Hanne Safar

Aramäer und weltliches Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Midyat From Wikipedia, the free encyclopedia

Hanne Safar, auch Hanne Sefer (* 1859 in Midyat; † 19. Juli 1915 ebenda), war ein einflussreicher Aramäer und weltliches Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Midyat in der Region Tur Abdin (heute Südosttürkei).

Hanne Safar (Mitte) mit seinen Söhnen Abdelaziz und Abdelmasih.

Leben

Hanne Safar wurde in eine angesehene Familie in Midyat geboren, die zum einflussreichen Safar-Clan gehörte. Er trat die Nachfolge seines Vaters Safar Agha als prominenter Führer in der Region an. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Hanne Safar von den osmanischen Behörden als offizieller ethnischer Führer der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Midyat anerkannt. Er erhielt ein eigenes Büro im Rathaus, wurde mit der seltenen Hamidi-Medaille, einem zeremoniellen Schwert, ausgezeichnet und genoss informelle Anerkennung mit dem Titel Pascha.[1][2] Bei offiziellen Zeremonien vertrat er seine Gemeinde und war für die Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe zuständig.

Er arbeitete eng mit der osmanischen Regierung zusammen, auch in der Hoffnung, seine Gemeinde zu schützen. Seine wichtigste Aufgabe war es, subversive Aktivitäten innerhalb der christlichen Minderheiten in der Region zu verhindern.

Von dem Völkermord an den syrischen Christen (Sayfo) im Jahr 1915 wurde auch die Region Midyat betroffen. Während sich die aramäisch-christlichen Führer, darunter auch Safar selbst, in der Stadt zusammenschlossen und auf die Bibel schworen, gemeinsam Widerstand zu leisten, wurde er vom Kaymakam (Bezirksgouverneur) davon überzeugt, dass nur Protestanten und Katholiken in Gefahr seien. Die Syrisch-Orthodoxen würden seiner Meinung nach verschont bleiben.

Infolgedessen brach Safar die Zusammenarbeit mit den anderen religiösen Führern ab. Er soll sogar zur Verhaftung von Mitgliedern der syrisch-protestantischen Familie Hermez beigetragen haben, die kurz darauf hingerichtet wurden. Einige Wochen später stellte sich jedoch heraus, dass auch die syrisch-orthodoxen Christen das Ziel waren. Hanne Safar wurde eines der ersten Opfer des Massenmordprozesses, der am 19. Juli begann.

Safar wurde verhaftet und laut mehreren Quellen am 19. Juli 1915 öffentlich mit seinem eigenen zeremoniellen Schwert enthauptet. Sein Kopf wurde auf einen langen Stock gespießt und durch die Straßen von Midyat getragen.[3] Gleichzeitig begann die Plünderung christlicher Häuser in Midyat.

Der mündlichen Überlieferung zufolge wurde Hanne Safar von dem Regime verraten, dem er jahrelang gedient hatte. Seine Frau und seine Töchter sollen ums Leben gekommen sein, aber seine fünf Söhne sollen überlebt haben.

Literatur

  • Andrea Riccardi: La strage dei cristiani: Mardin, gli armeni e la fine di un mondo. Laterza & Figli S.p.A., 2021, ISBN 978-88-581-2029-3, S. 78 (italienisch).

Einzelnachweise

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