Bahnstrecke Buchloe–Memmingen
elektrifizierte, eingleisige Bahnstrecke in Bayern
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Die Bahnstrecke Buchloe–Memmingen ist eine eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Bayern. Sie führt von Buchloe über Mindelheim nach Memmingen und war Teil der Ausbaustrecke München–Lindau.
Geschichte
Planung, Bau und Inbetriebnahme
Die gesetzliche Grundlage für den Bau der Bahnstrecke Buchloe–Memmingen wurde am 29. April 1869 geschaffen, als Teil einer Verbindung von München zur Staatsgrenze bei Memmingen.[3] Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen die Strecke am 1. Mai 1874 in Betrieb.[4][5]
Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik in den 1970er Jahren
Die Strecke gehörte zu den letzten Hauptbahnstrecken in Südbayern, die mit Streckenblock zur Sicherung von Zugfahrten auf freier Strecke ausgestattet wurden.[6] Dies erfolgte erst nach dem Eisenbahnunfall von Warngau am 8. Juni 1975, der durch einen Streckenblock wohl hätte verhindert werden können, als der Einbau durch die Deutsche Bundesbahn aufgrund öffentlichen Drucks forciert wurde.[6] Die Inbetriebnahme des Streckenblocks in den Stellwerken entlang der Bahnstrecke erfolgte dann im Laufe des Jahres 1977.[7]
Ausbaustrecke München–Lindau
Im November 2017 wurden die Bahnhöfe Stetten (Schwaben) und Sontheim (Schwaben) sowie der Betriebsbahnhof Ungerhausen an das elektronische Stellwerk (ESTW) Memmingen angeschlossen.[8]
Bis Herbst 2018 wurden die Bahnhöfe Türkheim, Stetten und Sontheim barrierefrei ausgebaut.[9][10][11] Begleitend erfolgte im ersten Halbjahr 2018 der Abbruch der historischen fast 145 Jahre alten Mauerwerksgewölbebrücke über den Auerbach und die Staatsstraße 2013 bei Stetten mit Ersatz durch eine Stahlbetonbrücke.[12][13][14][15]
Im Rahmen des Projekts Ausbaustrecke München–Lindau wurde die Strecke bis Ende 2020 elektrifiziert. Dadurch verkürzte sich die Fahrzeit von Memmingen in die Landeshauptstadt München um circa 30 Minuten. Dazu fand am 23. März 2018 in Memmingen der symbolische Spatenstich statt – mit gleichzeitiger Aufnahme der Bauarbeiten und sechsmonatiger Streckensperrung bis einschließlich 14. November 2018.[16][17]
Streckenbeschreibung
Verlauf

An ihrem Ausgangspunkt Buchloe verlässt die Strecke zunächst die weite Niederung der Gennach westwärts geradlinig Richtung Wertachtal. Vom Türkheimer Bahnhof zweigen in südlicher Richtung eine Stichbahn nach Bad Wörishofen und in nördlicher Richtung die Bahnstrecke Gessertshausen–Türkheim ab. Nunmehr wird über einen tiefen Einschnitt ein Höhenrücken überwunden und ins Tal der Mindel eingefahren: In Mindelheim zweigt dann die Bahnstrecke Günzburg–Mindelheim ab. Geländerücken zur und zwischen Östlicher und Westlicher Günz sind neuerlich zu überwinden. Östlich von Ungerhausen zweigte eine Strecke nach Ottobeuren ab, die mittlerweile zum Radweg umgebaut wurde. Vom Bahnhof Ungerhausen führte von ca. 1935 bis ca. 1975 ein Anschlussgleis zum Fliegerhorst Memmingerberg. Memmingen in der breiten Illerniederung bietet schließlich Anschluss an die Strecken Leutkirch–Memmingen sowie Kempten (Allgäu)–Neu-Ulm.
