Hannoversche

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Die Hannoversche Lebensversicherung AG, auch bekannt als Hannoversche (ehemals Hannoversche Leben), ist ein deutsches Versicherungsunternehmen, das besonders im Bereich Absicherung von Lebensrisiken tätig ist. Sie bietet Produkte in den Sektionen Risikolebensversicherung, Invaliditätsabsicherung und Altersvorsorge an. Die Hannoversche Lebensversicherung ist eine hundertprozentige Tochter der VHV Gruppe.[3]

Schnelle Fakten
Hannoversche Lebensversicherung AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 29. Oktober 1875
Sitz Hannover, Deutschland
Leitung Frank Hilbert, Vorstandssprecher[1]
Mitarbeiterzahl 166 (2024)[2]
Umsatz 1.014,7 Millionen Euro (2024)[2]
Branche Finanzdienstleistungen, Versicherungen
Website www.hannoversche.de
Stand: 2024
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Geschichte

Anzeige des Preußischen Beamten-Vereins (1904)
Firmensitz der Hannoversche Lebensversicherung in Hannover

Gründung

Der Sekretariatsassistent Otto Hoffmann gründete am 29. Oktober 1875 den Preußischen Beamten-Verein, der am 1. Juli 1876 seine Tätigkeit aufnehmen konnte. Im selben Jahr wurde die erste Versicherungspolice ausgestellt. Otto Hoffmanns bis heute gleich gebliebene Grundidee, Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit, bildet die Grundlage der heutigen Hannoversche Lebensversicherung. Der Versicherte ist Mitglied und Träger des Vereins. Auf kostspielige Versicherungsvertreter wird in diesem Zuge verzichtet. Am 18. Oktober 1877 übernahm Kaiser Wilhelm I. die Schutzherrschaft des Preußischen Beamten-Vereins.[4][5][6]

Namensänderung

Am 29. Oktober 1935 feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen und die Namensänderung in Hannoversche Lebensversicherung a.G. vormals Preußischer Beamten-Verein erfolgte. Nun war es jedem möglich, ein Mitglied der Hannoversche Leben zu werden. Die Versicherungsunternehmen wurden in die Gleichschaltungsbestrebungen des Dritten Reichs mit einbezogen und somit an der Diskriminierung von jüdischen Versicherungskunden beteiligt. Bald nach den Pogromen 1938 waren Juden als Versicherungsnehmer unerwünscht.[5][7]

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

1945 wurden bei Luftangriffen auf Hannover wichtige Verwaltungsgebäude der damaligen Hannoversche Leben zerstört, sodass die Arbeit vorerst eingestellt werden musste. Im Jahr 1955 konnte das Unternehmen nach Währungsreform und Umstellungsrechnung ihre Gewinnversprechen aus den Jahren 1948–1954 erfüllen.[3]

Entwicklung der Aussteuer- und Ausbildungsversicherungen

Aufgrund des gestiegenen Wohlstandes in den 1960er Jahren entwickelte die Hannoversche Leben Aussteuer- und Ausbildungsversicherungen. Nachdem 1968 die Rentenreform es erstmals erlaubte, die gesetzliche Rentenversicherung durch eine private Versicherung zu ersetzen, konnte der Zugang im Bestand auf 250 Prozent gesteigert werden.

1977 bis 1978 wurde die Direktversicherung eingeführt, welche das Firmengeschäft der Hannoversche Leben deutlich erhöhte.[3][6] 1982 führte die Hannoversche Leben ihr neues Logo ein. Seit 1996 ist das Unternehmen mit einer eigenen Internetseite vertreten.[3][6]

Zusammenschluss zur VHV Gruppe

Im Jahr 2000 feierte die Hannoversche Leben ihr 125. Jubiläum. Von 1994 bis 2002 war Eckart von Uckermann Vorsitzender des Vorstands. Er verließ das Unternehmen Anfang 2002, nachdem bekannt wurde, dass die Hannoversche Leben in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Die Versicherung hatte Kunden über Jahre eine hohe Überschussbeteiligung gutgeschrieben und es so verpasst, Rücklagen zu bilden. In einer Zeit fallender Zinsen versuchte Uckermann anschließend, diese mit Aktienspekulationn auszugleichen, was jedoch nicht gelang.[8][9][10] Nach von Uckermann übernahm Anton Wittl die Position des Vorstandsvorsitzenden.[11] 2003 schloss sich die VHV Versicherungen mit der Hannoversche Lebensversicherung zur VHV Vereinigte Hannoversche Versicherungen a.G. zusammen und eine drohende Insolvenz der Hannoversche Leben wurde so abgewendet.[12] Die Hannoversche Leben ist seitdem der Direktversicherer in der neuen VHV Gruppe.[5][6]

2004 erweiterte der Geschäftsbetrieb in der Zusammenarbeit mit der Berenberg Bank sein Sortiment um Finanzdienstleistungen. Neben den Bereich „Vorsorge“ trat der Bereich „Vermögen“.[13][14] Ebenfalls 2004 wurde der Vorstand der Hannoversche Leben neu aufgestellt: Frank Hilbert übernahm den Posten des Vorstandssprechers. Hilbert ist seit 2009 zudem Vorstand Lebensversicherungen des Mutterkonzerns VHV Gruppe.[15]

