Hüttenfeld
Stadtteil von Lampertheim im Kreis Bergstraße
From Wikipedia, the free encyclopedia
Hüttenfeld ist ein Stadtteil von Lampertheim und liegt im südhessischen Landkreis Bergstraße. Besonders erwähnenswert in Hüttenfeld sind das im Jahr 1853 von Freiherr Mayer Carl von Rothschild erbaute Schloss Rennhof und das 1906/07 erbaute alte Schulhaus. Im Schloss Rennhof befindet sich seit 1953 ein litauisches Gymnasium, durch welches Hüttenfeld international bekannt ist.
Hüttenfeld Stadt Lampertheim | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 36′ N, 8° 35′ O |
| Höhe: | 97 m ü. NHN |
| Fläche: | 5,07 km² |
| Einwohner: | 2419 (31. Dez. 2021)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 477 Einwohner/km² |
| Postleitzahl: | 68623 |
| Vorwahl: | 06256 |
Schloss Rennhof | |
Geographie
Hüttenfeld liegt im hessischen Ried und in der Oberrheinischen Tiefebene direkt an der Landesgrenze von Hessen und Baden-Württemberg. Östlich von Hüttenfeld fließt die alte und neue Weschnitz sowie der Landgraben. Es kam in der Vergangenheit immer wieder zu Hochwassern der Weschnitz, zum Teil mit Dammbrüchen. Nordöstlich liegt das Naturschutzgebiet Weschnitzinsel. Im Süden grenzt der Ort unmittelbar an den Viernheimer Wald an.
| Nutzungsart | Fläche in ha |
|---|---|
| Gebäude- und Freifläche | 59,40 |
| Landwirtschaftsfläche | 373,10 |
| Waldfläche | 28,27 |
| Wasserfläche | 11,38 |
| Verkehrsfläche | 30,90 |
| Betriebsflächen | 0,27 |
| Erholungsflächen | 3,67 |
| Restliche Nutzungsarten | 0,42 |
| Zusammen | 507,41 |
| Stand vom 30. Juni 2004 | |
Hüttenfeld besteht in erster Linie aus Wohnbebauung, die höchsten Gebäude sind die katholische Kirche, der Schlossturm sowie das eine Hochhaus. Gewerbegebiete befinden sich in der Tuchbleiche und außerhalb.
Der Ortsbezirk Hüttenfeld grenzt im Norden an Lorsch und Heppenheim, im Westen an Lampertheim-Neuschloß. Im Osten befindet sich unmittelbar an der Bebauungsgrenze die Landesgrenze zu Baden-Württemberg und der Stadt Hemsbach. Das Gebiet der Stadt Viernheim beginnt an der südlichen Dorfgrenze.
Die Region ist eine der wärmsten in Deutschland und das Klima ist entsprechend sehr mild. Der Boden ist recht sandig.
Geschichte
Ortsgeschichte
Nach der Meinung einiger Heimatforscher ist das Gebiet um Hüttenfeld schon im Nibelungenlied erwähnt. Das Gebiet am Spissart, die sogenannte Viernheimer Spitz, soll dem im Nibelungenlied erwähnten Speßhart entsprechen.
Eine Vielzahl alter Flurbezeichnungen deuten auf nicht mehr vorhandene Landmerkmale hin. Im Brunnenbuckel existiert inzwischen ein See, da das Material für den Bau der A67 genutzt wurde. Der Sand des Hexenbuckels wurde abgetragen, um einen Sumpf zu beseitigen. Der Hegwald wurde nach dem Krieg gefällt. Im krummen See ist heute die ehemalige Kreismülldeponie. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert lag nordwestlich von Hüttenfeld der Lorscher See, der zur Fischzucht angelegt worden war. Der See wurde regelmäßig trockengelegt, um Weideland für die Viehhaltung zu bekommen.[2]
| Zeit | Stabhalter |
|---|---|
| 1822–1825 | Johannes Uhrig |
| 1825–1831 | Georg Delp |
| 1831–1846 | Michael Bieber |
| 1846–1853 | Sebastian Uhrig |
| 1853–1871 | Adam Wiegand |
| 1883–1925 | Fritz Delp |
Nikolaus Hamm, Valentin Jakob, Johann Walter und Anton Rößling waren die ersten Siedler, die sich am Anfang des 19. Jahrhunderts auf den „Lampertheimer Seewiesen“ niederließen. Den Namen Hüttenfeld erhielt die Ansiedlung am 20. Juli 1813, in Anlehnung an das Zollhaus „Lampertheimer Hütte“ zwischen Kurmainz und Kurpfalz, das sich bis 1728 hier befand und dann einem herrschaftlichen Seewirtshaus weichen musste. Die Anordnung des Großherzogs von Hessen lautete: „Seine Königliche Hohheit, unser Durchleuchtigster Großherzog haben zu befehlen geruhet, daß der Filialort, sonst ‚Lampertheimer Hütte‘ genannt, künftig hin Hüttenfeld genannt werden soll“. Dem Pächter des Hütten-Hofguts, der gleichzeitig Zollerheber zur jetzt badischen Grenze war, wurde im gleichen Jahr das Amt des Stabhalters übertragen.