Betriebsstellen
Die beim Bau der Bahnstrecke von Pasing nach Memmingen neu errichteten Betriebsstellen wurden zentral geplant und ausgestattet.[18] Insbesondere wurden für die Errichtung der Empfangsgebäude Normpläne verwendet, für die der Architekt Georg Friedrich Seidel verantwortlich war.[18] Daher entsprachen die ursprünglichen Empfangsgebäude an dieser Strecke einem von drei Grundtypen:[18]
- Die „Haltstelle“ Stetten bekam das gleiche kleine, zweigeschossige Empfangsgebäude wie Schwabhausen und Igling.[18]
- Die „Stationen“ Türkheim, Sontheim und Ungerhausen bekamen das gleiche mittelgroße, zweigeschossige Empfangsgebäude wie Grafrath.[18]
- Die „Station“ Mindelheim bekam das gleiche große, dreigeschossige Empfangsgebäude wie Fürstenfeldbruck.[18]
Ursprünglich hatten die Empfangsgebäude entlang der Strecke ein dementsprechend einheitliches Erscheinungsbild, dominiert von unverputztem Sichtmauerwerk, sowie Fenstereinfassungen und Gesimsbändern aus hellem Stein.[18] Durch erzwungene Perspektive – die Fenster werden in den oberen Stockwerken kleiner – wirken die Gebäude höher.[18]
Die Empfangsgebäude waren ursprünglich eingebettet in kleine Parkanlagen.[19][20][21][22] Dort fanden sich auch achteckige, einstöckige Nebengebäude aus Holz, die als Magazin oder für Abortanlagen genutzt wurden.[19][20][21][22]
Auch die Gleisanlagen der kleineren Zwischenbahnhöfe waren ursprünglich gleichartig aufgebaut:[19][20][21][22] Neben dem durchgehenden Streckengleis wurde ein Ausweichgleis errichtet.[19][20][21][22] Dort lag das Empfangsgebäude mit dem Hausbahnsteig.[19][20][21][22] Im Zwischenraum zum Streckengleis lag ein Zwischenbahnsteig.[19][20][21][22] Aus dem Ausweichgleis führte eine weitere, stets aus Richtung Buchloe zu befahrende Weiche zu einer Güterhalle neben dem Empfangsgebäude.[19][20][21][22] Von dort konnte über eine vierte Weiche ins Ladegleis zurückgesetzt werden, wo sich Laderampe und Gleiswaage befanden.[19][20][21][22] Diese vierte Weiche diente gleichzeitig auch dem Flankenschutz. Alle Weichen waren anfangs ortsgestellt, so dass an den beiden Weichen ins Ausweichgleis Postengebäude für die Weichenwärter vorgesehen wurden, die gleichzeitig die Grenzen des Bahnhofes markierten.[19][20][21][22]
Durch individuelle Anpassungen, Umbauten und Renovierungen verschwamm dieses einheitliche Erscheinungsbild über die Jahre.
Buchloe
Der Bahnhof Buchloe (Lage) befindet sich im Stadtgebiet der Gemeinde Buchloe, etwa 700 m südwestlich der Altstadt.
Wiedergeltingen
Der Bahnhof Wiedergeltingen (Lage) befand sich südlich der Gemeinde Wiedergeltingen, etwa 400 m außerhalb der geschlossenen Bebauung am Bahnübergang der Bahnhofstraße.
