Hans-Jörg Schmidt-Trenz
deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Buchautor
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Hans-Jörg Schmidt-Trenz (* 8. Dezember 1959 in Saarburg) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Von 1996 bis 2017 war er Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg.
Er ist §17-Professor an der Universität Hamburg sowie außerplanmäßiger Professor der Universität des Saarlandes. Zudem war er Gründungspräsident der HSBA Hamburg School of Business Administration.
Akademische Laufbahn
Schmidt-Trenz studierte von 1980 bis 1984 Volkswirtschaftslehre und Geschichte an der Universität des Saarlandes und der University of Michigan (Ann Arbor).
1988 promovierte er bei Dieter Schmidtchen am Lehrstuhl für Nationalökonomie, insbesondere Wirtschaftspolitik der Universität des Saarlandes mit summa cum laude zum Thema „Außenhandel und Territorialität des Rechts“. Die Arbeit befasst sich mit institutionenökonomischen Fragestellungen internationaler Transaktionen.[1]
1995 habilitierte er sich mit der Schrift „Die Logik kollektiven Handelns bei Delegation"[2] und erhielt damit die Lehrbefugnis für allgemeine Volkswirtschaftslehre[3].
Von 2004 bis 2019 war er Gründungspräsident der HSBA Hamburg School of Business Administration, deren Ehrensenator er seit 2020 ist.[4][5]
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Institutionenökonomik, der Governance-Theorie, den internationalen Wirtschaftsbeziehungen sowie der Ökonomik des Dritten Sektors.
Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge, u.a. in Public Choice, Southern Economic Journal, Constitutional Political Economy, in den Jahrbüchern für Neue Politische Ökonomie und in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik.
Gemeinsam mit Rolf Stober gab er die Reihe „Recht und Ökonomik des Dritten Sektors (RÖDS)“ heraus.[6][7][8][9][10]
IHK-Laufbahn
Industrie- und Handelskammer Karlsruhe
Schmidt-Trenz wurde 1988 Geschäftsführer der IHK Karlsruhe. 1989 wurde er zudem Geschäftsführer der Technologiefabrik Karlsruhe, ein bereits damals bedeutendes Zentrum für Start-ups in Deutschland.[11] Zeitgleich fungierte er als Geschäftsführer derTechnologieregion Karlsruhe GdBR, einer kommunalen Wirtschaftsförderungseinrichtung mehrerer großer Kreisstädte und Landkreise in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region.
Er organisierte die erste Kulturkonferenz der Technologieregion und wirkte an einem IHK-Gutachten zum regionalen Luftverkehr mit, das Grundlage für die nach der Wende erfolgte Umwandlung der kanadischen Airbase Söllingen in den heutigen Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Baden Airpark) bildete.[12]
Handelskammer Hamburg
Von 1996 bis 2017 war Schmidt-Trenz Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg.
Weiterentwicklung der Organisation
In seiner Amtszeit gründete die Handelskammer Hamburg 1999 mit der HKBiS – Handelskammer-Bildungsservice GmbH eine eigene Weiterbildungsgesellschaft.
2004 folgte mit der HSBA – Hamburg School of Business Administration eine duale Business School. Die Handelskammer Hamburg war damit die erste deutsche IHK, die eine staatlich anerkannte und durch den Wissenschaftsrat akkreditierte Hochschule gründete. Schmidt-Trenz war Gründungspräsident bis 2019 (seither Ehrensenator).
Im Jahr 2008 wurde mit dem Hanseatischen Wirtschaftsarchiv ein zentrales Archiv für wirtschaftshistorische Bestände von Unternehmen und Institutionen in Hamburg und Norddeutschland gegründet.[13]
Digitalisierung
Mit der Verbreitung internetbasierter Angebote führte die Handelskammer Hamburg das Portal HK24 ein. Der daraus hervorgehende IHK24-Verbund wurde das zentrale digitale Service- und Webseiten-Ökosystem für rund 80 Prozent der Internetauftritte deutscher IHKn.[14] Schmidt-Trenz war von der Gründung bis zu seinem Ausscheiden Vorsitzender des Lenkungsausschusses des IHK24-Verbunds.[15]
Architektur
2007 wurde das von Schmidt-Trenz initiierte „Haus im Haus“ im Börsensaal des historischen Handelskammer-Gebäudes eröffnet. Das moderne Gebäude wurde vom Stuttgarter Architekten Behnisch entworfen und bietet auf fünf Etagen unter anderem Ausstellungsflächen und das Gründerzentrum.
2014 wurde der Handelskammer-Innovations-Campus gegenüber der Handelskammer über der U-Bahn errichtet, was besondere bautechnische Anforderungen stellte. Das Gebäude bot zunächst Raum für diverse Bildungsaktivitäten der Handelskammer und wird heute von der Hamburgischen Bürgerschaft genutzt. Beide Bauwerke wurden in ihrem jeweiligen Fertigstellungsjahr als „Hamburger Bauwerk des Jahres“ ausgezeichnet.[16]
Stadtentwicklung
Während seiner Amtszeit war die Handelskammer an verschiedenen Stadtentwicklungsprojekten beteiligt. Dazu zählt unter anderem die S-Bahn-Anbindung des Hamburger Flughafens auf der Grundlage eines von der Handelskammer entwickelten Finanzierungskonzepts.
