Hans Grether
deutscher Ingenieur, Statiker, Brücken- und Bahnplaner
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Seine Schulausbildung erhielt Grether zunächst an der Volks- und Realschule in Lörrach. Grether absolvierte 1899 am Realgymnasium Karlsruhe die Reifeprüfung und studierte dann acht Semester[1] an der Technische Hochschule Karlsruhe. Im April 1906 legte er die Badische Staatsprüfung für Maschineningenieure ab und arbeitete danach ein Jahr als Praktikant bei der Maschinenbaugesellschaft Nürnberg einem Vorläufer von MAN. Im Juli 1908 bestand er die Prüfung für das Doktoringenieursdiplom mit Auszeichnung. Seine Dissertation Über Potentialbewegung tropfbarer Flüssigkeiten in gekrümmten Kanälen[2] wurde 1908 gedruckt. Betreut wurde die Dissertation durch die Professoren Ernst Adolf Brauer (bei dem Grether auch als Assistent arbeitete) und Theodor Rehbock.
Kurz nach der Promotion erhielt die Hochschule von der kanadischen Regierung die Anfrage, ob man einen fähigen Statiker für die Berechnungen zur Neukonstruktion der 1907 eingestürzten Eisenbahnbrücke über den Sankt-Lorenz-Strom zwischen den Städten Québec und Lévis in der Provinz Québec in Kanada empfehlen könnte. Grether übernahm diese Aufgabe und arbeitete bei den Berechnungen für die knapp einen Kilometer lange Québec-Brücke mit und war als assistant engineer[3] bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs auch am Bau beteiligt. Während seines Aufenthalts in Kanada gab Grether an der Hochschule von Montreal auch Kurse in Statik und Brückenbau.[4]
Im August 1914 heuerte Grether auf einem griechischen Frachter an, der in Hamburg anlegte, wo er das Schiff verließ und sich zum Militär meldete.[5] Er wurde alsbald zum Großen Hauptquartier versetzt und arbeitete in der von Fritz Haber geleiteten Abteilung „Versuche und Erfindungen“,[6] die sich mit der Entwicklung von Giftgas befasste. Grether erlitt bei Versuchen mit Gasmasken eine schwere Gasvergiftung und litt seitdem unter Herzbeschwerden.
1919 emigrierte Grether nach Argentinien und von dort 1921 nach Bolivien. Der bolivianische Präsident Baudista Saavedra hatte ihm die Leitung der Eisenbahn-Studienkommission übertragen. Bolivien wollte eine Bahnverbindung von Cochabamba in den Anden nach Santa Cruz de la Sierra im östlichen Tiefland bauen, um das Land zu erschließen. „Die Schwierigkeiten für die vorgesehene Bahntrasse waren immens, galt es doch, die Anden mit ihren über 4000 Meter hohen Pässen zu überwinden.“[6] Grether ließ sich in Cochabamba nieder und unternahm „drei mehrmonatige Erkundungsexpeditionen zur Erforschung und Vermessung des Landes.“[6] 1925 legte er einen umfangreichen „‚Generalerschließungsplan‘ für Bolivien durch Bahn-, Straßen- und Wasserwegebau.“[6] vor und organisierte in New York auch die Finanzierung. Grethers Pläne wurden durch den deutschstämmigen bolivianischen Kriegsminister Hans Kundt gefördert. Gleichwohl wurde die von ihm projektierte Bahn bis heute nicht realisiert. Lediglich eine kurze Teilstrecke wurde in Betrieb genommen, aber die geplante Trasse wurde für den Bau einer Straße verwendet.
Die deutsche Gemeinde in Bolivien sicherte 1925 unter dem maßgeblichen Einfluss von Hans Grether die Finanzierung der ersten Junkers F 13 der neu gegründeten Fluggesellschaft Lloyd Aéreo Boliviano, die die Verbindung zwischen Cochabamba und Santa Cruz anbot – die Strecke für die Grether auch die Eisenbahnlinie plante.[7]
Die Republik Bolivien ehrte Grether nach dessen Tod mit einer dreitägigen Landestrauer.[8]
Gedenken
Das kleine bolivianische Dorf Puerto Grether wurde nach ihm benannt. In Santa Cruz de la Sierra ist die Calle Hans Grether (Hans-Grether-Straße) nach ihm benannt.
Werke
- Über Potentialbewegung tropfbarer Flüssigkeiten in gekrümmten Kanälen. Dissertation TH Karlsruhe 1908, Berlin 1909. BLB Karlsruhe
Literatur
- Volker G. Scheer: Dr.-Ing. Hans Grether. Zum 100. Todestag. In: Stadtbuch Lörrach 2025, S. 44–47
- Hermann Vortisch: Zum Gedächtnis an Dr. H. Grether, Morstadt, Kehl, 1926
- Hermann Vortisch: H. Grether Ein dt. Kulturpionier in Bolivien 1880–1925. In: Mein Heimatland, 22 Jg., 1935, S. 213–214
- José Luis Roca, Fisonomía del Regionalismo Boliviano, 1980, 188 ff.; PDF
- Sophie Grether-Grether: Hans Grether zum Gedächtnis In: Unser Lörrach. 13. Jg., 1982, S. 134–145