Bei der Planung der Bahnstrecke war zunächst noch keine Station in Wiedergeltingen vorgesehen.[23] Kurzfristig fiel dann aber doch die Entscheidung für die Einrichtung der „Haltstelle Wiedergeltingen“, und schon in frühesten Fahrplänen vom Juni 1874 ist der Ort aufgeführt.[24] Anders als bei den anderen „Haltstellen“ wurde allerdings nicht das kleine Norm-Empfangsgebäude erbaut, sondern es wurde ein Streckenwärterhaus als Empfangsgebäude adaptiert, indem im Erdgeschoss ein Raum als Wartesaal genutzt wurde.[25] Neben den Bauten der Bahn entstand auch eine Bahnhofsrestauration mit Ökonomie.[26]
Über die Jahre wurden die Anlagen erweitert. So ist durch eine Fotografie aus dem Jahr 1938 ein eingeschossiger Anbau mit Satteldach an das Postengebäude belegt.[27] Dieser Anbau war in westlicher Richtung an den bestehenden Bau angefügt worden und stand traufseitig zur Bahn.[27] Bemerkenswert ist eine verglaste Veranda, über die der Bahnsteig betreten werden konnte.[27] Außerdem ist im Hintergrund eine kleine Güterhalle zu erkennen.[27]
Kurz darauf wurde das bestehende Empfangsgebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das neue Gebäude ist erstmalig auf einer amtlichen Fotografie vom 13. November 1940 nachgewiesen.[28] Es handelt sich um einen dreigeschossigen Bau mit Satteldach, dessen hervorstechendstes Merkmal ein kurzer Bogengang am südöstlichen Eck ist.[28] Dieser diente im Sinne einer Bahnsteigsperre für den Durchgang zum Bahnsteig, der ansonsten von einem Zaun eingefriedet war.[28]
Eisenbahntechnisch blieb die Betriebsstelle stets äußerst klein. In einem Plan von 1879 sind neben dem Streckengleis keinerlei weitere Anlagen verzeichnet.[25] Später existierte ein kurzes Ladegleis, über das die Güterhalle erreicht werden konnte.[27] Im Jahr 1976 war dieses Ladegleis lediglich einseitig aus Richtung Memmingen angebunden und verfügte über ein kurzes Stumpfgleis zum Flankenschutz.[29] Beide Weichen waren ortsbedient.[29] Die Güterhalle existierte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr.[29] Stattdessen bestand dort eine Ladestraße,[30] die insbesondere für den Empfang von Kohle und Dünger genutzt wurde.[26]
Wie in Unterrammingen existierte in Wiedergeltingen nie ein Ausweichgleis, so dass sich Züge dort nicht überholen oder kreuzen konnten. Trotzdem wurde Wiedergeltingen zum Bahnhof, und es ging im Jahr 1904 ein mechanisches Stellwerk in Betrieb.[31] Tatsächlich erfüllte der Bahnhof eher eine Funktion als Blockstelle.[31] Mit Inbetriebnahme des Drucktastenstellwerks am Bahnhof Buchloe am 7. Dezember 1975 wurde das Stellwerk in Wiedergeltingen überflüssig.[27][31] Die Betriebsstelle wurde anschließend zu einem unbesetzten Haltepunkt mit Ausweichanschlussstelle.[29][27] Seit dem 1. Juni 1985 wurde Wiedergeltingen nicht mehr durch Reisezüge bedient, zeitgleich mit Unterrammingen.[26][27] Gleichzeitig wurde der Wagenladungstarifpunkt aufgehoben und das Ladegleis stillgelegt.[26][27]
Nach Schließung der Betriebsstelle ging das Empfangsgebäude in private Hände über und besteht nach diversen Um- und Anbauten bis heute. Auch die ehemalige Bahnhofsrestauration in der Nachbarschaft existiert noch, wird aber schon seit 1959 nicht mehr als Gaststätte betrieben.[26] Zwischenzeitlich wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.[26] Als einzige eisenbahntechnische Einrichtung existiert lediglich noch der mit Schranken gesicherte Bahnübergang.
Türkheim (Bay) Bahnhof
Türkheim (Bay) Bahnhof (Lage) liegt etwa 1,5 km südwestlich der Gemeinde Türkheim in einem eigenen Ortsteil.