Die Handelskammer initiierte zudem eine Allianz für den Airbus A380, die zum Bau der entsprechenden Fertigungsanlagen auf einer Teilfläche des Mühlenberger Lochs beitrug. Auch zwei Fahrrinnenanpassungen der Elbe wurden von der Kammer positiv begleitet.[17]
Außerdem wurde ein von der Handelskammer maßgeblich mitentwickeltes Hamburger BID-Gesetz (Business Improvement District) eingeführt. Dieses Gesetz führte zu nachhaltiger Neugestaltung wesentlicher Einkaufsstraßen und Plätze in der Hamburger City, in HH-Bergedorf und in HH-Wandsbek.[18][19]
Das zweimalige Eintreten der Handelskammer unter seiner Führung für die Durchführung Olympischer Spiele in Hamburg blieb hingegen ohne Erfolg.[20]
Internationale Aktivitäten
2004 fand in der Handelskammer erstmals der „Hamburg Summit: China meets Europe“ statt, der sich in den folgenden Jahren zu einer bedeutenden Konferenz für den wirtschaftlichen und politischen Dialog zwischen Europa und China entwickelte. Schmidt-Trenz initiierte zudem regelmäßige Austauschformate mit Vertretern der City of London und der Dubai Chamber of Commerce.[21] Er war zeitweise Vorsitzender des Arbeitskreises Europäischer Hauptgeschäftsführer, Generalsekretär der von ihm mit initiierten Kammerunion Elbe/Oder und Vice-Chair der ICC/World Chamber Federation.
Von 2003 bis 2013 leitete Schmidt-Trenz ein Projekt zur Entwicklung der Industrie- und Handelskammern in Madagaskar sowie zum Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems. Die durch den madagassischen Staatspräsidenten Ravalomanana initiierte Entwicklungszusammenarbeit umfasste insbesondere die organisatorische Neuaufstellung von insgesamt 24 Industrie- und Handelskammern sowie die Entwicklung entsprechender Ausbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit staatlichen und wirtschaftlichen Akteuren vor Ort (siehe Weblink). Das Projekt wurde von madagassischer Seite als „Roso-Schmidt-Trenz“ bezeichnet. Im Jahr 2006 würdigte Bundespräsident Horst Köhler das Vorhaben im Rahmen eines Staatsbesuchs.[22] 2009 wurde das Projekt von der International Chamber of Commerce (ICC) im Rahmen der World Chamber Competition ausgezeichnet. Eine weitere Auszeichnung erhielt 2017 ein Projekt der Handelskammer Hamburg zur beruflichen Integration von Flüchtlingen.
Kontroversen
Im Jahr 2015 wurde die Höhe der Bezüge des Hauptgeschäftsführers der Handelskammer Hamburg öffentlich thematisiert.[23][24]
Nach Veränderungen im Zuge der Wahlen zur Vollversammlung der Handelskammer legte Schmidt-Trenz sein Amt im Jahr 2017 nieder.
Weitere Tätigkeiten
Schmidt-Trenz war Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten, darunter Hamburger Flughafen GmbH, Hamburger Messe- und Congress GmbH, IHK-GFI-GmbH.
Außerdem war er Mitglied des Rundfunkrats des NDR, Beirat der HanseMerkur und Mitglied des Kuratoriums und des Wahlausschusses der HASPA (Hamburger Sparkasse).
Von 2018 bis 2025 war er Verwaltungsrat der Bâloise Holding AG mit Sitz in der Schweiz, der Baseler Lebensversicherungs AG und der Baseler Versicherungs AG.
Gesellschaftliches Engagement
Schmidt-Trenz ist Vorsitzender des Kuratoriums der Tafelstiftung Hamburg-Schleswig-Holstein[25], stv. Vorsitzender der Märta und Erik Karberg-Stiftung sowie Mitglied des Kuratoriums des Überseeclubs Hamburg e. V. und der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung.
Auszeichnungen
- 2007 Ritterkreuz des madagassischen Nationalordens
- 2010 Goldene Ehrennadel der Kammerunion Elbe-Oder
- 2014 Europäischer Preis für Professional Commitment[26]
- 2017 Hamburger des Jahres
- 2017 Freeman der City of London
- Zweimal holte die Handelskammer Hamburg während seiner Zeit als deren Hauptgeschäftsführer die ersten Plätze für das weltbeste Kammerprojekt im Rahmen der World Chamber Competition der ICC:
- Kuala Lumpur 2009: Madagaskar-Projekt
- Sydney 2017: Flüchtlings-Projekt.
Schriften (Auswahl)
- Außenhandel und Territorialität des Rechts. Grundlegung einer neuen Institutionenökonomik des Außenhandels. Baden-Baden 1990, ISBN 3-7890-1868-6.
- Die Logik kollektiven Handelns bei Delegation. Das Organisationsdilemma der Verbände am Beispiel des Beitragszwangs bei den Industrie- und Handelskammern. Tübingen 1996, ISBN 3-16-146607-1.
- als Herausgeber mit Matthias Fonger: Bürgerföderalismus. Zukunftsfähige Maßstäbe für den bundesdeutschen Finanzausgleich. Ergebnisse eines von den Handelskammern Hamburg und Bremen veranstalteten Symposiums. Baden-Baden 2000, ISBN 3-7890-7056-4.
- als Herausgeber mit Rolf Stober: Der Dritte Sektor als Infrastrukturakteur. Baden-Baden 2014, ISBN 3-8487-1486-8.
- Institutionenökonomik. Theorie der Governance. München 2023, ISBN 978-3-8006-7076-5.
Literatur
- Industrie- und Handelskammer Karlsruhe: Jahresbericht 1994. Druck: G. Braun, Karlsruhe 1995.
- Handelskammer Hamburg (Hrsg.): Wir handeln für Hamburg. 350 Jahre Handelskammer Hamburg.Wachholtz Verlag, Kiel/Hamburg 2015, ISBN 978-3-529-05260-6.
- Günther Klemm: Ratgeber, Mahner, Gestalter. Handelskammer Hamburg 1965–2015. Wachholtz Verlag, Kiel/Hamburg 2017, ISBN 978-3-529-05262-0.