Halikan
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Halikan[1] (lateinisch Halicanum, Halycanum, Alicanum)[2] war ein Altrömisches Municipium im heutigen Kroatien. Es liegt in der Gemeinde Sveti Martin na Muri[3] (Gespanschaft Međimurje). Das im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründete Municipium umfasste eine Fläche von etwa 3 Quadratkilometern und hatte einen quadratischen Grundriss.[4] Eine alte römische Straße führte daran vorbei, die von Aquileia über die Städte Aemona und Poetovio – dem heutigen Ljubljana und Ptuj in Slowenien – nach Osten und Norden verlief und sich in der Nähe von Halican gabelte: nach, Carnuntum, eine Siedlung östlich des heutigen Wien in Österreich, und nach Aquincum, das heutige Budapest.[5] Die Stätte wird seit 1977 archäologisch intensiver erforscht, die Arbeiten wurden jedoch später unterbrochen, und zum Schutz und zur Restaurierung des Kulturguts wurde die Stätte geschlossen.


Geschichte
Halikan war eine bedeutende antike römische Siedlung, die zur Zeit Kaiser Hadrians (Regierungszeit 117–138 n. Chr.) mit ziemlicher Sicherheit den Status eines Municipiums besaß.[6] Dies belegen zwei gut erhaltene römische Denare (Silbermünzen) mit seinem Bildnis. Der Wert dieser Münzen lag hinter dem des Aureus (Goldmünze), aber über dem des Sesterz und des As.
Die Siedlung entstand im 1. Jahrhundert n. Chr., möglicherweise auch etwas früher, während der frühen Eroberungen Kaiser Oktavians (Regierungszeit 27 v. Chr. – 14 n. Chr.). Sie erlangte Stadtrecht höchstwahrscheinlich im Zuge der Urbanisierung von Teilen der Provinz Pannonien unter Kaiser Vespasian (Regierungszeit 69–79 n. Chr.). Das weitere Gebiet war bereits zuvor von Angehörigen der pannonischen Stämme besiedelt. Über die Mur gab es einen geeigneten Übergang; die Römer bemerkten dies und errichteten eine Festung, um den Flussübergang zu überwachen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Siedlung so stark, dass sie zu einer Art Handelszentrum der Umgebung wurde.[7]
Der Ort selbst hatte eine regelmäßige quadratische Form (sogenannte „urbs quadrata“), d. h. verfügte über ein rechtwinkliges Straßennetz. Archäologische Forschungen haben gezeigt, dass Halikan aus Stadtvierteln (Insulae) und einem Forum, dem Hauptplatz, bestand.
Das Municipium erlebte seine Blütezeit bis Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. und verbreitete die antike römische Kultur und Lebensweise in der Umgebung. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches und der anschließenden Ansiedlung von Slawen verlor Halikan an Bedeutung und wurde schließlich von Erde bedeckt.
Archäologische Funde
Die archäologischen Untersuchungen von Halikan wurden 1977 von Archäologen des Kreismuseums Međimurje aus Čakovec systematisch begonnen. Dabei wurden sofort antike Baumaterialien (Ziegel, Dachziegel, Steinsäulenfundamente, Mauerreste, Putzreste usw.) gefunden, die auf eine römische Siedlung hindeuten. Zu den ersten Funden zählten ein Keramikofen und die Tröge. Der Altar des römischen Konsuls Titus Cesernius Marcilinus, der dem obersten Gott Jupiter geweiht war, zählt zu den wichtigsten Entdeckungen auf dem Gebiet des Municipiums. Dies deutet darauf hin, dass Halikan ein bedeutendes Handelszentrum war.
Bei weiteren Ausgrabungen wurden einige andere Funde entdeckt, z. B. Nekropolen und Grabhügel entlang der alten Straße nach Halikan, zahlreiche Tonartefakte (Teller, Töpfe, Schalen, Öllampen usw.) sowie mehrere Töpferöfen für Gebrauchsgegenstände. Artefakte der feinen, luxuriösen, rötlichen Keramik namens Terra Sigillata[8] (lateinisch für „versiegelte Erde“) wurden nicht in Halikan hergestellt, sondern aus weiter entfernten Gebieten des Römischen Reiches (z. B. der Apenninenhalbinsel und der Provinz Gallien – dem heutigen Frankreich) herbeigeschafft. Sie wurde mithilfe einer speziellen Technik aus gereinigtem Ton hergestellt, der aus eisenoxidreichen Lagerstätten gewonnen wurde.
Neben anderen Fundarten wurden zahlreiche metallische Artefakte ausgegraben, darunter Pfeile aus Bronze und Eisen, Teile von Eisenmessern, Schlittenglocken aus Zinn und Bronze, Schlüssel aus Eisen und Bronze, Fibeln aus Silber und Bronze, Nadeln und Stecknadeln aus Bronze, Pinzetten aus Bronze, Nägel aus Eisen, ein Teil einer Glasflasche mit Henkel und vieles mehr.
1985 wurden die Forschungen reduziert und später vorübergehend ganz eingestellt. Erst 2002 wurden sie wieder aufgenommen,[9] und es konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass diese antike römische Siedlung eine besonders ausgeprägte Töpferkunst aufwies, einschließlich des Brennens von Tonwaren. Zwischen 2015 und 2018 wurden die Forschungen intensiviert,[10] da die Archäologen versuchten, die Abmessungen der antiken Stadt zu bestimmen. Die Fundstelle wurde dann geschlossen.