Rammingen (Bay)
Der Haltepunkt Rammingen (Bay) (Lage) liegt im Süden der Gemeinde Rammingen, etwas außerhalb der geschlossenen Bebauung von Oberrammingen und auf der ortsabgewandten Gleisseite. Die Betriebsstelle wurde im Dezember 2003 eröffnet.[32] Neben der Ortschaft erschließt sie vor allem auch den Skyline Park.[33]
Die Betriebsstelle verfügt über einen 120 m langen Bahnsteig mit einem Unterstand für die Reisenden. Stand 2025 war die Verlängerung des Bahnsteigs in westlicher Richtung auf 155 m in Vorbereitung, um den Haltepunkt auch mit Doppeltraktionen einfach bedienen zu können.[34]
Unterrammingen
Der Bahnhof Unterrammingen (Lage) befand sich etwa 1,2 Kilometer westlich außerhalb der ehemals eigenständigen Gemeinde Unterrammingen, die im Verlauf der Gemeindegebietsreform zum 1. Januar 1974 Teil der heutigen Gemeinde Rammingen wurde.[35]
Die Betriebsstelle wurde erst 23 Jahre nach Bau der Bahnstrecke eingerichtet und zum ersten Mal am 24. Februar 1897 bedient.[36][35] Zunächst wurde als Betriebsgebäude nur eine Wellblechhütte in der Nähe des bereits bestehenden Streckenwärterpostens 5 errichtet, welche Platz für einen Dienst- und einen Warteraum bot.[35][28]
Erst im Jahr 1922 wurde ein größeres, zweistöckiges Empfangsgebäude mit Walmdach erbaut.[35][28] Die bahnseitige Fassade hatte als wesentliches Gestaltungselement einen kleinen Arkadengang mit drei Bögen,[35] die straßenseitige Fassade war geprägt von einem Mittelrisalit.[37] Am westlichen Eck wurde ein kleiner eingeschossiger Stellwerksvorbau errichtet.[35] Im Obergeschoss befanden sich nun auch zwei Dienstwohnungen, so dass das Personal nicht mehr aus privaten Unterkünften im Ort zum Arbeitsplatz pendeln musste.[35]
Östlich neben dem Empfangsgebäude existierte ein Nebengebäude mit Abortanlagen und Stückgutaufbewahrung.[35] Westlich, jenseits des Bahnübergangs der heutigen Straße „Am Bahnhof“, standen eine bahneigene Güterhalle und ein Lagerhaus der Baywa.[35] Im Umfeld der Anlage entstanden außerdem einige wenige private Häuser, insbesondere eine Bahnhofsrestauration.
Der Bahnhof Unterrammingen verfügte stets nur über minimale Gleisanlagen, ähnlich wie Wiedergeltingen. Insbesondere existierte kein Ausweichgleis, sodass weder Zugkreuzungen noch Überholungen stattfinden konnten.[38][39] Außer dem Streckengleis war nur ein kurzes, einseitig angebundenes Ladegleis im Westen des Empfangsgebäudes vorhanden, welches über eine ortsbediente Weiche aus Richtung Buchloe befahren werden konnte, und an dem die beiden Lagerhäuser standen.[38][39] Im Ladegleis befand sich noch eine weitere ortsbediente Weiche in ein Stumpfgleis, welches gleichzeitig zum Flankenschutz diente.[38][39] Der Bahnhof verfügte über Einfahr- und Ausfahrsignale, erfüllte mangels eines Ausweichgleises betrieblich jedoch eher die Funktion einer Doppelblockstelle.[39]
Im Zuge der Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik der Strecke wurde das Stellwerk Unterrammingen am 1. August 1977 außer Betrieb genommen und der Stellwerksanbau abgerissen.[39] Der Bahnhof wurde in einen unbesetzten Haltepunkt mit Ausweichanschlussstelle umgewandelt.[38] Züge in Richtung Buchloe hielten weiterhin am Bahnsteig vor dem Empfangsgebäude, für Züge in Richtung Memmingen wurde jenseits des Bahnüberganges, gegenüber dem Ladegleis, ein weiterer Bahnsteig mit Unterstand errichtet.[38][40]
Durch diese Änderungen wurde das Empfangsgebäude entbehrlich. Das in schlechtem Zustand befindliche Gebäude wurde daher im September 1981 abgerissen.[35][28] Das Nebengebäude existierte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr.[37] Mit dem Beginn des Sommerfahrplanes ließ die Bundesbahn aufgrund stark nachgelassener Nutzung schließlich die Haltestelle zum 1. Juni 1985 auf, gemeinsam mit der Haltestelle in Wiedergeltingen.[35][28]
Heute existiert am früheren Bahnhof Unterrammingen nur noch das ehemalige Baywa-Lagerhaus und der frühere Posten 5, welcher nun als privates Wohnhaus dient und dafür erweitert wurde. Der durch Blinklichter gesicherte Bahnübergang im ehemaligen Bahnhofsbereich bestand noch bis etwa 2018 und wurde dann durch eine weiter östlich gelegene Unterführung ersetzt.[41] Die Bahnhofsrestauration besteht ebenfalls noch.
