Hans-Jürgen Arendt
deutscher Historiker und Frauenforscher
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Hans-Jürgen Arendt (geb. 19. November 1939 in Plauen) ist ein deutscher Historiker, Frauenforscher und Hochschullehrer. Er war von 1983 bis 1992 ordentlicher Professor an der Pädagogischen Hochschule Leipzig.
Leben
Nach dem Besuch der Volksschule erlernte Arendt zunächst den Beruf des Buchhändlers in Auerbach/Vogtl. und arbeitete daraufhin in der Chemnitzer Agricola-Buchhandlung,[1] bevor er 1959 ein Studium der Geschichte und Germanistik am Pädagogischen Institut Leipzig begann, das er 1964 mit dem Staatsexamen für Lehrer der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule abschloss. Zudem studierte er von 1960 bis 1962 Geschichte an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Nach seinem Studienabschluss war er wissenschaftlicher Assistent, ab 1966 Oberassistent bei Joachim Müller am Lehrstuhl Geschichte des Pädagogischen Instituts Leipzig, aus dem 1972 die Pädagogische Hochschule „Clara Zetkin“ Leipzig hervorging. Im Jahr 1970 wurde Arendt bei Ernst Laboor, Joachim Müller und Waltraud Ebel an der Universität Leipzig promoviert. Thema seiner Dissertation war Der Kampf der Kommunistischen Partei Deutschlands um die Einbeziehung der werktätigen Frauen in die revolutionäre deutsche Arbeiterbewegung in der Periode der Weltwirtschaftskrise (1929 bis 1932). Im März 1977 folgte die Promotion B an der Pädagogischen Hochschule „Karl Liebknecht“ Potsdam mit einer Arbeit Zur Rolle und Funktion des DFD beim Aufbau des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik 1946 bis 1961. Ein Beitrag zur Geschichte der sozialistischen Frauenorganisation der DDR[2] (Gutachter: Walter Bartel, Joachim Müller, Kurt Finker). 1980 wurde Arendt zum Dozenten für Geschichte des deutschen Volkes an der Pädagogischen Hochschule Leipzig ernannt. Im September 1983 folgte er einem Ruf auf eine ordentliche Professur für Geschichte der DDR ebenda. Sein Hauptlehrgebiet war jedoch die deutsche Geschichte in den Jahren 1918 bis 1945.[1]
In den Jahren 1980 bis 1988 war er überdies Direktor der Sektion Geschichte und 1989/90 Prorektor für Gesellschaftswissenschaften.[3] Laut Renate Bridenthal wurde Arendt noch vor März 1992 aufgrund seiner SED-Mitgliedschaft entlassen.[4] Nach eigenen Angaben hatte er die Professur jedoch bis 1993 an der „Pädagogischen Hochschule bzw. Universität Leipzig“ inne.[5] Im September 1992 wurde die Pädagogische Hochschule Leipzig aufgelöst und zum Teil in die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig integriert.[6]
Hans-Jürgen Arendt war langjähriger Vorsitzender der 1966 an der PH Leipzig gegründeten Forschungsgemeinschaft zur „Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse um die Befreiung der Frau“,[7][Anm. 1] deren Nachfolge Ende 1989[8] das Forschungszentrum „Frauen in der Geschichte“ antrat. In den 1990er Jahren arbeitete er mit dem Kasseler Archiv der deutschen Frauenbewegung zusammen.[9]
Arendt war 1998 Mitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen.[10] Er lebt in Schönheide (Stand Ende 2014).[11]
Rezeption
Hermann Weber, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, schreibt 1981 in einer Rezension zu Silvia Kontos’ Buch Die Partei kämpft wie ein Mann, in der DDR beschäftige sich „neben einer Arbeitsgruppe nur ein Einzelforscher wie Hans-Jürgen Arendt relativ erfolgreich mit Problemen der Frauenpolitik der KPD in der Weimarer Republik“.[12]
Die US-amerikanische Historikerin Renate Bridenthal bedauert in einem 1992 veröffentlichten Artikel über die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf die deutsche Geschichtswissenschaft Arendts Entlassung an der PH Leipzig; er sei „einer der eifrigsten Forscher auf dem Gebiet der Frauengeschichte“ in der DDR gewesen.[4]
Sara Ann Sewell, Professorin für Geschichte an der Virginia Wesleyan University, urteilt in einem Artikel zum Roten Frauen und Mädchenbund, Arendt habe gemeinsam mit Werner Freigang bedeutende Beiträge[13] zur Erforschung der Frauenorganisation des Roten Frontkämpferbunds geleistet, ihre Resultate seien jedoch „von einer teleologischen Perspektive geprägt, die für die ostdeutsche Forschung zum Weimarer Kommunismus allgemein charakteristisch“ gewesen sei.[14]
Schriften (Auswahl)
- Monografien
- mit Ingrid Arendt: Bibliographie zur Geschichte des Kampfes der deutschen Arbeiterklasse für die Befreiung der Frau und zur Rolle der Frau in der deutschen Arbeiterbewegung. Von den Anfängen bis 1970. Pädagogische Hochschule „Clara Zetkin“, Leipzig 1974.