Die Lampertheimer Hütte gehörte bis 1803 zum Hochstift Worms und kam 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Hüttenfeld zur amerikanischen Besatzungszone und zum Bundesland Hessen.
Viele der Hüttenfelder arbeiten auf dem zum Jagdschloss Neuschloß gehörenden Gut Rennhof. Die Postkutschenverbindung von Darmstadt nach Mannheim führte früher durch Hüttenfeld. Großherzog Ernst Ludwig kam zur Hirschjagd nach Hüttenfeld, und auch sein Schwager Nikolaus II., der Zar von Russland, besuchte Hüttenfeld mehrmals.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hüttenfeld:
„Hüttenfeld (L. Bez. Heppenheim) evangel. Protest. Filialdorf liegt 2 St. von Heppenheim und hat 18 Häuser und 157 Einw, wovon 93 evangel. Protest. und 64 katholisch sind. Hüttenfeld kam 1802 an Hessen.“[3]
In der Statistik des Großherzogtums Hessen wird Hüttenfeld 1861 als Filialdorf von Lampertheim, wo sich auch die Bürgermeisterei befindet, mit 47 Häusern und 319 Einwohnern geführt. Bereits 1853 erbaute der Frankfurter Bankier Baron von Rothschild das Schloss Rennhof, in dem heute die litauische Oberschule untergebracht ist.
Aus einer Einwohnerliste vom 17. August 1924 geht hervor, dass von den 496 Einwohnern 365 evangelisch und 131 katholisch waren. Darauf finden sich auch die typischen Hüttenfelder Familiennamen Ehret, Rhein, Moos, Eichenauer, Schollmaier, Schmidt, Delp, Falkenstein, Hilsheimer, Schuster, Wiegand, Grieser, Müller, Rößling, Ringenwald, Matecki, Umbach und Keller. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Hüttenfeld kaum mehr als 20 unterschiedliche Familien, ein Zustand, der sich erst mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen und anderen neuen Bürgern in den 1960er und 1970er Jahren änderte.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Hessen am 3. Juli 1933 das „Gesetz zur Durchführung von Feldbereinigung zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung im Zuge der Riedmelioration“ erlassen. In 13 Gemeinden der Provinz Starkenburg wurde das Feldbereinigungsverfahren auf einer Fläche von 200.000 ha angeordnet. In Hüttenfeld wurden durch den Freiwilligen Arbeitsdienst 2,8 Hektar urbar gemacht, was den Mangel an landwirtschaftlich nutzbarer Fläche linderte.[4]
Im Zweiten Weltkrieg hatte Hüttenfeld etwa 20 gefallene oder vermisste Soldaten zu beklagen.[5]
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges erreichten die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Am 26. März 1945 überquerten amerikanische Truppen bei Hamm und südlich von Worms den Rhein. Zwischen Bürstadt und Lampertheim gab es heftige Gefechte mit deutschen Wehrmachteinheiten gab. Lampertheim selbst wurde nicht verteidigt, sodass beim Einmarsch der Amerikaner noch am selben Tag keine großen Schäden entstanden. Die amerikanischen Truppen stießen nach der Einnahme Lampertheims weiter über Neuschloß und Hüttenfeld Richtung Bergstraße vor.[6]
Im Jahr 2013 feierte Hüttenfeld das 200-jährige Jubiläum seiner Namensgebung mit einer Reihe von Veranstaltungen.
