Hannes Sulzenbacher
österreichischer Ausstellungskurator und Schriftsteller
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Hannes Sulzenbacher (geboren 1968 in Innsbruck) ist ein österreichischer Theaterwissenschaftler, Kurator, Ausstellungsmacher und Schriftsteller. Er ist seit 2022 Chefkurator des Jüdischen Museums Wien und leitet gemeinsam mit Andreas Brunner QWIEN – Zentrum für queere Geschichte.

Leben
Sulzenbacher studierte Theaterwissenschaft, Geschichte und Philosophie.[1] Von 1990 bis 1992 arbeitete er als Theaterkritiker und -redakteur für die Wiener Stadtzeitung Falter. Von 1994 bis 1998 war er Ausstellungskurator am Jüdischen Museum Wien.[1]
Ab 1999 war Sulzenbacher als freier Ausstellungskurator tätig. Von 1998 bis 2004 gehörte er zur Leitung des Kultur- und Entertainment-Festivals „Wien ist andersrum“, von 2002 bis 2004 als dessen Leiter.[1] Wiederholt kuratierte er Ausstellungen zur Geschichte und Verfolgung von Schwulen und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts, darunter Aus dem Leben und geheimsache:leben, sowie Ausstellungen zur jüdischen Geschichte und Verfolgungsgeschichte, unter anderem für das Jüdische Museum Hohenems.[2]
Im Studienjahr 2011/2012 war Sulzenbacher Universitätslektor am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien.[1]
Gemeinsam mit dem Historiker Andreas Brunner gehört Sulzenbacher zu den Gründern und Leitern von QWIEN – Zentrum für queere Geschichte. QWIEN ist ein Forschungs- und Archivzentrum zur queeren Geschichte Wiens und Österreichs.[3] Seit 2007 wird Sulzenbacher als Co-Leiter von QWIEN geführt.[1]
Zusammen mit Albert Lichtblau gewann Sulzenbacher 2014 den Auftrag zur Neugestaltung der österreichischen Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau.[4] Von 2014 bis 2021 leitete er das kuratorisch-wissenschaftliche Team für die Neugestaltung der österreichischen Länderausstellung.[1] Die Ausstellung Entfernung – Österreich und Auschwitz wurde am 4. Oktober 2021 eröffnet. Die neue Ausstellung ersetzte die 1978 eröffnete erste österreichische Länderausstellung und setzte sich auch mit österreichischer Täterschaft und Mitverantwortung auseinander.[5][6]
Seit Juli 2022 ist Sulzenbacher Chefkurator des Jüdischen Museums Wien.[1][7]
Sowohl zur jüdischen als auch zur schwulen und queeren Geschichte hat Sulzenbacher zahlreiche Artikel und Publikationen verfasst. Außerdem ist er unter anderem als Mitautor eines schwulen Stadtführers für Wien sowie als Verfasser zweier Kriminalromane um den schwulen, rollstuhlfahrenden Amateurdetektiv David Lenz bekannt geworden.[8]
Ausstellungen und kuratorische Arbeiten
Sulzenbacher kuratierte Ausstellungen zu jüdischer Geschichte, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Antisemitismus sowie schwuler, lesbischer und queerer Geschichte. Zu seinen kuratorischen Arbeiten zählen unter anderem:
- Geheimsache Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts, 2005, Projektleitung, gemeinsam mit Andreas Brunner, Ines Rieder, Nadja Schefzig und Niko Wahl.[9]
- Neuaufstellung der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Hohenems, 2007.[9]
- Typisch! Klischees von Juden und Anderen, eine Ausstellung über Stereotype und Klischees, die unter anderem im Jüdischen Museum Berlin, im Jüdischen Museum Wien und im Jüdischen Museum München gezeigt wurde.[10][11]
- Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam, 2016 im Wien Museum, als Co-Kurator.[9]
- Die Stadt ohne. Juden, Muslime, Flüchtlinge, Ausländer, 2018 im METRO Kinokulturhaus in Wien, als Co-Kurator mit Andreas Brunner und Barbara Staudinger.[12] Die deutsche Version der Ausstellung wurde 2019 im NS-Dokumentationszentrum München und im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben gezeigt.[9][13]
- All About Tel Aviv-Jaffa. Die Erfindung einer Stadt, 2019 im Jüdischen Museum Hohenems, später unter anderem in Fürth und Essen.[9]
- Entfernung – Österreich und Auschwitz, österreichische Länderausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau, eröffnet 2021, als Leiter des kuratorisch-wissenschaftlichen Teams.[1][14]
- Raub, Doppelausstellung des Jüdischen Museums Wien und des Wien Museums, 2024, gemeinsam mit Gerhard Milchram. Die Ausstellung thematisierte 25 Jahre Provenienzforschung am Wien Museum und die nationalsozialistische Enteignung der jüdischen Bevölkerung Wiens.[15][16]
Werke
- Schwules Wien. Ein Reiseführer durch die Donaumetropole. Mit Andreas Brunner. Promedia, Wien 1998, ISBN 3-85371-131-6.
- Wiener Schnitzeljagd. Literarische und andere Rätsel für Heimische und Fremde. Löcker, Wien 2000, ISBN 3-85409-336-5.
- Wiener Gift. Pink Plot 2050, Argument, Hamburg 2000, ISBN 3-88619-950-9.
- Letzter Walzer. Pink Plot 2069, Argument, Hamburg 2001, ISBN 3-88619-969-X.
- geheimsache:leben – Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts. Mit Andreas Brunner, Ines Rieder, Nadja Schefzig und Niko Wahl. Löcker Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85409-435-3.
- Die Familie Brunner. Eine europäisch-jüdische Geschichte. Hohenems–Triest–Wien. Bucher Druck und Verlag, Hohenems 2021, ISBN 978-3-99018-573-5.
- Ausgestopfte Juden? Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Jüdischen Museen. Herausgegeben mit Felicitas Heimann-Jelinek. Wallstein Verlag, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5259-9.[17]
- Homosexualität und Nationalsozialismus in Wien. Herausgegeben mit Andreas Brunner. Mandelbaum Verlag, Wien/Berlin 2023, ISBN 978-3-99136-022-3.[18]
- Raub / Theft. Herausgegeben mit Gerhard Milchram im Auftrag des Jüdischen Museums Wien und des Wien Museums. Jüdisches Museum Wien/Wien Museum, Wien 2024, ISBN 978-3-903419-12-4.[19]
Weblinks
- Literatur von und über Hannes Sulzenbacher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Hannes Sulzenbacher bei IMDb
- Hannes Sulzenbacher bei QWIEN
- Hannes Sulzenbacher im Wien Museum Magazin
- Hannes Sulzenbacher beim Jüdischen Museum Wien