Halfpenny Rose Red
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Die Halfpenny Rose Red (deutsch etwa „rosarote Halb-Penny-Marke“) ist eine britische Freimarke zu einem halben Penny, die am 1. Oktober 1870 im Vereinigten Königreich erschien. Sie war die erste britische Briefmarke dieses Nennwerts. Mit Abmessungen von etwa 17,5 × 14 mm gilt sie als kleinste britische Briefmarke.[1]
| Halfpenny Rose Red | ||
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| Ausgabe | ||
| Land | Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland | |
| Nominalwert | ½ Penny | |
| Ersttag | 1. Oktober 1870 | |
| Gestaltung | ||
| Bildmotiv | Königin Victoria | |
| Farbe | rosarot bis lakerot | |
| Stich | Frederick Heath | |
| Druckart | Stichtiefdruck (Linienstich) | |
| Perforation | Zähnung 14 | |
| Besonderheiten | erste britische Halb-Penny-Briefmarke; kleinste britische Briefmarke | |
| Auflage | ||
| Auflage | 1.600.276.320 ausgegebene Marken | |
Die von Perkins Bacon im Linienstich gedruckte Marke zeigt das Profil Königin Victorias. Aufgrund ihres kleinen Formats wurde sie von Sammlern als Bantam bezeichnet. Während ihrer bis 1880 dauernden Herstellung wurden 15 verschiedene Druckplatten verwendet. Insgesamt gelangten rund 1,6 Milliarden Marken zur Ausgabe.[2.1][3]
Entstehung
Anlass für die Einführung war eine Änderung der britischen Posttarife. Zum 1. Oktober 1870 wurden unter anderem die Gebühren für Zeitungen, Drucksachen, Warenproben und andere leichte Sendungen gesenkt. Am selben Tag führte die britische Post eine amtliche Halb-Penny-Postkarte als Ganzsache ein. Für diese neuen beziehungsweise ermäßigten Tarife wurde erstmals eine britische Freimarke zu einem halben Penny benötigt.[2.2]
Die Vorbereitungen begannen im April 1870. Das General Post Office verlangte eine besonders kleine Marke. Ihre Höhe sollte höchstens zwei Drittel der damals gebräuchlichen Penny-Marke betragen, während ihre Breite ungefähr gleich bleiben sollte. Das Porträt Königin Victorias musste Bestandteil des Entwurfs sein. Die Marken sollten in Bögen zu 480 Exemplaren hergestellt werden, sodass ein vollständiger Bogen einen Nennwert von genau einem Pfund Sterling besaß.[2.3]
Perkins Bacon erhielt den Druckauftrag und beauftragte am 5. Mai 1870 den Graveur Frederick Heath mit der Verkleinerung und Übertragung des Königinnenporträts. Bis zum Beginn der Ausgabe sollte die Druckerei einen Vorrat von 100 Millionen Marken bereitstellen; der wöchentliche Bedarf wurde zunächst auf etwa vier Millionen Exemplare geschätzt.[2.4]
Ursprünglich war eine hellgrüne Druckfarbe vorgesehen. Dabei sollte es sich um eine chemisch empfindliche Sicherheitsfarbe handeln, die das Entfernen und erneute Verwenden entwerteter Marken erschwerte. Die Versuche mit verschiedenen Grüntönen befriedigten die Postverwaltung jedoch nicht. Für die endgültige Ausgabe wurde deshalb ein lakeroter bis rosaroter Farbton gewählt. Während der zehnjährigen Druckzeit entstanden unterschiedliche Nuancen von hellem Rosa bis zu kräftigem Rot.[2.5]
Gestaltung und Druck
Das Markenbild zeigt das nach links gerichtete Profil Königin Victorias in einem weißen ovalen Medaillon. Zu beiden Seiten befindet sich die Wertangabe „½d“. Die übrigen Flächen sind mit einem feinen, guillochierten Ornamentmuster ausgefüllt. In den vier Ecken stehen Buchstaben, anhand derer sich die ursprüngliche Position einer Marke im Druckbogen bestimmen lässt.[2.6]
Jeder Druckbogen bestand aus 20 waagerechten Reihen mit jeweils 24 Marken, insgesamt also 480 Exemplaren. Die Eckbuchstaben bezeichneten jeweils die Reihe und Spalte innerhalb des Bogens. Der vollständige Bogen hatte damit einen Nennwert von 240 Pence beziehungsweise einem Pfund Sterling.[2.7]
Das eigens angefertigte Papier stammte von Wise & Co. Aufgrund der geringen Größe konnte nicht jede Marke ein vollständiges eigenes Wasserzeichen erhalten. Stattdessen erstreckte sich das ausgeschriebene Wort „halfpenny“ in Schreibschrift jeweils über drei nebeneinanderliegende Marken. Im vollständigen Bogen wurde dieses Wasserzeichen 160-mal wiederholt. Die Bogenränder trugen zusätzlich die Wasserzeicheninschrift „POSTAGE STAMPS“.[2.8]
