Hans Tröbst
deutscher Journalist
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Hans Tröbst (geboren 27. Oktober 1891 in Weimar; gestorben 5. Juli 1939 in Dalian, Mandschukuo, China) war ein deutscher Berufssoldat und Journalist.



Leben
Hans Tröbst war ein Sohn des Rechtsanwalts Paul Tröbst, damit Enkel des Weimarer Gymnasialdirektors Christian Gottlob Tröbst, und der Luise Tröbst, er hatte zwei Geschwister. Sein Vater starb, als er zehn Jahre alt war, die Mutter musste die Familie aus ihrem eigenen Erbe aus einer Bauernschaft in Heisede durchbringen. Tröbst besuchte das Gymnasium zunächst in Jena und machte das Abitur in Weimar. Er ging 1910 als Offiziersanwärter zum Magdeburgischen Pionier-Bataillon Nr. 4 und wurde 1911 zum Leutnant befördert. Im Ersten Weltkrieg war er an der Ostfront und in Frankreich eingesetzt und hatte am Ende den Rang eines Hauptmanns. Er schloss sich 1919 in Lissa dem Grenzschutz Ost, Eiserne Division an, der in Lettland und Estland operierte, wo er seine spätere Frau May von Lueder kennenlernte. Im März 1920 wurde er Mitglied der Brigade Ehrhardt und nahm am Kapp-Putsch gegen die deutsche Demokratie teil.
Tröbst wollte nun als Söldner auf Seiten Mustafa Kemal Atatürks im Türkischen Befreiungskrieg kämpfen, blieb aber 1920 zunächst im bulgarischen Warna hängen, da er kein Visum für die Türkei hatte. Im Januar 1921 gelangte er illegal in das seinerzeit britisch kontrollierte Konstantinopel und von dort in das von den Kemalisten kontrollierte İnebolu, wo er als Pionierhauptmann in die Türkische Armee aufgenommen wurde. Tröbst fand erst ab Ende 1921 eine konkrete militärische Aufgabe in einem Eisenbahndepot in Ereğli. Nachdem die Türkische Armee im September 1922 Smyrna erobert hatte, wurde Tröbst Anfang 1923 Befehlshaber des Eisenbahnknotens Eskişehir in Westanatolien. Nach dem Abebben der kriegerischen Auseinandersetzungen wurde Tröbst im Juni 1923 aus der Armee entlassen. Er kehrte nach Deutschland zurück und kam als arbeitsloser Hauptmann a. D. zunächst bei seinem Bruder Woldemar Tröbst[1] (1894–1968) in München unter. Er heiratete 1922 in Konstantinopel May von Lueder, sie hatten zwei Kinder, die Ehe wurde 1929 geschieden.
Auf Empfehlung von Erich Ludendorff druckte die von Wilhelm Weiß herausgegebene völkische Wochenzeitung Heimatland im September 1923 den sechsteiligen Bericht Tröbst' Mustapha Kemal Pascha und sein Werk. Von Hauptmann Tröbst, woraufhin Adolf Hitler ihn wegen seiner Bürgerkriegserfahrungen zu einem Vortrag vor SA-Leuten einlud, Tröbst und Frau waren aber inzwischen auf das Familiengut der mütterlichen Familie nach Heisede weitergezogen. Ende Oktober holte Weiß ihn erneut nach München, wo er als militärischer Führer beim Bund Oberland fungieren sollte. Er war in die Vorbereitungen zum Hitler-Putsch eingeweiht, befand sich aber am 9. November noch auf der Rückreise von einem konspirativen Treffen in Berlin und entging so der Festnahme. Tröbst war weiterhin ohne Einkommen und plante 1924 seine wirtschaftliche Existenz als Außenhandelsvertreter deutscher Unternehmen in der Türkei und als Gründer einer Getreidemühle in Eskişehir.
