Hans Piontek

deutscher Beamter From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Piontek (* 29. Dezember 1876 in Polnisch Neukirch, Oberschlesien; † 2. Februar 1930 in Ratibor, Oberschlesien) war ein deutscher Jurist und Politiker der Zentrumspartei in Oberschlesien. Er war von 1921 bis 1924 Erster Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister der Stadt Ratibor und von 1924 bis 1930 Landeshauptmann des Provinzialverbandes Oberschlesien.

Leben

Piontek, Sohn eines Grundbesitzers, legte 1897 in Ratibor das Abitur ab und studierte anschließend bis 1900 Jura in Straßburg, Berlin und Breslau. Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KDStV Badenia (Straßburg) Frankfurt am Main, KAV Suevia Berlin, KDStV Winfridia Breslau und Rheno-Palatia Breslau. Nach dem Referendariat und dem 1905 bestandenen Assessorexamen praktizierte er als Rechtsanwalt in Ratibor, 1920 wurde er zum Notar bestellt.

Hans-Piontek-Villa in Ratibor (heute: Stadt- und Kreisbibliothek)

In Ratibor war Piontek ab 1910 Stadtverordneter und ab 1912 unbesoldeter Stadtrat. Seine kommunalpolitische Tätigkeit in der Heimat unterbrach er während des Ersten Weltkriegs, als er 1915–1918 der deutschen Zivilverwaltung im besetzten Polen angehörte. Nach dem Krieg wurde er 1921 zum Ersten Bürgermeister von Ratibor gewählt, 1922 wurde sein Amt zum Oberbürgermeister aufgewertet.

Nach dem Versailler Vertrag und angesichts der Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit Oberschlesiens hatte der Freistaat Preußen 1919 eine Aufteilung der bisherigen Provinz Schlesien beschlossen, um das Zugehörigkeitsgefühl der überwiegend katholischen, mehrsprachigen Bevölkerung Oberschlesiens zum Deutschen Reich zu stärken. In der Stadt Ratibor stimmten rund 90 Prozent für den Verbleib bei Deutschland, im gesamten Abstimmungsgebiet waren es rund 60 Prozent. Mit dem Genfer Abkommen wurde Oberschlesien 1922 zwischen Deutschland und Polen geteilt, der größere Teil blieb bei Deutschland.

Nach einer Übergangszeit unter Carl Ulitzka wählte der Provinziallandtag Piontek 1924 zum ersten Landeshauptmann des Provinzialverbands Oberschlesien. Er war Mitglied der Zentrumspartei, der mit Abstand stärksten politischen Kraft in Oberschlesien. Als Oberhaupt der regionalen Selbstverwaltung leitete er den Aufbau eigener Behörden (Landesfinanzamt, Landesarbeitsamt, Landwirtschaftskammer) sowie die Gründung öffentlicher Einrichtungen (z. B. Lungenheilstätte in Ziegenhals, Oberschlesische Landesbibliothek in Ratibor).

Hans Piontek heiratete 1906 Hedwig (genannt Hete) Fischer, Tochter des Breslauer Juraprofessors Otto Fischer. Das Paar hatte sieben Kinder. Am 2. Februar 1930 verstarb er nach längerer Krankheit im Alter von 53 Jahren.

Sein Cousin war Ferdinand Piontek.

Literatur

Related Articles

Wikiwand AI