Seehof und Rennhof
Durch einen Staatsvertrag zwischen Hessen und Baden-Württemberg wurde 1983 der Hemsbacher Ortsteil Rennhof an Hüttenfeld angegliedert. Der Vertrag wurde am 18. März ratifiziert, die Versetzung des Ortsschildes wurde am 21. Juli 1983 durchgeführt und gefeiert. Zu Rennhof gehörte das Schloss Rennhof, das Gut Rennhof sowie mehrere Gebäude im Umfeld der evangelischen Kirche. Die Landesgrenze verlief vor 1983 mitten durch das bebaute Gebiet. Durch die Bereinigung der Landesgrenze kamen rund 100 Einwohner und etwa 31 Hektar zu Hessen.[7]
Nördlich von Hüttenfeld entstand Ende des 18. Jahrhunderts das Dorf Seehof, das zu Lorsch gehörte. 1833 wurde aus Seehof eine selbstständige Gemeinde. Die Seehöfer Gemarkung bestand aus sehr trockenen oder sehr nassen Böden, so dass die Landwirtschaft kaum einträglich war. Anfang der 1850er Jahre bot Katharina Scipio aus Mannheim an, alle Seehöfer Grundstücke zu kaufen unter der Voraussetzung, dass die Einwohner ihr Dorf verlassen und die Gemeinde aufgelöst werde. Scipio wollte einen Gutshof einrichten. Mitte der 1850er Jahre verließen fast alle der rund 300 Seehöfer ihren Ort; etwa 200 wanderten nach Amerika aus, die anderen zogen in Nachbarorte. Die Häuser wurden abgerissen und teilweise in Hüttenfeld wieder aufgebaut, darunter das mittlerweile wieder abgebrochene Schulhaus. Die Schulglocke der heutigen Hüttenfelder Grundschule, der Seehofschule, stammt von der Seehöfer Schule. Formell wurde die Gemeinde Seehof 1873 aufgelöst, die Gemarkung blieb erhalten und wurde dem Lampertheimer Beigeordneten für Hüttenfeld unterstellt. 1972 wurde die Gemarkung Seehof zwischen Lorsch und Hüttenfeld aufgeteilt.
Einwohnerentwicklung
| Hüttenfeld: Einwohnerzahlen von 1821 bis 2021 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1821 | 156 | |||
| 1925 | 496 | |||
| 1939 | ? | |||
| 1946 | ? | |||
| 1956 | 595 | |||
| 1970 | 1.307 | |||
| 1979 | 1.414 | |||
| 1987 | 1.943 | |||
| 1997 | 2.023 | |||
| 2004 | 1.985 | |||
| 2011 | 2.124 | |||
| 2015 | 2.223 | |||
| 2021 | 2.419 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: Siehe Tabelle | ||||
| Datum | Einwohner |
|---|---|
| 1821 | 157 |
| 1861 | 319 |
| 17. August 1924 | 496 |
| 1955 | 695 |
| 27. Mai 1970 | 1307 |
| 31. Dezember 1971 | 1414 |
| 1979 | 1650 |
| 31. Dezember 1982 | 1728 |
| 31. Dezember 1984 | 1950 |
| 31. Dezember 1986 | 1987 |
| 25. Mai 1987 | 1943 |
| 31. Dezember 1993 | 2081 |
Der Anstieg der Bevölkerungszahlen nach dem Zweiten Weltkrieg geht großteils auf den Babyboom und den Bau einer neuen Siedlung zurück, teilweise auch auf Kriegsvertriebene.
Religion
Hüttenfeld war ursprünglich stark protestantisch geprägt. Dies änderte sich durch Zuzüge nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt in Hüttenfeld zwei Kirchengemeinden:
- Die Evangelische Kirchengemeinde Hüttenfeld ist seit Juli 1983 pfarramtlich verbunden mit der neugegründeten, aus der Lukasgemeinde Lampertheim ausgegliederten evangelischen Johannesgemeinde Neuschloß.