- Blick vom Bahnübergang Richtung Mindelheim: Vor dem früheren Baywa-Lagerhaus befand sich früher das Ladegleis, rechts vorne war die bahneigene Güterhalle (2015)
- Blick vom Bahnübergang Richtung Buchloe: Auf der freien Fläche links stand bis 1981 das Betriebsgebäude, im Hintergrund ist Posten 5 (2015)
- Bahnhofsrestauration (2015)
Mindelheim
Der Bahnhof Mindelheim (Lage) liegt im Stadtgebiet von Mindelheim, etwa 800 m östlich der Altstadt.
Stetten (Schwab)
Der Bahnhof Stetten (Schwab) (Lage) liegt nordwestlich außerhalb der Gemeinde Stetten, etwa 600 m entfernt vom Ortskern.
Sontheim (Schwab)
Der Bahnhof Sontheim (Schwab) (Lage) liegt im Nordwesten der Gemeinde Sontheim.
Ungerhausen
Der Bahnhof Ungerhausen (Lage) liegt im Norden außerhalb der Gemeinde Ungerhausen, etwa 1 km vom Ortskern entfernt.
Die Station wurde 1874 beim Bau der Bahnstrecke eingerichtet. Durch die Eröffnung der Nebenbahn nach Ottobeuren wurde Ungerhausen ab 1900 zum Umsteigebahnhof und erhielt im Zuge der dafür notwendigen Erweiterungen seine erste Stellwerksanlage. Während der Errichtung des Fliegerhorsts Memmingerberg ab 1935 wurde die Bahnhofsanlage ein weiteres Mal ergänzt, da das neue Flugfeld durch eine Anschlussbahn für den Transport von Treibstoff und Munition erschlossen wurde. Eine Erweiterung des Stellwerks wurde zwar begonnen, kriegsbedingt aber nicht mehr abgeschlossen.
Kurz nach Ende des Personenverkehrs auf der Ottobeurer Nebenbahn im Herbst 1972 verlor Ungerhausen auch die Halte der Hauptbahnzüge und wurde so zu einem reinen Betriebsbahnhof. Dennoch wurden über Ungerhausen nach wie vor die Kerosin-Lieferungen für den Fliegerhorst abgewickelt. Dabei wurde jedoch nur noch eine Pumpstation im Bahnhofsbereich bedient, von der aus der Kraftstoff über eine Pipeline den Flughafen erreichte. Ab 1977 ersetzten ein Drucktastenstellwerk der Bauform Dr S2 mit Lichtsignalen das mechanische Stellwerk.[42]
Mit Ende des Güterverkehrs nach Ottobeuren 1996 und Ende des militärischen Flugbetriebs in Memmingerberg 2002 wurden die meisten Bahnanlagen entbehrlich. Heute verfügt der Betriebsbahnhof Ungerhausen nur noch über ein einziges Ausweichgleis und wird seit November 2017 vom elektronischen Stellwerk (ESTW) am Bahnhof Memmingen aus ferngesteuert. Das ehemalige Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz.
