Hajer Sharief
Libysche Friedensaktivistin
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Hajer Sharief (arabisch هاجر الشريف, DMG Hāǧar aš-Šarīf; geb. 1994) ist eine libysche Friedens- und Menschenrechtsaktivistin. Sie leitet die Arbeit der Organisation „Together We Build It“ (TWBI) in Libyen. 2011, im Alter von 19 Jahren, gründete Sharief TWBI mit dem Ziel, Frieden in Libyen zu schaffen und die Menschenrechte zu fördern. Sie ist eine der zwölf UN-Women-Botschafterinnen für Frauen, Frieden, Sicherheit und Menschenrechte und Mitglied der von Kofi Annan und der Kofi Annan Foundation ins Leben gerufenen Initiative „Extremely Together“ für junge Führungskräfte. 2020 zählte Forbes Sharief zu den „50 mächtigsten Frauen Afrikas“, und Avanec Media listete sie unter den „100 einflussreichsten afrikanischen Frauen“ des Jahres 2020. 2017 wurde sie mit dem Student Peace Prize (Studentenfriedenspreis) ausgezeichnet.

Leben
Sharief wurde 1994 in Libyen geboren.[1] Sie hat einen Abschluss der Tripoli Law School.[2] Als Reaktion auf die Gewalt des libyschen Bürgerkriegs gründete Sharief 2011 die Organisation „Together We Build It“.[3][1] Die Organisation setzt sich für einen friedlichen Übergang in Libyen ein und baut dabei auf dem Verständnis zwischen den Generationen auf.[4] Neben ihrer Tätigkeit als Co-Leiterin der Organisation verantwortet sie deren verschiedene Projekte, unter anderem in den Bereichen Menschenrechte, Frauen und Jugendliche, Frieden und Sicherheit sowie internationales Menschenrechtsrecht.[5]
2013 gründete Sharief das 1325-Netzwerk in Libyen.[2] Dieses Netzwerk verbindet dreißig Städte in ganz Libyen, um den zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die Rolle der Frauen in der Friedensarbeit und der Gesellschaft insgesamt zu fördern.[2] Als Co-Leiterin des 1325-Netzwerks half sie bei der Organisation von Schulungen, Workshops und anderen Aktivitäten zu den unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen mit Friedens- und Sicherheitsmaßnahmen in Libyen.[6]
Als junge Friedensaktivistin schloss sich Sharief dem Advocacy-Team des United Network of Young Peacebuilders an, um den UN-Sicherheitsrat zur Verabschiedung einer Resolution zu bewegen, welche die entscheidende Rolle junger Menschen bei der Friedensförderung und Konfliktlösung anerkennt.[7] Sharief wurde von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in eine Expertengruppe berufen, um die Resolution 2250, die erste thematische Resolution zu Jugend, Frieden und Sicherheit (resolution on youth, peace and security), weiterzuentwickeln.[8] Sie ist außerdem Teil des Netzwerks „Extremely Together“, das von der Kofi-Annan-Stiftung unterstützt wird. Dieses Programm bringt zehn junge Innovatoren aus aller Welt zusammen, deren Ziel es ist, positive Präventionsmaßnahmen gegen gewalttätigen Extremismus unter jungen Menschen zu entwickeln.[9][10][11] Sharief wurde mit der Ausarbeitung eines Kapitels über Menschenrechte und junge Menschen beauftragt.[12]
2017 wurde Sharief von UN Women als eine ihrer zwölf Botschafterinnen für Frauen, Frieden, Sicherheit und Menschenrechte ernannt. Laut UN Women sollen die ausgewählten Botschafterinnen „UN Women zu aktuellen Fragen des Friedens und der Sicherheit beraten und sich für die Gleichstellung der Geschlechter und die Menschenrechte von Frauen in Konfliktgebieten einsetzen“.[9][13]
2018 informierte Sharief den UN-Sicherheitsrat während einer Sitzung zu Libyen und war damit die erste libysche Frau, die den Rat in einer Ländersitzung zu Libyen unterrichtete. In ihrem Bericht riet Hajer dem UN-Sicherheitsrat und der UN-Mission in Libyen, wie sie die Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen in die formellen Friedensprozesse der Vereinten Nationen gewährleisten können.[14]
2019 wurde sie zusammen mit Ilwad Elman, einer Kollegin von 'Extremely Together', für den Friedensnobelpreis nominiert. Beide wurden von Henrik Urdal ausgewählt.[15]
Öffentliches Engagement
Als Friedensaktivistin hielt Sharief mehrere Grundsatzreden zu Frieden, Sicherheit und Menschenrechten. 2017 sprach sie unter dem Titel „Wovon lebe ich? Ich bin eine Vollzeit-Überlebende des Krieges“ („What do I do for a living? I’m a full-time war survivor“). Darin reflektierte sie ihre Erfahrungen als Augenzeugin des Libyen-Krieges von 2011 und ermutigte insbesondere junge Menschen, sich aktiv am Friedensprozess zu beteiligen. 2019 hielt sie bei den Oxford Peace Talks einen Vortrag mit dem Titel „As a full-time war survivor. What is missing in conflict zones?“ („Als Überlebende des Krieges – was fehlt in Konfliktgebieten?“).[16] Sharief argumentierte, dass Friedensarbeit in Konfliktgebieten ohne die volle Beteiligung von Frauen und jungen Menschen nicht gelingen könne. 2020 hielt Sharief die Hauptrede beim Torino Peace Forum. Ihr Vortrag trug den Titel „Frieden zwischen den Generationen: Die Notwendigkeit, den Friedenstisch neu zu gestalten“.[17]
Neben ihrem Engagement für Frieden und Menschenrechte setzt sich Sharief auch für politische Rechte und politische Teilhabe ein. 2019 hielt sie einen TED-Talk mit dem Titel „Wie man Familienessen nutzen kann, um Politik zu vermitteln“ („How to use family dinners to teach politics“), in dem sie das Konzept der Familien-Demokratie-Treffen (Family Democracy Meetings) vorstellte.[18] Dieses System hatten ihre Eltern bereits in ihrer Kindheit angewendet. Sie argumentierte, dass Eltern ihren Kindern politisches Bewusstsein vermitteln sollten, indem sie ihnen Mitspracherecht bei der Gestaltung ihres Haushalts einräumen. Dies soll durch wöchentliche Treffen geschehen, in denen jeder seine Meinung äußern, Kompromisse finden und verhandeln kann.[18] In einem Interview mit Forbes India erklärte Sharief, dass „Politik zum Lebensstil jedes Einzelnen gehören sollte“ („politics should be the lifestyle of every single person“). Im selben Interview sagte sie: „Die politischen Systeme, insbesondere angesichts der jüngsten Polarisierungswelle, scheinen darauf ausgerichtet zu sein, Gruppen oder Gemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Die Menschen werden in die Enge getrieben und müssen Partei ergreifen. Genau hier müssen moralische Werte Priorität haben.“[19]
Auszeichnungen
- Student Peace Prize 2017.[20]
- Nominierung für den Friedensnobelpreis 2019.[15]
- 100 Most Influential African Women von Avanec Media 2020.[21]
- Africa’s 50 most powerful women, Forbes 2020.[22]