Entwicklungen nach 2004

Die Hannoversche Leben erweiterte 2007 das Produktangebot um Kfz-Versicherungen über die Marke Hannoversche Direkt.[16] Später folgte auch die Hausratversicherung. Im März 2011 wurde der Markenname „Hannoversche“ der gemeinsame Name für das Komposit- und Lebensversicherungsgeschäft. Die VHV Gruppe nahm am 7. Oktober 2017 ihre Unternehmenstochter Hannoversche Direktversicherung AG wieder vom Markt und verschmolz den Anbieter mit der VHV Allgemeine Versicherung.[17]

2018 konnte die Zahl der Versicherungsverträge im Bereich Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung erstmals auf über eine Million gesteigert werden.[18] Seit 2018 ist die Hannoversche nicht mehr nur in Deutschland, sondern auch in Österreich tätig.[5]

Seit 2023 wandelte sich die Hannoversche vom Direktversicherer für Risikolebensversicherung zum Biometrie-Multikanal-Versicherer und bietet nun auch die Berufsunfähigkeitsversicherung verstärkt über den Vermittlermarkt an.[19][20] Seit 2024 bietet das Unternehmen auch eine Grundfähigkeitsversicherung an.[5] Seit 2025 besteht eine Kooperation zwischen der Hannoversche Lebensversicherung AG und der Nürnberger Versicherung. Im Zuge dieser Vereinbarung vermittelt die Nürnberger seit dem 1. Oktober 2025 die Risikolebensversicherungstarife der Hannoversche.[21][22]

Unternehmensstruktur

Die Hannoversche Lebensversicherung AG ist eine Tochtergesellschaft der VHV Gruppe, einem Versicherungskonzern mit Sitz in Hannover. Bis zum Zusammenschluss mit der VHV Gruppe war die Hannoversche ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Die Muttergesellschaft, die VHV Vereinigte Hannoversche Versicherung a. G., ist nach wie vor als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) organisiert. Die Hannoversche ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft innerhalb der Gruppe und agiert im Bereich biometrische Risiken.[23][24]

Das Unternehmen erwirtschaftete 2024 ein Bruttobeitragsvolumen in Höhe von 1.014,7 Millionen Euro und beschäftigte 166 Mitarbeiter.[23]

Geschäftstätigkeit

Die Hannoversche bietet im Bereich Lebensversicherungen verschiedene Risikolebensversicherungen an, wie die verbundene und die fallende Risikolebensversicherung, sowie eine Sterbegeldversicherung. Hinzu kommen Versicherungen zur Einkommenssicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Darüber hinaus gehören zum Angebot Rentenversicherungen, Kapitalisierungsgeschäfte und seit 2024 eine Grundfähigkeitsversicherung.[5][23]

Rating/Kritik

  • Die Rating-Agentur Assekurata gab der Hannoversche Lebensversicherung AG im Mai 2025 zum 13. Mal in Folge die Bewertung A++ (exzellent).[25]
  • In einem Rating der Agentur Franke und Bornberg, des Deutschen Instituts für Service-Qualität und des Nachrichtensenders N-tv gehörte die Hannoversche im Rahmen des Deutschen Versicherungs-Awards 2025 im Produktbereich Arbeitskraftabsicherung zu den ausgezeichneten Anbietern in der Unterkategorie Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Das Magazin Finanztest (Ausgabe 06/2024)[26] bewertet die Berufsunfähigkeitsversicherung der Hannoverschen als sehr gut.
  • In einer Analyse des Instituts für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen lag die Hannoversche 2024 auf dem ersten Platz.[27][28]
  • Die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) stufte die Hannoversche im Jahr 2022 mit der Note „A+“ (Ausblick stabil) ein und zählt sie zu den führenden Anbietern im Lebensversicherungsbereich in Deutschland.
  • 2020 wurde die Hannoversche im Magazin Procontra kritisiert, weil sie Werbung verschickt hatte, die wie ein offizielles Schreiben der Deutschen Rentenversicherung aussah. Die Hannoversche änderte daraufhin das Layout.[29]
  • 2018 und 2019 erhielt die Hannoversche von dem Analyseunternehmen Morgen & Morgen jeweils ein Top-Rating für seine Lebensversicherung[30][31]
  • Im Dezember 2011 berichtete die Süddeutsche Zeitung online, dass nur sechs Versicherer einen im Vertrag geregelten Wechsel zu einem anderen Versicherer ermöglichen. Die Hannoversche zähle laut der Süddeutschen zu diesen sechs Anbietern.[32]
  • Im Juni 2011 bezeichnete das Online-Magazin Focus die Hannoversche als eine besonders günstige Langfristbindung im Bereich der Baufinanzierung.[33]

Literatur

Einzelnachweise

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