Hans A. Michel

Schweizer Historiker, Hochschullehrer und Bibliotheksdirektor From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Armin Michel (* 1. Januar 1924 in Biel; † 2. Januar 1989 in Bern, heimatberechtigt in Bern[1] und Brienz) war ein Schweizer Historiker, Hochschullehrer und Bibliotheksdirektor.

Er war von 1973 bis 1988 Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. Durch seine Beiträge zur Orts- und Regionalgeschichte des Kantons Bern erwarb er sich grosse Verdienste.

Leben

Hans A. Michel wurde am 1. Januar 1924 in Biel als Sohn von Armin Michel und Rosa Michel, geborene Räber, geboren. Nachdem er die städtischen Primar- und Sekundarschulen durchlief, besuchte er von 1940 bis 1944 das staatliche Lehrerseminar Hofwil, wo ihn insbesondere der Unterricht des Historikers Arnold Jaggi[2] für geschichtliche Themen begeisterte.

Nach einem fünfsemestrigen Studium an der Lehramtsschule der Universität Bern erwarb er im Herbst 1948 das bernische Sekundarlehrerpatent in sprachlich-historischer Richtung. Anschliessend nahm er eine Lehrtätigkeit an der dreiteiligen Sekundarschule in Neuenegg auf.[3] Neben seiner Unterrichtstätigkeit setzte er sein Studium an der Universität Bern fort und arbeitete an seiner Dissertation Die Ambassade[4] des Marquis de Paulmy[5] in der Schweiz von 1748 bis 1752, die er unter der Leitung von Richard Feller verfasste. Das Vorexamen in den Historischen Hilfswissenschaften bestand er am 21. April 1950, das Doktorexamen legte er am 15. Januar 1954 ab.

Zu seinen akademischen Lehrern zählten zudem Hans von Greyerz, Léon Kern, Werner Näf, Fritz Strich und Werner Kohlschmidt.[3]

Wirken

Ab 1962 war Michel als Adjunkt des Staatsarchiv des Kantons Bern tätig. 1973 wurde er zum Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek als Nachfolger von Hans Strahm gewählt. Seit 1972 hatte er an der Universität Bern einen Lehrauftrag für bernische Geschichte. 1978 wurde er zum Honorarprofessor ernannt.

Unter seiner Leitung als Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek modernisierte er die Bibliothek, eine kantonale, universitäre und öffentliche Einrichtung, und erweiterte Öffnungszeiten sowie Serviceangebote, was zu einem deutlichen Anstieg der Nutzerzahlen führte.[6] Er baute ein institutionelles Netzwerk von Instituts- und Seminarbibliotheken auf, koordinierte deren Zusammenarbeit und setzte sich für bibliothekarische Ausbildung[7] sowie den Erhalt von Schriftgut ein, unter anderem durch ein eigenes Atelier zur Papierrestaurierung im Rahmen der beispielhaften Arbeitsgemeinschaft für Papierrestauration Bern (AGPB).[8] Im Bereich der Automatisierung des Bibliothekswesens konnten mit dem Pilotprojekt SIBIL an der Fachbereichsbibliothek Bühlplatz Erfahrungen gesammelt werden.[9][10]

Michel erkannte die besondere Bedeutung der Sammlung Ryhiner, eine der bedeutendsten privaten Kartensammlungen des 18. Jahrhunderts mit über 16.000 Karten, Plänen und Veduten. Er förderte deren systematische Erschliessung und trug so zur Bewahrung und wissenschaftlichen Nutzung dieses einzigartigen Bestands bei.

Neben seiner bibliothekarischen Tätigkeit war Michel als Historiker aktiv. Er war Mitglied der Herausgeberkommission des Der Achetringeler,[11] der historischen Chronik für das Amt Laupen (1968–1979), sowie von 1978 bis 1985 Vorsitzender der Herausgeberkommission der Berner Zeitschrift für Geschichte.[12] Zudem veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten zur Orts- und Regionalgeschichte von Bern, dem Amt Laupen und dem Seeland und war seit 1960 Vorstandsmitglied des Historischen Vereins des Kantons Bern.

Im Historischen Verein des Kantons Bern engagierte er sich fast 30 Jahre lang und war von 1978 bis 1985 Präsident. Unter seiner Führung wurden die Statuten reformiert, erstmals Frauen in den Vorstand gewählt und das Vereinsleben sowie das Publikationswesen massgeblich modernisiert.[13]

Privat lebte er lange in Neuenegg im Weiler Bramberg, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern ansässig war.

Michel starb einen Tag nach seinem 65. Geburtstag. Der Trauergottesdienst fand am 9. Januar 1989 in der Kirche Neuenegg statt[14] und wurde von Martin Hubacher gehalten. Die Abschiedsrede hielt Georges Grosjean.[15]

In Memoriam

In memoriam Hans A. Michel wurde der Stadt- und Universitätsbibliothek von der Burgergemeinde Bern Ende 1990 eine wertvolle Faksimile-Ausgabe des Weltatlas Antonio Millo[16] von 1586 übergeben. Die Übergabe erfolgte durch den Burgerratspräsidenten Hans Wildbolz,[17] und der neue Bibliotheksdirektor Robert Barth hielt bei dieser Gedenkveranstaltung eine kurze Ansprache.[18][19]

Schriften (Auswahl)

Eine Bibliografie der Schriften, begonnen von Hans A. Michel, ergänzt von Gabriela Schweizer erschien 1991 in der Gedenkschrift Hans A. Michel 1924–1989. Bern, 1991. S. 23–32.

  • Die Ambassade des Marquis de Paulmy in der Schweiz von 1748 bis 1752: Beziehungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft in der Mitte des 18. Jh. Diss. phil.-hist. Bern, 1954. 282 S. Affoltern a. A., 1954.
  • Die Grenzziehung zwischen Bern und dem Fürstbistum Basel. In: Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern. 50, 1966, S. 57–402
  • Die Lenk im Jahre 1799: historische Texte von Pfarrer Gottlieb Samuel Lauterburg, ergänzt durch ältere Quellenstücke und zeitgenössische Abbildungen, herausgegeben und erläutert von Hans A. Michel. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde.40, 1978, S. 1–124. Auch als Sonderdruck erschienen. 2. Aufl. 1985.
  • Beschreibung des Amtes Laupen 1779 / Niklaus Anton Rudolf Holzer; hrsg. und kommentiert von Hans A. Michel. Bern, 1984 (= Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern. 68, 1984).
  • Die Kartensammlung Ryhiner der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern: eine bibliothekarische, technische und wissenschaftliche Erschliessungs- und Konservierungsaufgabe. In: Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft von Bern, 55, 1983–85, S. 589–599 (= Festschrift G. Grosjean).
  • Das wissenschaftliche Bibliothekswesen Berns vom Mittelalter bis zur Gegenwart: zum Jubiläum 450 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Bern 1535–1985. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 47, 1985, S. 167–234. Enthält unter anderem auf S. 228–233: [...] vom Schutz und der Erhaltung von Kulturgut.

Literatur

  • Robert Barth: Hans A. Michel als Leiter der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. In: Hans A. Michel 1924–1989. 1991. S. 20–22.[18][19]
  • Ulrike Bürger: Die Dienststelle Restaurierung der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. In: Bestandserhaltung. Marburg, 2000. S. 84–94.

Archive

Einzelnachweise

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