Hans Bürstmayr

österreichischer Entwicklungshelfer und Verbandsfunktionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Bürstmayr (* 25. Juli 1934 in Steyr; † 27. Mai 2021) war ein österreichischer Entwicklungshelfer und Verbandsfunktionär, der als Pionier in der österreichischen kirchlichen Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit gilt.

Leben und Wirken

Hans Bürstmayr wurde am 25. Juli 1934 in der oberösterreichischen Bezirkshauptstadt Steyr geboren und kam im Jahr 1955 für die katholische Verbandsarbeit nach Wien.[1] Nachdem der spätere Diplom-Kaufmann und Absolvent der Hochschule für Welthandel 1955 zum Zentralsekretär der Katholischen Landjugend Österreichs (KLJÖ) gewählt worden war,[2] bekleidete er diese Position bis ins Jahr 1960. Beim ersten Weltkongress der katholischen Landjugend (MIJARC – Mouvement International de la Jeunesse Agricole et Rurale Catholique) in Lourdes im Jahr 1960 fasste Bürstmayr den Entschluss, sich intensiv mit dem Thema Hunger in der Dritten Welt auseinanderzusetzen. Ab dem Folgejahr fungierte er als Generalsekretär des Katholischen Jugendwerkes Österreichs. In diesem Jahr reisten auch die ersten Entwicklungshelfer der Landjugend nach Tansania, um dort ein Katechistenzentrum aufzubauen.

Im Jahr 1963 erfolgte durch Bürstmayr die Gründung des Landjugendwerks für Entwicklungshilfe, das den österreichischen Personaleinsätzen einen rechtlich abgesicherten Rahmen verlieh. Wiederum drei Jahre später übernahm Bürstmayr 1966 die Geschäftsführung des ein Jahr zuvor gegründeten Österreichischen Jugendrates für Entwicklungshilfe, einer entwicklungspolitischen Institution der österreichischen Jugendorganisationen und des Österreichischen Bundesjugendringes.[3] Der Verein fungierte als deren Fachorganisation zur Durchführung von Entwicklungsprojekten unter Einsatz von Entwicklungshelfern.[3] Die entwicklungspolitische Bildungsarbeit etablierte sich zunehmend als eigenständiger Schwerpunkt. Diese Entwicklung mündete später in die Gründung des Österreichischen Informationsdienstes für Entwicklungspolitik (ÖIE), aus dem die heutige Südwind Agentur (bzw. der Südwind Verein) hervorging.

Aus dem Landjugendwerk für Entwicklungshilfe ging 1968 der Österreichische Entwicklungshelferdienst (ÖED) hervor, der in der Folge eine führende Rolle bei der Entsendung österreichischer Entwicklungshelfer einnahm. Bürstmayr war anschließend langjähriger Geschäftsführer der Organisation, die 1977 in Österreichischer Entwicklungsdienst (ÖED) umbenannt wurde.[3] Zu seinen Weggefährten in jener Zeit zählen Eduard Ploier von der Katholischen Männerbewegung Österreichs, Titularbischof Alois Wagner (weltweit bekannt als „Entwicklungshilfe-Bischof des Vatikans“) und später Weihbischof Florian Kuntner. Seine umfassenden Kenntnisse und sein Engagement führten dazu, dass er das erste grundlegende Werk zur Entwicklungspolitik der katholischen Kirche in Österreich verfasste, das im Januar 1980 erschien.[4] Im Jahr 1992 gründete Bürstmayr die Kofinanzierungsstelle für Entwicklungszusammenarbeit (KFS), deren Leitung er bis zu seiner Pensionierung im Juni 2002 innehatte.[1] In der KFS schlossen sich die wichtigsten kirchlichen Entwicklungsorganisationen zusammen, um gemeinsam mit dem österreichischen Staat Entwicklungsprojekte zu finanzieren.

Zentrale Dokumente wie die Leitlinien von 1997, die über mehr als zwei Jahrzehnte die entwicklungspolitische und missionarische Arbeit der katholischen Kirche in Österreich auf allen Ebenen bestimmten, wurden von ihm maßgeblich verfasst und gestaltet.[5] In den Jahren 2000/01 wurden der Österreichische Entwicklungsdienst (ÖED), das Institut für Internationale Zusammenarbeit (IIZ) und die Kofinanzierungsstelle für Entwicklungszusammenarbeit (KFS) zur Organisation HORIZONT3000 zusammengeführt.[6] Diese entwickelte sich zur größten nichtstaatlichen Einrichtung der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und arbeitet seither eng mit der Austrian Development Agency (ADA) zusammen.[6] Nebenbei war der gebürtige Oberösterreicher auch noch für die Koordinierungsstelle (KOO) der Bischofskonferenz tätig, für die er auch nach seiner Pensionierung noch bis 2017 beratend und gestaltend tätig war.[5]

Im Jahr 1993 wurde ihm das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.[1] Bei seinen zahlreichen Reisen nach Afrika, Asien und Lateinamerika, die häufig von seiner Ehefrau begleitet wurden, entstanden zahlreiche Fotografien, die auch in deren Arbeiten Verwendung fanden.[7]

Am 27. Mai 2021 starb Bürstmayr im Alter von 86 Jahren.[1][5] Er hinterließ seine Ehefrau Hannelore, eine ehemalige Journalistin, Pressereferentin und Autorin, sowie drei gemeinsame Kinder (* 1963, 1964 und 1967), darunter den Rechtsanwalt und Politiker Georg Bürstmayr.

Literatur

Einzelnachweise

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