- Empfangsgebäude mit offen zugänglichen Stellwerkshebeln unter dem Vordach (1900)
- Verlassenes Empfangsgebäude und das 1977 eingerichtete Drucktastenstellwerk (2009)
- Durchfahrender Personenzug nach Elektrifizierung der Bahnstrecke (2024)
Schwaighausen
Der Haltepunkt Schwaighausen (Lage) befand sich im Süden von Schwaighausen, heute ein Ortsteil von Holzgünz, am Ende des Bahnwegs.
Obwohl die Bahnstrecke 1874 relativ nahe am Ort vorbei geführt wurde, erhielt Schwaighausen zunächst keinen Bahnhalt.[43] Auf Gemeindeflur wurden lediglich zwei beschrankte Bahnübergänge eingerichtet, nämlich für die Ortsverbindungsstraße nach Trunkelsberg einerseits und andererseits für einen Wirtschaftsweg zur Erschließung der Felder, die nun jenseits der Bahnstrecke lagen.[43] Am ortsnäheren Übergang des Feldweges entstand das Postengebäude 14 für den Schrankenwärter.[43][28]
Erst im Zusammenhang mit der Bahnstrecke Ungerhausen–Ottobeuren ergab sich die Chance auf eine Haltestelle.[43][44] Während der Diskussion um die Trassierung dieser Nebenbahn hatte sich nämlich die Stadt Memmingen eingemischt und die letztendlich realisierte Streckenführung durch das Günztal erst dann unterstützt, als eine Durchbindung der Ottobeurer Züge über Ungerhausen hinaus bis Memmingen zugesagt wurde.[44][45]
Nachdem die Nebenbahnzüge auf der Relation Memmingen–Ottobeuren ab Oktober 1900 tatsächlich mehrfach täglich auch auf der Hauptbahn verkehrten,[44] begannen in Schwaighausen Überlegungen zur Einrichtung eines Haltepunktes.[43] Die Eisenbahnbetriebsdirektion Kempten legte der Gemeinde im Jahr 1905 die Bedingungen vor, und am 28. Januar 1906 wurde ein entsprechender Vertrag geschlossen.[43] Wie für bayerische Nebenbahnen typisch,[46] musste die Gemeinde für den Kauf des Grundstücks aufkommen, auf eigene Kosten eine „Unterstandsbude“ für wartende Reisende errichten und den Bahnsteig einzäunen.[43] Außerdem war die Gemeinde dauerhaft für die Unterhaltung der Anlage, den Zugang und die Beleuchtung zuständig.[43]
Diesen Bedingungen Folge leistend wurde der Haltepunkt neben dem bestehenden Schrankenwärterposten eingerichtet und am 1. Mai 1906 eröffnet.[43] Die durchgebundenen Nebenbahnzüge zwischen Ottobeuren und Memmingen bedienten den Halt nach Bedarf, während Züge von und nach Buchloe gewöhnlich durchfuhren.[44] Die Betriebsstelle war einfach ausgestattet und verfügte über einen Schüttbahnsteig und einen Holzzaun als Sperre.[28] Die geforderte Wartehalle, eine Holzhütte mit drei Fensteröffnungen und Blechdach, wurde durch einen Zimmermann errichtet.[43] Neben Posten 14 wurde außerdem eine Wellblechhütte nach Normplänen aufgestellt, wobei deren Zweck nicht eindeutig überliefert ist.[43]
Diese Situation ist noch auf einer Fotografie vom 8. Juli 1938 dokumentiert.[28] Kurz darauf wurde der Haltepunkt renoviert und erhielt ein neues Empfangsgebäude mit Fahrkartenausgabe und Wartesaal.[43] Dieses ist erstmals auf einer amtlichen Fotografie von 1940 zu sehen.[28] Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit Satteldach, welches giebelseitig zur Bahn steht.[28] Rückwärtig schließt sich ein kleiner eingeschossiger Anbau an. Zeitgleich wurde der Bahnsteig erneuert und verlängert.[28]