Die Bögen wurden im Somerset House mit der Zähnung 14 versehen. Insgesamt wurden 3.333.909 Bogen mit 1.600.276.320 Marken ausgegeben. Weitere 493.591 Bogen beziehungsweise 236.923.680 Marken wurden zwar hergestellt, jedoch als Druckausschuss amtlich vernichtet. Die gesamte Druckmenge belief sich damit auf 3.827.500 Bogen mit 1.837.200.000 Marken.[3]
Druckplatten und Varianten

Die Nummer der verwendeten Druckplatte wurde beidseits des Porträts klein in das guillochierte Ornament zwischen dem Medaillon und der Wertangabe eingraviert. Für den regulären Druck kamen 15 Platten mit den Nummern 1, 3 bis 6, 8 bis 15 sowie 19 und 20 zum Einsatz. Die Platten 2, 7, 16, 17 und 18 wurden nicht zum Druck verwendet.[2.9][4.1]
Der Viererblock der Platte 8 und der in der Infobox abgebildete Viererblock der Platte 13 besitzen dieselbe Grundzeichnung. Unterscheiden lassen sie sich durch die kleinen, in die seitlichen Ornamente eingravierten Plattennummern. Die unterschiedlichen Eckbuchstaben sind dagegen keine Merkmale der jeweiligen Druckplatte, sondern kennzeichnen lediglich die Positionen der Marken innerhalb des 480er-Druckbogens. Der Block der Platte 8 stammt aus den Positionen AM, BM, AN und BN, derjenige der Platte 13 aus den Positionen PG, QG, PH und QH.
Eine Besonderheit bildet die Platte 9. Sie wurde im Dezember 1870 fertiggestellt und zunächst als Reserveplatte im Somerset House verwahrt. Erst im Oktober 1871 wurde sie kurzzeitig für den Druck verwendet und anschließend wieder in die Reserve zurückgegeben. Marken mit der Plattennummer 9 sind deshalb wesentlich seltener als Exemplare der meisten übrigen Platten.[2.10]
Zu den bekannten Varianten gehören unterschiedliche Farbtöne sowie abweichende Stellungen des über drei Marken reichenden Wasserzeichens. Dieses kann kopfstehend, seitenverkehrt oder zugleich kopfstehend und seitenverkehrt erscheinen. Bei stark verschobenem Papier kann auf einer einzelnen Marke scheinbar kein Wasserzeichen vorhanden sein. Ungezähnte oder teilweise ungezähnte Stücke sind von den Platten 1, 4, 5, 6, 8 und 14 bekannt.[2.11]
Ablösung und Bedeutung
Der Druckvertrag zwischen der britischen Postverwaltung und Perkins Bacon endete 1880. Am 14. Oktober desselben Jahres erschien eine von De La Rue im Buchdruck hergestellte grüne Halb-Penny-Marke. Sie war größer als die Halfpenny Rose Red und zeigte das Profil Königin Victorias zwischen den gebogenen Inschriften „POSTAGE“ und „HALFPENNY“. Die grüne Nachfolgerin wurde in Bögen zu 240 Marken gedruckt und ebenfalls mit der Zähnung 14 versehen.[4.2]
Mit der neuen Ausgabe endete die Herstellung der kleinen rosaroten Linienstichmarke. Die Halfpenny Rose Red nimmt als erste britische Briefmarke zu einem halben Penny und als kleinste regulär ausgegebene britische Briefmarke eine besondere Stellung in der britischen Postgeschichte ein. Zu den philatelistisch unterschiedenen Merkmalen gehören die 15 verwendeten Druckplatten, Farbnuancen, Wasserzeichenstellungen, Eck- und Randstücke, größere Einheiten sowie Zähnungsabweichungen und postalische Verwendungen.
Literatur
- Edward Denny Bacon: The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co. A History of Their Production During the Forty Years 1840–1880. Band 1. Chas. Nissen & Co., London 1920, S. 191–202 und 235 (Volltext im Internet Archive).
- Rikki C. Hyde: Great Britain – Numbers Issued 1840 to 1910. 3. Auflage. Stanley Gibbons, Ringwood 2008 (Volltext als PDF).
- Fred J. Melville: The Postage Stamps of Great Britain. The Junior Philatelic Society, London 1904 (Volltext als PDF).
Weblinks
- Registrierungsbögen der Halb-Penny-Druckplatten bei der Great Britain Philatelic Society
- James Watson: Britain’s Smallest Stamp and the First 1½d, 1870 (PDF)