- Gustav Theodor Fechner und sein Hauslexikon 1834 bis 1838. Ein Beitrag zur Fechner-Biographie und zur Geschichte der enzyklopädischen Literatur in Deutschland. Verlag im Wissenschaftszentrum, Leipzig 1994.
- Gustav Theodor Fechner. Ein deutscher Naturwissenschaftler und Philosoph im 19. Jahrhundert (= Daedalus. Band 12). Lang, Frankfurt am Main [u. a.] 1999, ISBN 3-631-35337-5.
- Wallensteins Faktotum. Der kaiserliche Feldmarschall Heinrich Holck 1599–1633. Ludwigsfelder Verlagshaus, Ludwigsfelde 2004, ISBN 3-933022-24-X (2. Aufl. 2006).[15]
- Herausgeberschaften
- mit Joachim Müller u. a.: Dokumente der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung zur Frauenfrage 1848–1974. Auswahl. Verlag für die Frau, Leipzig 1975.
- mit Siegfried Scholze: Zur Rolle der Frau in der Geschichte des deutschen Volkes (1830–1945). Eine Chronik. Verlag für die Frau, Leipzig 1984 (= Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-88012-697-6).
- mit Siegfried Scholze: Zur Rolle der Frau in der Geschichte der DDR – vom antifaschistisch-demokratischen Neuaufbau bis zur Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft (1945–1981). Eine Chronik. Verlag für die Frau, Leipzig 1987, ISBN 3-7304-0084-3.
- mit Sabine Hering, Leonie Wagner: Nationalsozialistische Frauenpolitik vor 1933. Dokumentation. Dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-7638-0340-8.
Diskografie
Gemeinsam mit Joachim Holitschke verfasste Hans-Jürgen Arendt den Text für zwei zu Unterrichtszwecken vom Label Schola des VEB Deutsche Schallplatten Berlin produzierte Schallplatten, Geschichte Klasse 9 (1917/18–1933) (Sprecher: Hans-Dieter Lange, Klaus Feldmann, Ingeborg Medschinski u. a.) und Geschichte Klasse 9 (1933–1945)[16] (Sprecher: Hans-Dieter Lange, Rolf Ripperger, Hans-Peter Minetti, Norbert Christian, Mathilde Danegger u. a.), die von Jürgen Schmidt inszeniert und 1973 veröffentlicht wurden.[17]
Literatur
- Manfred Unger: Hans-Jürgen Arendt zum 65. Geburtstag. In: Sächsische Heimatblätter. Band 50, Nr. 4, 2004, S. 333.
- Lothar Mertens: Arendt, Hans-Jürgen. In: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 105 f.
Weblinks
Anmerkungen
- Gründungsleiter der Forschungsgemeinschaft war Lothar Mertens zufolge Arendts Doktorvater Joachim Müller (vgl. Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 442.). Im Widerspruch dazu gibt Irene Dölling an, Arendt habe die Forschungsgemeinschaft bereits ab 1966 geleitet (vgl. Irene Dölling: Frauenforschung mit Fragezeichen? Perspektiven feministischer Wissenschaft. In: Gislinde Schwarz, Christine Zenner (Hrsg.): Wir wollen mehr als ein „Vaterland“. DDR-Frauen im Aufbruch. Rowohlt, Reinbek 1990, ISBN 3-499-12896-9, S. 35–55, hier: S. 38, doi:10.25595/160.)