- Katholische Kirchengemeinde Lampertheim, Hofheim und Hüttenfeld (Pfarrei „Alfred Delp Südliches Ried“)
Politik
Hüttenfeld hatte von 1949 bis 1952 einen politischen Beigeordneten in Lampertheim, mit der Einführung der Magistratsverfassung 1952 wurde dieser durch einen eigenständigen Ortsbeirat mit beratender Funktion ersetzt. Der eigentliche kommunale Entscheidungsträger ist die Stadtverordnetenversammlung in Lampertheim. Ortsvorsteherin ist Beate Maria Kettler (SPD). Die Zusammensetzung des Ortsbeirates nach der Kommunalwahl 2026 lautet:[10]
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Am dritten Augustwochenende findet die jährliche Kerwe mit Volkslauf statt, die den Charakter eines Volksfestes hat. Die Litauische Volksgemeinschaft feiert regelmäßig ein Johannisfest. In den 1950er Jahren gab es zum Frühlingsanfang einen traditionellen Sommertagszug. Das Lied, in dem Hüttenfelder ihr Dorf besingen, heißt „Zwischen Bergstraße und Rhein“. Ferner gibt es die Hüttenfelder Theatergruppe ZwiBuR, die nach diesem Lied benannt ist. Hüttenfeld liegt im Gebiet der süd-rheinfränkischen Dialektgruppe, Einheimische benutzen einen kurpfälzischen Dialekt.
Vereine
- Evangelischer Kirchenchor Hüttenfeld: Er wurde im Juli 1947 von etwa 30 Gemeindemitgliedern gegründet. Im Jahr 2006 hatte er ca. 90 Mitglieder, 2011 waren ca. 24 Sänger und Sängerinnen aktiv.
- Feuerwehrverein Lampertheim-Hüttenfeld e. V.: Im Jahr 2006 hatte er ca. 300 Mitglieder.
- Kath. Kirchenchor Hüttenfeld: Der Kirchenchor hat im Jahr 2006 ca. 30 Mitglieder.
- Kegelclub KC 1964 Hüttenfeld
- Kleingärtnerverein Hüttenfeld e. V.
- Krankenpflege-Verein Hüttenfeld e. V.
- Männergesangverein Sängerbund 1892 Hüttenfeld e. V.[11] (Kinder-, Jugend-, Frauen-, Männer und Gemischter Chor)
- Sportgemeinde 1946 Hüttenfeld e. V.[12] Der Verein wurde am 31. August 1946 mit 36 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile umfasst die SG Hüttenfeld die Abteilungen Tischtennis, Sportschützen, Volleyball, Zumba und Fußball und ist mit rund 500 Mitgliedern der größte Verein in Hüttenfeld. Ansässig ist der Verein im Sportpark Hegwald in der Viernheimer Straße (Abteilungen Fußball und Sportschützen) und dem Hüttenfelder Bürgerhaus (Abteilungen Tischtennis, Volleyball und Zumba). Die Sportgemeinde Hüttenfeld organisiert auch den Hüttenfelder Kerwe-Volkslauf, der die alljährliche Kerwe am dritten Augustwochenende eröffnet, sowie weitere Feste im Jahresverlauf (Maifest, Oktoberfest, Fasching).
- Tennis-Club Hüttenfeld e. V.
- Verein der Vogelfreunde Hüttenfeld 1970 e. V.
- Litauische Volksgemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland e. V.
- Theaterverein „ZwiBuR“: Der Hüttenfelder Theaterverein wurde im am 23. Juni 1993 als nicht eingetragener Verein gegründet und ist Teil der evangelischen Kirchengemeinde. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen im einmal jährlich stattfindenden Kabarett, den Theateraufführungen in der Weihnachtszeit und der Kerwerede sowie der Förderung der Kinder-Theaterarbeit.
Bauwerke
Die Hüttenfelder Ortsmitte als Gesamtanlage Ortsmitte steht heute als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz. Sie umfasst das Schloss Rennhof, das Gut Rennhof, die Grundschule, die Gebäude Lorscher Straße 2 sowie weitere Gebäude wie die Gaststätte Rebstock und Hemsbacher Straße 1.
- Erbaut wurde es im Jahre 1853 vom Frankfurter Bankier Baron von Rothschild. Nachdem sein letzter adeliger Besitzer, Maximilian von Heyl zu Herrnsheim am 31. März 1952 starb, kaufte der Hüttenfelder Kaufmann Philipp Adam Rhein am 1. Dezember 1952 das Schloss und im Juni 1953 auch das Gut Rennhof. Am 1. April 1953 wurde das Schloss von dem Litauischen Zentralkomitee erworben und beherbergt seitdem das litauische Gymnasium. Es brannte am 6. Juni 1984 aus und wurde nach vierjähriger Sanierung am 24. Juni 1989 mit einem Europatreffen der litauischen Volksgemeinschaft neu eingeweiht. Es stand bis 1983 im badischen Teil von Hüttenfeld. Das Schloss Rennhof steht als Kulturdenkmal heute unter Denkmalschutz.