Im Jahr 1961 wurde die Unterführung der Frauentalstraße fertiggestellt.[43] Diese liegt etwa 220 m weiter östlich und diente fortan der Zufahrt zu den landwirtschaftlichen Flächen.[43] Entsprechend wurde der Feldwegübergang direkt im Bereich des Haltepunkts überflüssig und daher geschlossen.[43] Am 29. September 1963 wurde dann auch der Übergang der Ortsverbindungsstraße nach Trunkelsberg durch eine Straßenüberführung ersetzt, so dass kein Schrankenwärter mehr notwendig war.[43] Zu dieser Zeit, spätestens jedoch 1965, wurde die Fahrkartenausgabe in Schwaighausen geschlossen.[43]
Nach dem Ende des Personenverkehrs auf der Ottobeurer Strecke Ende September 1972[44] wurde Schwaighausen vorläufig noch weiter bedient, wenn auch nur mit minimalem Angebot. So findet sich im Sommerfahrplan 1973 nur noch werktags ein einziger Bedarfshalt Richtung Memmingen um 07:14 Uhr morgens und abends ein einziger Bedarfshalt in Richtung Buchloe um 16:43 Uhr als entsprechende Rückfahrt.[47] Zuvor hatten, etwa in Fahrplänen aus den 1950ern, bis zu sieben Züge pro Richtung und Tag Schwaighausen bedient – allerdings nur bei Bedarf.[48][49]
Mit Beginn des Sommerfahrplanes am 1. Juni 1975 entfielen auch die letzten Halte in Schwaighausen.[43] Auf einem Streckenplan von 1980 ist der Haltepunkt noch als Betriebsstelle eingezeichnet,[50] doch wurde im gleichen Jahr das Betriebsgebäude an Privat verkauft.[51]
Das ehemalige Empfangsgebäude dient heute als Wohnhaus.[51] Weitere Spuren des früheren Haltepunktes finden sich nicht mehr.
Eisenburg
Der Haltepunkt Eisenburg (Lage) befand sich auf Memminger Flur zwischen den Ortschaften Trunkelsberg und Eisenburg in einem Geländeeinschnitt, direkt westlich der Straßenbrücke mittels derer die Ortsverbindungsstraße die darunter liegende Bahnstrecke überquert.[28][52] Der historische Kern von Eisenburg befindet sich etwa 1 km im Nordwesten, der von Trunkelsberg etwa 850 m im Südwesten.
Die Einrichtung der Betriebsstelle steht im Zusammenhang mit der Forsterwarte,[53] einem Aussichtsturm, der am 8. Oktober 1907 durch den Memminger Verschönerungsverein oberhalb Eisenburgs eröffnet wurde.[54][55] In Erwartung entsprechenden Ausflugsverkehrs ersuchten die Gemeinden Eisenburg und Trunkelsberg, unterstützt vom Verschönerungsverein und dessen Vorstand Eduard Flach, bereits 1907 um die Einrichtung eines Haltepunktes.[53] Dies scheiterte zunächst, doch im Folgejahr wurde am 2. März 1908 dem Gesuch durch den Verkehrsminister Heinrich von Frauendorfer stattgegeben.[53] Der Halt sollte, wie kurz zuvor in Schwaighausen, der Bahnstrecke Ungerhausen–Ottobeuren zugerechnet werden.[44]
Der Haltepunkt wurde unterhalb eines bereits älteren Wärterhauses errichtet[28] und am 1. Mai 1908 mit Beginn des Sommerfahrplans ohne größere Feierlichkeiten in Betrieb genommen.[53] Gewöhnlich bedienten nur die Lokalbahnzüge der Verbindung Memmingen–Ottobeuren Eisenburg nach Bedarf, Hauptbahnzüge von und nach Buchloe fuhren normalerweise durch.[44] Neben den Gemeinden beteiligten sich auch der Memminger Stadtmagistrat und die Herren von Schloss Eisenburg sowie von Schloss Trunkelsberg an den Kosten.[53]
Auf Fotos aus den Jahren 1930 und 1941 ist die Ausstattung der Betriebsstelle dokumentiert:[28][52] Der Schüttbahnsteig wurde durch einen Abgang an der nördlichen Flanke des Einschnittes erreicht.[28] Unten befand sich eine Wartehütte aus Holz und an der Sperre eine Wellblechhütte.[28][52] Zur Bahn hin stand ein Holzzaun.[28][52]
Recht früh, bereits im Sommer 1924, fehlte der Haltepunkt vorübergehend im Fahrplan.[56] Im Sommer 1925 erschien er dort dann wieder.[57] Es ist jedoch nicht eindeutig belegt, ob der Haltepunkt tatsächlich vorübergehend stillgelegt war.
