Hans Tränkle
deutscher Theaterintendant und Kulturmanager
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Hans Tränkle (* 8. Februar 1943 in Mergelstetten) ist ein deutscher Theaterintendant und Kulturmanager. Er war von 1991 bis 2009 Geschäftsführender Intendant der Württembergischen Staatstheater Stuttgart.
Leben
Hans Tränkle wuchs als Sohn eines Industriemeisters und einer Hausfrau mit vier Geschwistern in Mergelstetten bei Heidenheim an der Brenz auf. Er schlug zunächst eine Laufbahn als Notar in Tübingen ein. Während dieser Zeit war er regelmäßiger Gasthörer in den Seminaren von Hermann Bausinger am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Im Jahr 1971 orientierte er sich beruflich um und wurde Verwaltungsdirektor des Landestheaters Tübingen (LTT). Tränkle initiierte den Umbau einer leerstehenden Stuhlfabrik zur seit 1978 und bis heute genutzten, eigenständigen Spielstätte des Theaters.[1] Nach Jahren der Zusammenarbeit unter anderem mit Klaus Pierwoß als Indendanten, wurde er 1987 zum Gründungsdirektor der geplanten Theaterakademie Baden-Württemberg nach Stuttgart berufen. Das Projekt wurde aus finanziellen Gründen letztlich nicht realisiert.
In der Zwischenzeit waren die Württembergischen Staatstheater Stuttgart in finanzielle Schieflage geraten. Tränkle, der sich mittlerweile einen Ruf als Kulturmanager erarbeitet hatte, wurde 1991 vom Generalintendanten Wolfgang Gönnenwein mit der Sanierung der Finanzen betraut und zum geschäftsführenden Direktor und stellvertretenden Generalintendant ernnant. Als Gönnenwein wegen Verdachts auf Veruntreuung von öffentlichen Geldern im November 1992 von seinem Amt zurücktreten musste, wurde Tränkle Kommissarischer Generalindendant.
Tränkle entwarf daraufhin eine neue Leitungsstruktur für das weltweit größte Dreispartentheater, die als "Stuttgarter Modell" Schule machen sollte.[2] In einem Leitungsteam vertraten ab 1994 die Indentanten der Oper Klaus Zehelein, des Schauspiels Friedrich Schirmer und des Balletts Marcia Haydée gleichberechtigt ihre künstlerisch eigenständigen Sparten, während Tränkle als Geschäftsführender Intendant wirkte. Das Modell wird bis heute in Stuttgart und an anderen Theatern weitergeführt.
Die folgende Ära gilt als eine der erfolgreichsten in der Geschichte des Stuttgarter Staatstheaters. Die Staatsoper Stuttgart wurde mehrfach in Kritikerumfragen zum Opernhaus des Jahres gekürt. Das Stuttgarter Ballett genoss vor Ort, auf internationalen Tourneen sowie mit der hauseigenen Ausbildungsstätte, der John Cranko Schule, hohes Ansehen. Inszenierungen des Schauspiel Stuttgart wurden mehrfach zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Nach Intendantenwechseln in den Sparten leitete Tränkle das Staatstheater gemeinsam mit Reid Anderson (Ballett seit 1996), Hasko Weber (Schauspiel seit 2005) und Albrecht Puhlmann (Oper seit 2006). Im Jahr 2009 trat er in den Ruhestand.
Tränkle war danach weiter als Theatermanager, Dozent an diversen Hochschulen sowie für den Deutschen Bühnenverein tätig. Er beriet verschiedene Theater, wie die Bayreuther Festspiele, das Badische Staatstheater Karlsruhe, das Nationaltheater Mannheim und das Hans Otto Theater Potsdam.
Hans Tränkle ist seit 1967 mit der Kulturwissenschaftlerin Margret Tränkle verheiratet. Sie haben zwei Söhne, den Archäologen Florian Tränkle und den Philosophen Sebastian Tränkle. Die Archäologin Barbara Scholkmann ist seine Schwester, der früh verstorbene Psychologe Ulrich Tränkle war sein Bruder.
Wirken
Tränkle genießt in Fachkreisen besondere Anerkennung dafür, dass er seine betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und juristischen Expertisen stets in den Dienst der Kunst gestellt habe. So schreibt sein früherer Weggefährte Klaus Zehelein in seiner Autobiographie:
"Tränkle war ein Kunst-Ermöglicher im allerbesten Sinne: uneitel, hochkompetent, ein wirklicher Kämpfer für die Kunst. Ohne ihn wären alle unsere Erfolge in Stuttgart nicht möglich gewesen."[3]
Neben der Entwicklung des "Stuttgarter Modells" für die Theaterleitung, das nach Beratertätigkeit Tränkles unter anderem 2013 am Nationaltheater Mannheim eingeführt wurde, geht die 1995 vollzogene Umwandlung des Staatstheaters Stuttgart in einen Landesbetrieb auf sein Wirken zurück. Tränkle verfolgte den dabei Ansatz, die von der Politik eingeforderten Einsparungen so umzusetzen, dass sie nicht zu Lasten der künstlerischen Arbeit ausfielen.
Überdies wirkte Tränkle als Experte für Urheberrecht von Bühnenwerken. Er war lange als Vorsitzender des Urheberrechtsausschusses des Deutschen Bühnenvereins tätig und publizierte zum Thema. Dazu und zu anderen Themen des Kultur- und Theatermanagements gab Tränkle Lehrveranstaltungen, unter anderem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, der Universität Zürich, der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Auszeichnungen
Tränkle erhielt 1987 für seine Verdienste um das Landestheater (LTT) die Uhland-Plakette der Stadt Tübingen.[4] Im Jahr 2004 wurde sein Einsatz für das Staatstheater Stuttgart mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg gewürdigt.[5] Auf einer Abschiedsgala im Stuttgarter Staatstheater wurde Tränkle im Juli 2009 vom Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten mit der Staufermedaille in Gold ausgezeichnet.[6] Außerdem wurde er zum Ehrenmitglied der Staatstheater Stuttgart ernannt.[7] Bei der vierten Verleihung des Deutschen Theaterpreises Der Faust im November 2009 in Mainz wurde Tränkle mit dem Preis des Präsidenten "für die beispielhafte Vermittlung zwischen Kunst und Ökonomie" geehrt.[8]
Publikationen
- Stuttgart ist schon meine Heimat, in: Hanns-Werner Heister (Hrsg.), Die Ehrenmitglieder der Staatstheater Stuttgart 1912 –2018. Theatergeschichte in Porträts, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2018, S. 256–259. ISBN 978-3-17-036094-5