Günther Nollau
deutscher Rechtsanwalt und der dritte Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz
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Günther Konrad Nollau (* 4. Juni 1911 in Leipzig; † 7. November 1991 in München) war ein deutscher Jurist. Er wirkte als Rechtsanwalt (1941–1950), Verwaltungsjurist und war der dritte Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.
Werdegang
Günther K. Nollau wurde als Sohn von Gertrud Nollau, geborene Puff, und des Leipziger Baurats Artur Max Nollau[1] geboren. Er wuchs in Dresden auf und besuchte dort das Realgymnasium Blasewitz. Er studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre[2] in Innsbruck, München, Leipzig und Wien, legte die beiden juristischen Staatsprüfungen ab und wurde 1935 mit einer Dissertation zum Thema Konkursrecht (Das Wesen der konkursmäßigen Feststellung) zum Dr. jur. utr. promoviert. Nach seiner Zulassung als Anwalt in Dresden wurde der passionierte Bergsteiger Nollau 1940 während des Zweiten Weltkrieges zur Gebirgsjägertruppe eingezogen. Nach der Teilnahme an der Invasion Kretas verlor er 1941 in der Steiermark bei einem Reitunfall das rechte Auge, was seine Entlassung aus dem Kriegsdienst zur Folge hatte. Am 13. November 1941 beantragte Nollau die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1942 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.974.972).[3] Ab 1941 war er als Rechtsanwalt in Dresden, von 1942 bis 1945 in Krakau im damaligen Generalgouvernement tätig.
Nach Kriegsende unterhielt Nollau eine Kanzlei in Dresden. Dort trat er Ende 1945 in die Ost-CDU ein. Er verteidigte dort unter anderem im Dresdner Ärzteprozess einen der Hauptangeklagten, Alfred Schulz, wegen Medikamenteneuthanasie in der Kriegszeit in der Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz. Schulz starb während des Verfahrens an den Folgen eines Suizidversuchs. Als Nollau 1950 wegen eines ungeklärten Mordes im Jahr 1946 von einem Angehörigen des Staatssicherheitsdienstes zu einer Zeugenvernehmung auf das Polizeipräsidium gebeten wurde, floh er nach West-Berlin.
In West-Berlin schloss sich Nollau dem Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen an, der ihm im Sommer 1950 auch half, seine Ehefrau Irmgard Nollau, geborene Zimmermann, und die drei Töchter Sabine, Sybille und Franziska nachzuholen. Nachdem eine Anstellung beim RIAS gescheitert war, trat Nollau im September 1950 als Verwaltungsjurist in das neugegründete Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln ein.[4] Am 1. Dezember 1966 avancierte er zu dessen Vizepräsidenten.[5] Zum 1. September 1970 wechselte Nollau in das Bundesministerium des Innern, wo er Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ministerialdirektor wurde. Laut Aufzeichnungen von Reinhard Gehlen galt Nollau als „SPD-Kandidat Nr.1“ für die Besetzung der Stelle des Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes, wurde aus Sicherheitsgründen aber abgelehnt.[6][7] 1972 kehrte Nollau in das Bundesamt für Verfassungsschutz zurück und war seit dem 1. Mai des Jahres dessen Präsident als Nachfolger von Hubert Schrübbers. Dieser hatte wegen seiner Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus zurücktreten müssen. Auf eigenen Antrag[8] wurde Nollau gemäß dem damaligen Beamtenversorgungsrecht[9] am 15. September 1975 vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand versetzt. Es war bekannt, dass er engen Kontakt zum damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner unterhielt.[10] In dem wegen der Guillaume-Affäre eingesetzten Untersuchungsausschuss ergaben sich Unstimmigkeiten in der Frage der rechtzeitigen Unterrichtung Genschers durch Nollau.
Nollau stand im Ruf eines scharfsinnigen Analytikers und war als Autor politischer Bücher bekannt:[11] 1959 erschien sein Buch Die Internationale. Wurzeln und Erscheinungsformen des proletarischen Internationalismus. 1963 folgte Zerfall des Weltkommunismus. Einheit oder Polyzentrismus. Danach erschienen noch zehn weitere Publikationen von ihm. Zudem arbeitete er an Fernsehspielen des WDR mit (Zwietracht unter Roten Fahnen, Die sogenannte DDR).
Günther Nollau war evangelisch, ab 1942 verheiratet mit Irmgard Nollau, hatte drei Töchter und lebte im oberbayerischen Lenggries.
Publikationen (Auswahl)
- Die Internationale. Wurzeln und Erscheinungsformen des proletarischen Internationalismus. Kiepenheuer & Witsch, Köln u. a. 1959; 2. Auflage 1961; erschienen auch an 1963 in englischer und amerikanischer, ab 1964 spanischer und ab 1965 koreanischer Sprache.
- Zerfall des Weltkommunismus. Einheit oder Polyzentrismus (= Information. Band 5, ZDB-ID 845287-8). Kiepenheuer & Witsch, Köln u. a. 1963.
- mit Hans-Jürgen Wiehe: Rote Spuren im Orient. Persien, Türkei, Afghanistan. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1963; (erschienen auch in englischer und amerikanischer Sprache unter dem Titel Russia’s South Flank).
- Die Komintern. Vom Internationalismus zur Diktatur Stalins (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. H. 63, ISSN 0435-7604). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1964.
- Wie sicher ist die Bundesrepublik? Bertelsmann, München 1976, ISBN 3-570-02689-2.
- mit Ludwig Zindel: Gestapo ruft Moskau. Sowjetische Fallschirmagenten im 2. Weltkrieg. Blanvalet, München 1978, ISBN 3-7645-0386-6.
- Das Amt. 50 Jahre Zeuge der Geschichte. Bertelsmann. München 1978. Auszüge in: Der Spiegel, 1978, Nr. 50–52, Auszüge 1, Auszüge 2, Auszüge 3.
- Die lautlose Macht. Geheimdienste nach dem Zweiten Weltkrieg. 2 Bände. Verlag Das Beste, Stuttgart u. a. 1985, ISBN 3-87070-233-8.
Literatur
- Nollau, Günther. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 903.
Weblinks
- Literatur von und über Günther Nollau im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Dossier. In: Der Spiegel
- Munzinger Online.