Hannelore Fojut

deutsche Kommunalpolitikerin und Funktionärin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) From Wikipedia, the free encyclopedia

Hannelore Fojut (* 17. Januar 1929 in Hagen/Westfalen als Hannelore Kopp[1]; † 4. Februar 2026 in Schönkirchen/Holstein)[2] war eine deutsche Kommunalpolitikerin (SPD) und Funktionärin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die an zwei Bundesversammlungen teilnahm und zahlreiche Auszeichnungen für ihr ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement erhielt.

Leben und Wirken

Familie

Hannelore Kopp[1] wurde im Januar 1929 in Westfalen geboren. Sie war die älteste von sechs Geschwistern.[3] Als sie acht Jahre alt war, starb ihre Mutter.[4] Die Geschwister wurden daraufhin getrennt, und Hannelore kam in die Obhut ihrer Großeltern in Bochum. Mit der Großmutter starb aber wenig später die nächste Bezugsperson.[3]

Im Alter von 14 Jahren beendete sie die Schule. Sie zog 1943 zu ihrem Vater nach Kiel, der wieder geheiratet und aus neuer Ehe weitere vier Kinder hatte. In der Familie leistete sie ihr Pflichtjahr ab. Anschließend besuchte sie kurz die Handelsschule, wurde aber kriegsbedingt zur Arbeit in der Rüstungsindustrie verpflichtet. Nach Kriegsende arbeitet sie zunächst auf einem Gut und später ab 1947 im Haushalt einer Familie. Laut eigener Aussage plante sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie lernte dann aber ihren zukünftigen Mann Harald Fojut, einen Zimmerpolier, kennen und heiratete ihn 1955 stattdessen.[1] Sie bekam zwei Kinder und zog 1956[5] mit ihrer Familie in ein Haus in Schönkirchen, wo sie bis ins hohe Alter wohnte, nach dem Tod ihres Mannes 2019 allein.[3]

Politik

Fojut trat 1964 der SPD bei, deren Mitglied sie über 60 Jahre war. Für die SPD saß sie von 1965 bis 1978 in der Gemeindevertretung Schönkirchen.[6] Von 1970 bis 1986 war sie bürgerliches Mitglied im Ausschuss für Sozialwesen und Kriegsopferfürsorge im Kreistag Plön. 1986 wurde sie Kreistagsabgeordnete und übernahm als solche von 1986 bis 1990 den Vorsitz dieses Ausschusses.[2] Von 1990 bis 1998 stand sie dem Kreistag Plön als Kreispräsidentin vor.[7]

1989 und 1994 nahm Fojut auf Vorschlag der SPD-Fraktion des Schleswig-Holsteinischen Landtags als Vertreterin Schleswig-Holsteins an der 9. und der 10. Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten teil.[8][9][10]

1995 wurde Fojut mit der Freiherr-vom Stein-Medaille ausgezeichnet,[2][5] die vom Innenminister Schleswig-Holsteins an Bürger verliehen wird, die sich in besonderer Weise um die Kommunalpolitik verdient gemacht haben. 1996 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande.[5][6]

Fojut war von der AWO benannte erste Stellvertreterin des Präsidenten des 14. Altenparlaments des Landtags Schleswig-Holstein 2002,[11][12] einer Plattform, die es Seniorenvertretern aus verschiedenen Verbänden und Organisationen ermöglicht, jährlich an einem Tag im Landtag zusammenzukommen und Impulse für die parlamentarische Arbeit zu geben.[13]

2022 erhielt Fojut die Willy-Brandt-Medaille, die höchste Auszeichnung, die die SPD an ihre Mitglieder vergibt. Im Rahmen der Verleihung wurde sie zudem zum Ehrenmitglied des SPD-Kreisverbands Plön ernannt – eine Auszeichnung, die es zuvor noch nicht gegeben hatte.[14]

Sonstiges ehrenamtliches Engagement

1963 trat Fojut in den Wohlfahrtsverband AWO ein. Auch hier übernahm sie zahlreiche Ämter. 35 Jahre leitete sie den AWO-Ortsverband Schönkirchen und engagierte sich auch anschließend als Ehrenvorsitzende auf Ortsebene. Sie war lange Zeit im Vorstand des Kreisverbands Plön, dem sie von 1979 bis 1984 vorstand. Ab 1971 gehörte sie dem Vorstand des Landesverbands Schleswig-Holstein an und war von 1983 bis 1995 Landesvorsitzende. Neun Jahre (von 1986 bis 1995) war sie zudem im Bundesvorstand der AWO aktiv.[3]

Fojut initiierte während ihrer Amtszeit zahlreiche Projekte. So wurde die Schaffung des ersten Ganztagskindergartens in Schleswig-Holstein von ihr vorangetrieben.[6] 1972 wurde auf ihr Betreiben in Schönkirchen im Rahmen eines Modellversuchs eine der ersten Sozialstationen gegründet, in denen Beratung, Altenhilfe und Altenpflege gebündelt wurden.[15][6] Fojut war an der Entwicklung des Konzepts der Servicehäuser beteiligt, das noch heute von der AWO verfolgt wird.[6] Fojut selbst sah die Errichtung der Schule für Altenpflege in Preetz als ihr wichtigstes Projekt an.[3]

Für ihre Verdienste erhielt Fojut 1995 die Marie-Juchacz-Plakette, die höchste Auszeichnung des AWO-Bundesverbandes.[6][5]

Der AWO-Landesverband Schleswig-Holstein ehrte Fojut 2023, indem er eine Stiftung nach ihr benannte. Die mit 300.000 Euro Stiftungskapital neu gegründete Hannelore-Fojut-Stiftung soll der Förderung gemeinnütziger und sozialer Projekte dienen.[4]

Auch abseits der AWO engagierte Fojut sich. So war sie ab 1992 Vorsitzende des NDR-Landesrundfunkrats Schleswig Holstein.[16] Außerdem war sie 1985 Gründungsmitglied des Kinderhilfswerks Schönkirchen, das bis 2007 Hilfsfonds für krebskranke Kinder hieß.[17]

Im Jahr 2015 wurde Fojut aufgrund ihrer Verdienste um die Gemeinde zur Ehrenbürgerin von Schönkirchen ernannt. Sie war damit die erste Ehrenbürgerin der Gemeinde.[6][5] Der damalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig, nannte Hannelore Fojut in seiner Laudatio anlässlich dieser Ehrung „eine Perle der Gesellschaft“.[15]

Im Februar 2026 starb Hannelore Fojut im Alter von 97 Jahren in Schönkirchen.[2]

Auszeichnungen

  • Ehrenvorsitzende des AWO Ortsvereins Schönkirchen[2][6]
  • Ehrenvorsitzende des AWO Landesverbands Schleswig-Holstein[2][6]
  • 1995: Marie-Juchacz-Plakette des AWO-Bundesverbandes
  • 1995: Freiherr-vom-Stein-Medaille
  • 1995: Heinrich-Paulsen-Medaille des Sängerbunds Schleswig-Holstein[5]
  • 1996: Bundesverdienstkreuz am Bande
  • 1996: Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille[2][5]
  • 1998: Ehrengabe des Kreises Plön[5]
  • 2015: Ehrenbürgerin der Gemeinde Schönkirchen
  • 2022: Willy-Brandt-Medaille
  • 2023: Namensgeberin der Hannelore-Fojut-Stiftung

Einzelnachweise

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