Die endgültige Stilllegung des Haltepunktes ist ebenfalls nicht genau dokumentiert. Im Sommerfahrplan 1967 war Eisenburg noch regulär aufgeführt.[58] Mit dem Sommerfahrplan 1970, also zwei Jahre vor dem Ende des Personenverkehrs auf der Lokalbahn nach Ottobeuren Ende September 1972,[44] entfielen alle planmäßigen Halte.[59] Dennoch war Eisenburg noch bis einschließlich Winter 1971/72 ohne Halte im Kursbuch verzeichnet.[59] Im Streckenplan von 1980 erscheint Eisenburg nicht mehr.[50]
Heute existiert noch das Wärterhaus oberhalb des Einschnittes. Es befindet sich in privater Hand und wurde etwas umgebaut. Vom Haltepunkt selbst sind im Einschnitt der Bahn fast keine Spuren mehr erhalten, abgesehen von unscheinbaren Betonfragmenten im Boden.
Memmingen
Der Bahnhof Memmingen (Lage) liegt im Osten der Altstadt von Memmingen.
Personenverkehr
Im Personenfernverkehr verkehren auf der Strecke täglich sechs Zugpaare der EuroCity-Express-Linie München–Zürich, die in Buchloe und Memmingen halten. Von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) werden diese in Kooperation mit der Deutschen Bahn und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit Elektrotriebzügen der Baureihe ETR 610 betrieben.[60]
Auf der Strecke verkehren drei Regional-Express-Linien jeweils im Zweistundentakt. Die Linien RE 72 (München–Memmingen) und RE 96 (München–Lindau-Reutin) werden von Arverio Bayern betrieben, die Elektrotriebzüge vom Typ Stadler Flirt 3 einsetzt. DB Regio betreibt die Linie RE 71/73 (Augsburg–Türkheim–Memmingen/Bad Wörishofen) mit Dieseltriebwagen der Baureihen 642 (regulär bis 12/21) und 612. In Türkheim (Bay) Bahnhof werden diese geflügelt und ein Triebwagen fährt nach Bad Wörishofen.
Literatur
- Reinhold Breubeck: Die Eisenbahn in Mittelschwaben zwischen Iller und Wertach. Druck und Verlag Hans Obermayer GmbH, Buchloe 1999, ISBN 3-927781-18-5.
- Thorsten Marr, Antje Scherner: Der Neubau des Pasinger Bahnhofs und die Bahnlinie von München nach Memmingen (1869–1875). In: Pasinger Fabrik (Hrsg.): Ein Jahrhundert wird mobil! Von Pasing nach Augsburg, Memmingen, Starnberg und Herrsching. Vier Bahnlinien und ihre Bahnhöfe von 1839 bis heute. Buchendorfer Verlag, München 1994, ISBN 3-927984-33-7, S. 41–57.
- DB Netz AG (Hrsg.): Ausbaustrecke München–Lindau–Grenze D/A. Schneller und besser für Europa. PMC Media, Leverkusen 2021, ISBN 978-3-96245-241-4.
