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