- „Gustav-Adolf-Kirche“ (evangelisch)
- Sie wurde am 12. Juli 1925 eingeweiht, die drei Kirchenglocken versagten aufgrund eines Fehlgusses und wurden am 23. August 1925 nachträglich geweiht. Sie stand bis 1983 im badischen Teil von Hüttenfeld. Die Gustav-Adolf-Kirche steht als Kulturdenkmal heute unter Denkmalschutz.

- „Herz-Jesu-Kirche“ (katholisch)
- Der Antrag auf Bau einer katholischen Kapelle wurde um Jahr 1868 gestellt, aber erst am 29. Juli 1923 wurde in einem Saal des ehemaligen Gasthauses „Zur Wildbahn“ eine Kapelle eingeweiht. Der letzte Gottesdienst fand dort am 29. März 1992 statt, im Mai wurde die Kirche abgerissen. Die moderne Herz-Jesu-Kirche wurde am 10. August 1995 von Bischof Karl Lehmann eingeweiht
- Pater-Delp-Zentrum
- Das katholische Gemeindezentrum neben der katholischen Kirche wurde im Jahr 1983 eingeweiht und soll an den Jesuitenpater Alfred Delp erinnern, der seine Kindheit in Hüttenfeld verbrachte.
- Bürgerhaus
- Es wurde am 29. September 1978 fertiggestellt und beherbergt die Verwaltungsstelle der Stadt Lampertheim, eine Zweigstelle der Stadtbücherei, Räumlichkeiten für die Hüttenfelder Vereine sowie eine Sport- und Mehrzweckhalle.
- Feuerwehrhaus
- Das Feuerwehrhaus wurde zusammen mit dem Bürgerhaus gebaut und vor einigen Jahren erweitert.

- Schulhaus
- Die heutige Grundschule ist in dem Schulhaus aus dem Jahr 1906/1907 untergebracht. Im August 2006 bekam die Schule den Namen „Seehofschule Hüttenfeld“. Das erste Schulgebäude kam ursprünglich aus der Gemeinde Seehof und wurde dort 1857 abgebaut, um in Hüttenfeld neu errichtet zu werden. 1906/07 erfolgte dann der Neubau auf dem gleichen Gelände. Die Grundschule steht als Kulturdenkmal heute unter Denkmalschutz.
- Gewässernetz
- Der Landgraben wurde 1535 zur Entwässerung von weiter südlich gelegenen Gebieten fertiggestellt. Die Weschnitz wurde ab 1535 begradigt und um den Flussarm Neue Weschnitz ergänzt. Ab 1857 entstand ein Zuleitungsgraben, der die Wässerwiesen des Gutes Seehof mit Wasser versorgte. Er zweigte von der Neuen Weschnitz ab, überquerte den Landgraben auf einem Aquädukt und führte zur Hauptverteilerschleuse nordwestlich von Hüttenfeld. Das Aquädukt, die Hauptverteilerschleuse und eine Straßenbrücke stehen heute unter Denkmalschutz.
- Ehemalige Forstschule
- Im Lehrbetrieb für Waldarbeit und Forsttechnik des Forstamtes Lampertheim wurden bis 2001 Forstwirte ausgebildet, ehe die Ausbildung ins mittelhessische Weilburg verlagert wurde. Nach mehreren Jahren Leerstand nutzt nun der Kreisfeuerwehrverband die Gebäude als Ausbildungsstätte.
- Tabakschuppen
- Einer von zwei großen Tabakschuppen ist erhalten geblieben. Mit drei Stockwerken und einer Größe von 75 auf 8 Meter war er damals Deutschlands größter Tabakschuppen und konnte für das Trocknen von bis zu 3000 Zentner grünem Tabak genutzt werden. Der Tabakschuppen steht als Kulturdenkmal heute unter Denkmalschutz.
- Hüttenfelder Kleingärten
- In Hüttenfeld gibt es eine lebendige Kleingartenkultur und neben der kleingärtnerischen Nutzung der Parzellen am Dorfrand finden hier auch vom Kleingärtnerverein organisierte Feste statt.
Das litauische Gymnasium
Das litauische Gymnasium in Hüttenfeld ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule mit angeschlossenem Internat. Es zog nach der Gründung 1950 in Diepholz im Jahre 1954 nach Hüttenfeld in das Schloss Rennhof. Die Einweihung fand am 16. Februar, dem litauischen Nationalfeiertag im Jahr 1954 statt. In der Selbstdarstellung des Gymnasiums wird betont, dass „dieser Stadtteil von Lampertheim zum Zentrum der Litauer in Deutschland wurde.“ Es ist bis zum Ende des Kalten Krieges und der Unabhängigkeit Litauens die einzige litauische Schule in der westlichen Welt und dient dem Erhalt der litauischen Kultur.
Wirtschaft und Infrastruktur
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft war lange von fehlenden Flächen geprägt, da die Gemarkungen von Lorsch, Hemsbach, Weinheim und Viernheim bis an das Hüttenfelder Ortsgebiet heranreichen. Eine zwischen 1933 und 1935 durchgeführte Flurbereinigung linderte die Landarmut etwas. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Hessen eine Bodenreform durchgeführt, bei der Flächen der Güter Seehof und Rennhof Hüttenfelder Landwirten zugeteilt wurden.[4]
Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war Hüttenfeld stark landwirtschaftlich geprägt und noch heute wird Spargel angebaut. Früher waren es zusätzlich Tabak und Gemüse wie Gurken (für die Fabriken in Biblis), Karotten und Bohnen. In der Vergangenheit spielten die landwirtschaftlichen Genossenschaften und deren Infrastruktur (Transportmittel, Bank) eine wichtige Rolle. Bis in die 1960er Jahre besaß Hüttenfeld eine eigenständige Genossenschaft, danach erfolgt die Fusion mit Lampertheim. Immer wieder wurden auch geringe Mengen Wein angebaut.
Ebenfalls verbreitet war die Forstwirtschaft mit der Alten Forstschule.
Wirtschaft
Aufgrund der wenigen Arbeitsplätze vor Ort pendeln viele Hüttenfelder nach Lampertheim, Viernheim, Weinheim und Mannheim zur Arbeit. Bis zu ihrer Schließung war auch Neuschloß mit seiner chemischen Fabrik ein Arbeitsplatz für Hüttenfelder.
Größere Wirtschaftsunternehmen um Hüttenfeld sind die 2005 geschlossene Kreismülldeponie, heute Sitz des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Landkreis Bergstraße (ZAKB) sowie die Tierkörperverwertungsanstalt.
Verkehr
Der Kreisverkehr an der westlichen Ortsgrenze von Hüttenfeld bildet einen Kreuzungspunkt zwischen den Landstraßen 3110 Lampertheim–Hemsbach und 3111 Viernheim–Lorsch. Nördlich des Kreisels geht von der L 3111 die L 3398 in Richtung Heppenheim ab. Die L 3111 bis Hüttenfeld und L 3110 von Hüttenfeld bis Hemsbach bilden die U 88.
Autobahn: Die Bundesautobahn 67 durchquert den westlichen Teil des Ortsbezirks Hüttenfeld im Bereich des Forsthauses Wildbahn. Die Bundesautobahn 5 mit der nächsten Autobahnauffahrt Hemsbach verläuft im Osten nur wenige Kilometer von Hüttenfeld entfernt.
Fahrrad: Nach Hemsbach und nach Lampertheim führen gut ausgebaute Fahrradwege, Viernheim, Lorsch und Heppenheim sind über Feldwege mit dem Fahrrad ebenfalls gut erreichbar.
ÖPNV: Hüttenfeld wird von der Stadtlinie 602 Lampertheim Schulzentrum „West“–Neuschloß–Hüttenfeld–Heppenheim, einem Ruftaxi Hüttenfeld–Kreiskrankenhaus Heppenheim und der VRN 644 Worms–Lampertheim–Hüttenfeld–Viernheim bedient.
