Hans Christoph Schenk von Stauffenberg
deutscher Adliger, Mitbegründer der "Deutschen Union"
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Hans Christoph Hubertus Maria Schenk Freiherr von Stauffenberg (* 7. Oktober 1911 in Rißtissen; † November 2005 in München) war deutscher Gutsbesitzer, Politiker und Nachrichtendienstler. Er gehörte zum schwäbischen Adelsgeschlecht der Schenken von Stauffenberg. Er führte den „Vertraulichen Informationsdienst“ von CDU und CSU, der nach ihm auch Stauffenberg-Dienst genannt wird.
Familie
Er war das fünfte und jüngste Kind des Freiherrn Franz Schenk von Stauffenberg (* 14. August 1878 in Rißtissen; † 9. November 1950 in Riedlingen) und der Gräfin Huberta Berta Wolff-Metternich (* 24. Juli 1882 in Satzvey; † 21. Januar 1952 in Husum).
Hans Christoph von Stauffenberg war ab 1937 in erster Ehe mit der Engländerin Lady Camilla Mildred Nicola Acheson (1917–1965; Tochter von Archibald Acheson, 5. Earl of Gosford, und Mildred Carter) verheiratet. Aus der Ehe stammen die drei Söhne Hans Sebastian (* 1940), Patrick (* 1941) und Damian Ignaz (* 1944). Lady Camilla war ab 1950 in zweiter Ehe mit Axel von dem Bussche verheiratet. Hans Christoph von Stauffenberg heiratete 1970 in zweiter Ehe Ingrid Müller-Heydenreich (* 1932).
Werdegang
Hans Christoph von Stauffenberg legte das Abitur an einem humanistischen Gymnasium ab. Er studierte zunächst Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte, später Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg, Königsberg und München. Daraufhin absolvierte er eine Banklehre in Frankfurt am Main und London.
Er war zunächst als Referent in der Wirtschaftsgruppe Groß- und Außenhandel (eine Wirtschaftsgruppe innerhalb der Reichsgruppe Handel der Reichswirtschaftskammer) in Berlin tätig. Während des Zweiten Weltkriegs war er aufgrund einer Krankheit nicht an der Front im Einsatz, sondern befragte Kriegsgefangene in einem Lager bei Oberursel.
Hans Christoph von Stauffenberg trat bereits als Student zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.846.925),[1] hielt sich jedoch ansonsten von Parteiaktivitäten fern. Wenige Tage nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Hans Christoph von Stauffenberg gemeinsam mit seiner Ehefrau Lady Camilla, wie fast alle Angehörigen der Familie Stauffenberg, in Sippenhaft genommen.
Nach dem Tod seines Vaters 1950 erbte Hans Christoph von Stauffenberg das Schloss Rißtissen. Von 1948 bis 1955 gehörte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Friedrich von Stauffenberg (1908–1982) dem Laupheimer Kreis an, einem von Ulrich Steiner ins Leben gerufenen Gesprächskreis über wesentliche Fragen der sich im Aufbau befindlichen Bundesrepublik. 1949 gehörte Hans Christoph von Stauffenberg zu den Gründern der überparteilichen Sammlungsbewegung Deutsche Union (DU). Er war neben August Haußleiter und Otto Hess einer der drei Vorsitzenden der DU.
Ab etwa 1957 war Hans Christoph von Stauffenberg als Beamter für den Bundesnachrichtendienst tätig. Nach der Bundestagswahl 1969 wurde Willy Brandt (SPD) Bundeskanzler. Die CDU/CSU führte erstmals seit 1949 nicht die Bundesregierung und verlor damit auch die Kontrolle über die Nachrichtendienste des Bundes. Im Sommer 1970 übernahm Stauffenberg die Leitung eines nicht-staatlichen und geheimen politischen Nachrichtendienstes von CDU und CSU, der nach ihm Stauffenberg-Dienst genannt wird. Dafür wurde er vom CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Theodor zu Guttenberg und Wolfgang Langkau, seinem früheren Vorgesetzten beim Bundesnachrichtendienst, angeworben. Stauffenberg wurde formal bei der Bayerischen Staatskanzlei in München als Redenschreiber beschäftigt und in einem Nebengebäude untergebracht.
Er ging 1976 mit Erreichen des 65. Lebensjahres in Rente. Über diese Grenze hinaus wollte der Freistaat Bayern seine Beschäftigung, trotz seiner Interventionen bei Staatsminister Ludwig Huber und beim Leiter der Staatskanzlei, Rainer Keßler, nicht verlängern. Während seiner Tätigkeit führte Stauffenberg den Decknamen Scheffer. Der Stauffenberg-Dienst bestand noch bis 1982 fort.
Stauffenberg starb im November 2005 im Alter von 94 Jahren in München.
Literatur
- Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2.
- Hans Christoph Schenk von Stauffenberg im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Stefanie Waske: Spionage: Die Verschwörung gegen Brandt. In: zeit.de. 29. November 2012.