Hans-Jürgen Schlochauer

deutscher Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans-Jürgen Schlochauer (* 28. März 1906 in Lüdenscheid; † 7. Dezember 1990 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Rechtswissenschaftler und Professor für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Betätigung waren neben dem Völkerrecht das Europa- und das Staatsrecht.

Leben

Schlochauer wurde 1906 als Beamtensohn geboren[1] und studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Bonn, Frankfurt (Main), Freiburg (im Breisgau) und in Paris.[2] Er wurde 1930 in Frankfurt am Main mit einer von Karl Strupp betreuten Dissertation Der deutschrussische Rückversicherungsvertrag. Eine historisch-völkerrechtliche Untersuchung zum Dr. jur. promoviert.[3] Schlochauer begann dann eine wissenschaftliche Laufbahn und war als Assistent an der Universität Frankfurt beschäftigt. Diese Laufbahn wurde unterbrochen, als er im August 1933 auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurde.

In der Zeit des Nationalsozialismus lebte Schlochauer in Deutschland.[4] Für kürzere Forschungsaufenthalte ging er im Juli und August 1934 nach Den Haag, wo er beim Ständigen Internationalen Gerichtshof als Assistent von Walther Schücking wissenschaftlich tätig sein konnte, sowie im Januar 1936 und Februar 1936 nach England, wo er versuchte, vor Ort eine Stelle zu finden. Dies gelang ihm jedoch nicht. Sodann arbeitete er (dienstverpflichtet) für unterschiedliche Unternehmen. Ab März 1945 leitete er das Wohnungsamt der Stadt Köln.[5] Mit einer in den 1930er Jahren bereits fertigstellten Arbeit Der völkerrechtliche Vertrag habilitierte sich Schlochauer 1946 an der Universität zu Köln. In Köln, wo er 1946 seine Lehrtätigkeit als Privatdozent begann, wurde er 1950 außerplanmäßiger Professor und nahm er 1951 einen Ruf nach Frankfurt als ordentlicher Professor für Öffentliches Recht an. Dort lehrte er bis zur Emeritierung 1974 und war Direktor des Institutes für ausländisches und internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Frankfurt.[2]

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Schlochauer 1950 bis 1951 im Rang eines Oberregierungsrates des Bundesjustizministeriums Mitglied der deutschen Delegation bei den Verhandlungen zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.[2] Er war 1955 bis 1960 Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof und des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen.[1] Von 1957 bis 1961 war er zudem Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht. 1958 wurde er zum Mitglied im deutsch-niederländischen Vergleichsrat und 1959 zum Mitglied des Internationalen Schiedsgerichts zwischen Deutschland und Israel ernannt. 1961 wurde er auf Vorschlag der Bundesrepublik Deutschland Mitglied des Ständigen Schiedshofs in Den Haag.[2] Er war zudem Mitglied der Vereinigung Deutscher Staatsrechtslehrer und der International Law Association.

Hans-Jürgen Schlochauer war jüdisch, später evangelisch, verheiratet mit der promovierten Medizinerin Hanna Schlochauer, geborener Schulz,[6] und ab 1968 mit der 1936 geborenen und 1978 promovierten Juristin Ursula Schlochauer, geborene Gärtner.[7][8][9]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Der deutsch-russische Rückversicherungsvertrag. 1931.
  • Das Problem der Friedenssicherung. 1946.
  • Rechtsschutz gegenüber der Tätigkeit internationaler und übernationaler Behörden. 1952.
  • Die Idee des ewigen Friedens. 1953.
  • als Hrsg. mit anderen: Europäisches Recht. 1953 ff.
  • Allgemeines Völkerrecht. 1955.
  • Internationales Verwaltungsrecht. 1956.
  • als Hrsag. mit anderen: Rechtsfragen der Internationalen Organisation. Festschrift für Hans Wehberg. 1956.
  • Öffentliches Recht. 1957.
  • Ausnahmetarife im Recht der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. 1960.
  • als Hrsg.: Wörterbuch des Völkerrechts. 4 Bände. 1960–1963.
  • Die extraterritoriale Wirkung von Hoheitsakten. 1962.
  • Internationale Schiedsgerichtsbarkeit. 1963.
  • als Hrsg. mit anderen: Zur Integration Europas. Festschrift für C. F. Ophüls. 1965.
  • als Hrsg. mit anderen: Probleme des europäischen Rechts. Festschrift für Walter Hallstein. 1966.
  • als Hrsg. mit anderen: Recht der internationalen Verwaltung und Wirtschaft. 1966 ff.
  • Völkerrechtliches Deliktsrecht. 1974.
  • als Hrsg.: Archiv für Völkerrecht.

Literatur

Einzelnachweise

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