Straßennamen
- Anton Rößling, Johann Walter: gehörten zu den ersten Siedlern in Hüttenfeld mit Nachkommen vor Ort bis in die Gegenwart
- Alfred Delp: Jesuit und Widerstandskämpfer
- Johann Stelz: erster Lehrer in Hüttenfeld
- Jakob Müller: Lehrer und Mitgründer des Bauernverbandes
- Sepp Herberger und Fritz Walter: Wege im Neubaugebiet Alter Sportplatz
Weitere Straßennamen verweisen auf alte Flurbezeichnungen: Am Forstacker, Am Spissart, Im Seefeld, An der Tuchbleiche, Am Brunnenbuckel, Seefeld.
Medien
In Hüttenfeld werden alle überregionalen Tageszeitungen ausgeliefert. Bestimmend sind jedoch die Lokalblätter Lampertheimer Zeitung und Südhessen Morgen / Mannheimer Morgen, Letzteres wahlweise mit Lampertheimer oder Viernheimer Lokalteil.
Öffentliche Einrichtungen
In Hüttenfeld existiert eine eigenständige Grundschule (Seehofschule), eine evangelische Kindertagesstätte, drei Kinderspielplätze sowie eine Freiwillige Feuerwehr (gegründet am 15. Januar 1893). Der Besuch einer weiterführenden Schule war bis zur Öffnung des litauischen Gymnasiums für deutsche Schüler nur außerhalb, meist in Viernheim oder Lampertheim, möglich und ist heute auch noch die Regel. Hüttenfeld besitzt einen eigenen Ortsteilfriedhof.
Im September 2002 wurde die neue Sportanlage Am Hegwald eingeweiht, diese umfasst einen Sportplatz, einen Fußballplatz, einen Beachvolleyballplatz, eine Schießanlage und Vereinsräumlichkeiten. Auf dem Gelände des alten Sportplatzes entstanden ein neues Wohngebiet und ein kleiner Dorfplatz. Bei Vorzugsvarianten der geplanten ICE-Trasse Frankfurt–Stuttgart würde diese nahe an Hüttenfeld vorbeiführen. Im Herbst 2008 fiel der Entschluss die marode Trauerhalle auf dem Hüttenfelder Friedhof abzureißen und stattdessen eine neue, vom ortsansässigen Architekten Gerhard Rhein entworfene Trauerhalle zu bauen.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Alfred Delp (1907–1945), Jesuit, wohnte von seiner Geburt bis zum Umzug der Familie Delp nach Lampertheim 1914 in Hüttenfeld, Mannheimer Straße. Diese Straße wurde bei der Reform der Postleitzahlen auch nach ihm benannt.
- Konrad Rhein, Träger des Kriegsehrenzeichen, verliehen 1917 von Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein.
- Ewald Ehret (1924–2007), Träger des Kronenkreuzes der Diakonie und des Bundesverdienstkreuzes, wurde im Krieg so schwer verletzt, dass er auf Dauer als zu 90 % behindert galt. Er engagierte sich für den Aufbau und das Leben der Hüttenfelder Vereine und der evangelischen Kirche.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
- Baron Mayer Carl von Rothschild (1820–1886), Frankfurter Bankier und Erbauer des Schlosses Rennhof
- Maximilian von Heyl zu Herrnsheim (1884–1952), verwaltete vom Schloß Rennhof aus den umfangreichen Grundbesitz der Wormser Industriellenfamilie Heyl zu Herrnsheim[13]
- Annelie von Heyl, geb. Riedesel, Frau von Maximilian von Heyl
- Die Schlagersängerin Lena Valaitis (* 1943) ging im litauischen Gymnasium zur Schule
Sonstiges
- Ein Teil des Rollrasens für die Fußball-WM 2006 kam aus Hüttenfeld.
- Hüttenfeld besitzt eine andere Telefonvorwahl (06256) als Lampertheim (06206), vor der Reform der Postleitzahlen waren auch diese unterschiedlich. Mit der Umstellung der Postleitzahlen mussten auch einige Straßen umbenannt werden, da sie in Lampertheim auch vorhanden waren.
Literatur und Quellen
- Lampertheim im Spiegel der Zahlen im Haushaltsplan 2006.
- Un noch e bißlche meh vun de „Hütt“!, Else Hanf, geb. Delp, 1998.
- Lampertheim – Ein Blick in die Stadtgeschichte.
- Lampertheim – Buch der Stadt 2002.
Weblinks
- Stadtteil Hüttenfeld. In: Webauftritt. Stadt Lampertheim
- Hüttenfeld, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Literatur über Hüttenfeld nach GND In: Hessische Bibliographie
