Hans Raphon
deutscher Maler (1460–1528)
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Lebensdaten
Zum Leben des 1488–1512 urkundlich nachweisbaren Malers Hans Raphon, dessen Name Rebhuhn[1] bedeutet, ist wegen fehlender Quellen kaum etwas bekannt. Vermutlich gehörte er einer ursprünglich aus Gandersheim stammenden bürgerlich-handwerklichen Familie an, die mehrere Geistliche stellte und in Göttingen, Einbeck, Northeim und Gandersheim nachweisbar ist.[1] Eine Herkunft aus Northeim oder Göttingen wurde angenommen.[2] Sein Tätigkeitsbereich beschränkte sich auf den südniedersächsischen Raum. Allerdings legen stilistische Vergleiche nahe, dass Raphon wohl auf einer Gesellenwanderung wichtige Anregungen aus Franken, besonders aus Nürnberg, erhielt und dabei auch Kenntnisse der Werke Albrecht Dürers und Michael Wohlgemuts erlangte.[1] 1488–1491 war er als Mester hanse Raphoyn in Hann. Münden mit nicht genannten kleineren Arbeiten am Weiterbau der St. Blasius-Kirche beteiligt.[3] Das setzt ein höheres Alter von etwa 30 Jahren voraus, weswegen seine Geburt vor 1460 angenommen wird.[1] Obwohl er um 1499 Tafelwerke für mehrere Göttinger Kirchenaltäre schuf, ist sein Aufenthalt in Göttingen ist weder sicher beleg- noch widerlegbar.[4] 1504–1508 soll er als Bürger und Dechant im Stift St. Alexandri in Einbeck gewesen sein, was vermutlich auf einer Verwechslung mit seinem Bruder Bertold Raphon beruht.[5]
Mögliche Herkunft
Laut einem in der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen abgedruckten Stammbaum war Raphon ein Sohn des in Northeim tätigen herzoglichen Wundarztes Heinrich, Henrik oder Hinrik Raphon und dessen Frau Grete. Er soll nach diesem Stammbaum der älteste Sohn gewesen sein und je zwei Schwestern, Katharina und Gese, und zwei Brüder, Heinrich und Bertold († um 1536), gehabt haben. Die Mitglieder dieser Familie waren Bürger der Stadt Northeim. Raphon soll selbst drei Kinder gehabt haben, einen Sohn Hans, eine namentlich nicht bekannte Tochter, die mit einem Hans Midem vermählt war, und eine Tochter Katharine, die Klosterjungfrau im Kloster Höckelheim wurde. Diese Hinweise finden sich auch bei Hector Wilhelm Heinrich Mithoff in dessen Werk über Mittelalterliche Künstler und Werkmeister, Niedersachsens und Westfalens, der diese Annahme übernahm.[6] Auch im Jahr 1909 wurde diese These durch den Denkmalpfleger Jacobus Reimers gestützt.[7]
Werk


15 erhaltene Werke lassen sich Hans Raphon und seiner Werkstatt zuschreiben.[1] Raphons frühestes nachweisbares und zugleich bedeutendstes Werk ist sein 1499 vollendeter und signierter Passionszyklus mit 41 Tafeln für den Hochaltar der Göttinger Pauliner-Kirche.[8] Wenige Jahrzehnte später, um 1533, wurde das Werk in Folge der Göttinger Reformation in das Zisterzienserkloster Walkenried geschafft. Im Dreißigjährigen Krieg flüchtete der katholische Konvent 1631 vor den schwedischen Truppen und nahm die Tafeln nach Prag mit. Nach weiteren Umwegen befinden sie sich dort seit 1946 in der Nationalgalerie.[1][9] Die fragmentarisch erhaltene lateinische Inschrift auf dem Altar lautet in deutscher Übersetzung: „Dieses herrliche Werk ist vollendet worden durch die Fürsorge Johannes Pipers, eines überaus diensteifrigen Priors (und) außerdem sehr tüchtigen Lektors, und durch Hans Raphon, der wie ein zweiter Apelles malt. Im Jahre des Herrn 1499.“[9] Der den Einfluss des Humanismus verratende Text dürfte nicht vom Maler selbst, sondern eher von dem erwähnten Stifter des Bildes Johannes Piper verfasst worden ist. Die anderen bekannten Werke Raphons enthalten keine derart panegyrischen Inschriften.[9] Es wird vermutet, dass sich Raphon in der Mittelfigur der Kreuzigungsszene selbst dargestellt hat.[1]
Weitere Hauptwerke Raphons sind der Kreuzigungsaltar von 1508 im Domschatz Halberstadt,[10] und der 1512 datierte Flügelaltar im Chor von St. Marien zu Heiligenstadt (Eichsfeld). Ein um 1500 entstandener Flügelaltar für die Stiftskirche St. Alexandri zu Einbeck befindet sich heute im Landesmuseum Hannover.[11] Im gleichen Museum wird ein einzelner Altarflügel des 1507 entstandenen Jodokusschreins aus der Klosterkirche Reinhausen aufbewahrt; das Gegenstück sowie ein ehemaliges zweites Flügelpaar sind nicht mehr erhalten.[12]
Literatur
- Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 453–454 (Textarchiv – Internet Archive oder uni-goettingen.de, abgerufen am 15. April 2023).
- Karl Arndt: Das Retabel der Göttinger Paulinerkirche, gemalt von Hans Raphon. In: Thomas Noll, Carsten-Peter Warnke (Hrsg.): Kunst und Frömmigkeit in Göttingen. Die Altarbilder des späten Mittelalters. Berlin / München 2012, S. 188–219.
- Harald Busch: Raphon (= Rebhuhn), Hans. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 28: Ramsden–Rosa. E. A. Seemann, Leipzig 1934, S. 16–17 (biblos.pk.edu.pl).
- Heinz Kelterborn: Zur Frage der Herkunft des Hans Raphon. In: Göttinger Jahrbuch. Band 13, 1965, S. 71–76.
- Edgar Müller: Hans Raphon und seine Familie. In: Thomas Noll, Carsten-Peter Warnke (Hrsg.): Kunst und Frömmigkeit in Göttingen. Die Altarbilder des späten Mittelalters. Berlin / München 2012, S. 241–257.
- Götz J. Pfeiffer: Das Kreuzigungsretabel von 1506 aus der St. Jürgens-Kapelle, samt einem Anhang der Werke Hans Raphons und seiner Werkstatt. In: Thomas Noll, Carsten-Peter Warnke (Hrsg.): Kunst und Frömmigkeit in Göttingen. Die Altarbilder des späten Mittelalters. Berlin / München 2012, S. 220–240.
- Joseph Eduard Wessely: Raphon von Raphun, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 283.
- Olga Kotková (Hrsg.): Hans Raphon. 500 Let pasijoveho oltare z Goettingenu: Gotika ze sbirky kolowratu. 500 Jahre des Passionsaltars aus Goettingen: Gotische Kunst aus der Sammlung Kolowrat. Narodni Galerie, Prag 1999.
- Karin Hahn-Jänecke: Ein wiederentdeckter Altar des Hans Raphon in der Národni Galerie zu Prag. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. IV, 1965. (Weitere Fassung des Aufsatzes auch in: Göttinger Jahrbuch. Band 13, 1965, S. 39–70.)
- Christian Tegtmeier: Walkenrieder Altar. Betrachtungen zum spätgotischen Flügelaltar von Hans Raphon. Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde, Walkenried [1999?].
Weblinks
- Literatur von und über Hans Raphon im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Flügelaltar mit Kalvarienberg, auf nat.museum-digital.de