Stattdessen wurde er für verschiedene deutsche Zeitungen freier Auslandskorrespondent in der Türkei und auf dem Balkan und arbeitete zwischen 1925 und 1933 unter anderem für den Berliner Lokal-Anzeiger und mehrere Regionalzeitungen. 1925/26 verfasste er zusammen mit Jesco von Puttkamer neunzehn Anatolische Reisebriefe. 1925 veröffentlichte er seine Erlebnisse aus dem türkischen Unabhängigkeitskrieg in dem Buch Soldatenblut, das von Franz Schauwecker lektoriert wurde. Im Oktober 1926 wurde er wegen eines gegenüber der Türkei despektierlichen Artikels aus dem Land ausgewiesen. Er ging nach Athen und von dort im Juni 1927 nach Belgrad, wo er erstmals eine Festanstellung als Korrespondent des Scherl-Verlages erhielt. 1928 wurde er aus Jugoslawien ausgewiesen und wurde von Scherl in der Hamburger Redaktion beschäftigt. Er arbeitete 1929 für Scherl und für die Telegraphen-Union in Griechenland. Auch aus Griechenland wurde er 1930 wegen einer Politikerbeleidigung ausgewiesen und schrieb aus dem italienischen Rhodos und dem Dodekanes Feuilletons. Er zog nach Bukarest und schrieb von einer Reise zu den deutschsprachigen Kolonien in Bessarabien mehrere Reisefeuilletons für den Berliner Lokal-Anzeiger und den Tag. Seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich ab 1931 im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Tröbst war 1932/33 ein halbes Jahr lang Redakteur der deutschsprachigen Zeitung Bukarester Post. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurden die Telegraphen-Union und das Wolffsche Telegraphenbüro (W.T.B.) zum Deutschen Nachrichtenbüro (DNB) zusammengeschlossen, und Tröbst wurde Mitarbeiter des DNB. Im Unterschied zu seinem Bruder Woldemar wurde er nicht Mitglied der NSDAP. Im Juli 1934 wurde er auch aus Rumänien ausgewiesen, da er sich abfällig über den König und die Armee geäußert habe.
Ende 1934 ging er nach Harbin in die japanisch besetzte Mandschurei, um von dort mit einem Artikeldienst das DNB und deutsche Provinzzeitungen mit Feuilletons zu bedienen, und holte sich vorher das politische Plazet der NSDAP/AO. Als seine zweite Frau Octaviana Sylver und der zweijährige Sohn Cord-Christian Troebst im Juni 1935 nachkamen, hatte er sich in Dairen im japanischen Pachtgebiet Kwantung etabliert. Bei Ausbruch des Japanisch-Chinesischen Kriegs 1937 bemühte er sich um eine Akkreditierung als Kriegskorrespondent in Tientsin. Er unternahm außerdem Reisen nach Korea und Japan, von denen er in deutschen Feuilletons berichtete. Frau und Kind waren im Sommer 1939 auf Urlaub in Rumänien, als er an einem Gehirnschlag starb.
Bücher
- Soldatenblut. Vom Baltikum zu Kemal Pascha. Leipzig: K. F. Koehler, 1925
- Hans Tröbst; Artur Leipold: Das Posensche Pionier-Bataillon Nr 29 und seine Kriegsformationen Res.-Pion.-Batl. 33, Pion.-Komp. 107, 361 u. 401, Pion.-Bel.-Tr. 10 u. 29 : Bearb. im Auftr. d. Kameradschaftl. Offiz. Vereinigung d. ehem. Posenschen Pionier-Betaillons Nr 29. Berlin: Tradition Wilhelm Kolk, 1932
- Balkan durchs Schlüsselloch : Reportagen aus dem Südosten. Berlin: Verlag Tradition Wilhelm Kolk, 1933[2]
- (Hrsg.): Stecowa : Phantastisches und Übersinnliches aus dem Weltkrieg. Berlin: Tradition Wilhelm Kolk, 1932 (2019)[3]
Literatur

- Hartwig Gebhardt: Mir fehlt eben ein anständiger Beruf : Leben und Arbeit des Auslandskorrespondenten Hans Tröbst (1891–1939) ; Materialien zur Sozial- und Kulturgeschichte des deutschen Journalismus im 20. Jahrhundert. Bremen: Ed. Lumière, 2007
Weblinks
- Literatur von und über Hans Tröbst im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek