Hanwha Aerospace
südkoreanisches Unternehmen
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Hanwha Aerospace Co., Ltd. (koreanisch 한화에어로스페이스 주식회사) ist ein südkoreanisches Unternehmen der Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungsindustrie. Es gehört zur Hanwha-Gruppe und hat seinen Sitz in Changwon in der Provinz Gyeongsangnam-do. Hanwha Aerospace ist der einzige Hersteller von Gasturbinentriebwerken in Südkorea und spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und Instandhaltung von Flugzeugmotoren. Nach diversen Übernahmen und Fusionen deckt das Unternehmen heute ein breites Spektrum der Verteidigungs- und Raumfahrttechnik (zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum) ab. Das Unternehmen ist börsennotiert und Bestandteil des KOSPI, wo es mit einer Marktkapitalisierung von ca. 30 Milliarden Euro (Oktober 2025) zu den wertvollsten Unternehmen gehörte.[2]
| Hanwha Aerospace | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | KR7012450003 |
| Gründung | 1977 (als Samsung Precision Industry) |
| Sitz | Changwon, |
| Mitarbeiterzahl | 7.092 (2024) |
| Umsatz | 11,2 Bio. Won (7,4 Mrd. Euro) (2024)[1] |
| Branche | Luft- und Raumfahrt, Rüstungsindustrie |
| Website | www.hanwha-aerospace.do |
Geschichte
Das Unternehmen wurde 1977 unter dem Namen Samsung Precision Industry gegründet und stellte anfangs unter anderem Kameras sowie Flugzeugteile her.[3] 1987 erfolgte eine Umbenennung in Samsung Aerospace, womit eine Ausweitung auf die Entwicklung eigener Luftfahrttechnik (z. B. Helikopter) einherging. Im Zuge einer staatlich forcierten Neuordnung der koreanischen Flugzeugindustrie gab Samsung Aerospace 1999 sein Flugzeugbau-Geschäft an die neu gegründete Korea Aerospace Industries (KAI) ab und änderte den Firmennamen im Jahr 2000 zu Samsung Techwin. In den folgenden Jahren baute Samsung Techwin vor allem das Verteidigungsgeschäft aus, etwa mit der Produktion von Artilleriesystemen. Ende 2014 veräußerte die Samsung-Gruppe ihre Mehrheitsbeteiligung an Samsung Techwin[4]; im Juni 2015 wurde das Unternehmen nach der Übernahme durch Hanwha in Hanwha Techwin umbenannt. Teil derselben Übernahme war auch das Gemeinschaftsunternehmen Samsung Thales (Hersteller von Avionik und Radarsystemen), das 2015 als Hanwha Systems in den Hanwha-Konzern eingegliedert wurde.[5] 2016 übernahm Hanwha Techwin zudem die Doosan DST (Wehrtechnik-Sparte des Doosan-Konzerns) und gliederte deren Geschäft mit gepanzerten Fahrzeugen, Flugabwehr- und Raketenstartsystemen in die neue Tochtergesellschaft Hanwha Defense aus.[6]
2017 wurden drei Geschäftsbereiche von Hanwha Techwin als eigenständige Firmen abgespalten: Hanwha Land Systems (Landsysteme wie Panzerfahrzeuge und Haubitzen), Hanwha Power Systems (Energieanlagen) und Hanwha Precision Machinery (Präzisionsmaschinen, u. a. für die Halbleiterfertigung). Im April 2018 folgte die Abtrennung der Sicherheitstechnik-Sparte (Überwachungskameras), die fortan wieder den Namen Hanwha Techwin trug, während das verbleibende Unternehmen in Hanwha Aerospace Co., Ltd. umbenannt wurde. Mit diesem Schritt verlagerte Hanwha Aerospace seinen Hauptsitz und die Produktionsstätten nach Changwon und fokussierte sich nun exklusiv auf das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken.[7] In den folgenden Jahren baute Hanwha Aerospace sein Tätigkeitsfeld erneut aus: 2018 wurden vom Hanwha-Konzern weitere Flugzeugtechnologie-Bereiche (Triebwerks- und Hydrauliksysteme) in die Firma integriert, und 2019 kam es zur Zusammenführung von Hanwha Land Systems und Hanwha Defense unter dem Namen Hanwha Defense.
Im November 2022 kündigte das Unternehmen schließlich an, seine Hanwha Defense vollständig zu übernehmen. Diese Fusion wurde bis April 2023 abgeschlossen und erweiterte das Portfolio von Hanwha Aerospace vom ursprünglichen Triebwerks- und Raumfahrtsegment auf sämtliche Bereiche der Wehrtechnik (einschließlich Artillerie, Panzerfahrzeuge, Flugabwehr, unbemannte Systeme sowie Munition und Lenkwaffen). Gleichzeitig gab Hanwha Aerospace die verbliebenen zivilen Geschäftsbereiche (Hanwha Power Systems und Hanwha Precision Machinery) an andere Gesellschaften der Hanwha-Gruppe ab.[8]
Tätigkeit
Hanwha Aerospace ist Südkoreas einziger Hersteller von Flugzeug-Gasturbinentriebwerken und produziert komplette Triebwerke sowie Module und Bauteile für Flugzeuge und Hubschrauber. Das Unternehmen kooperiert hierbei mit großen internationalen Triebwerksherstellern wie General Electric, Rolls-Royce und Pratt & Whitney. Seit Aufnahme des Triebwerksgeschäfts im Jahr 1979 hat Hanwha Aerospace insgesamt über 8.000 Flugzeugtriebwerke gefertigt (Stand 2018)[7], darunter auch in Lizenz produzierte Modelle wie das General-Electric-F404-Triebwerk des südkoreanischen KAI T-50-Trainerjets.[3]
Neben der Luftfahrttechnik stellt Hanwha Aerospace eine Vielzahl von Wehrtechnologie für Land-, Luft- und Seestreitkräfte her. So fertigt das Unternehmen die 155-mm-Panzerhaubitze K9 Thunder, die von zahlreichen Streitkräften weltweit genutzt werden.[9] Mit der Integration der Tochter Hanwha Defense im Jahr 2023 kamen auch eigene gepanzerte Fahrzeuge wie der Schützenpanzer K21 NIFV ins Produktportfolio.[10] Außerdem entwickelt Hanwha Aerospace nun Flugabwehrsysteme, Raketenwerfer sowie Lenkflugkörper, Munition und andere Präzisionswaffen.[11]
Im Bereich Raumfahrt ist Hanwha Aerospace seit den 2020er-Jahren ebenfalls aktiv. Das Unternehmen entwickelte die Haupttriebwerke für die Trägerrakete Nuri (KSLV-II), mit der Südkorea seit 2022 mehrere Satelliten ins All beförderte. Ende 2022 wurde Hanwha Aerospace von der koreanischen Regierung als Hauptauftragnehmer für künftige Trägerraketenprojekte bestimmt, einschließlich weiterer Starts der Nuri-Rakete bis 2027. Darüber hinaus ist der Konzern im Satellitensektor (Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten) engagiert und entwickelt Marine-Technologien wie z. B. Lithium-Ionen-Batteriesysteme für U-Boote und Schiffsturbinen für Marineschiffe.[11]
Struktur
Hanwha Aerospace ist seit April 2018 an der Korea Exchange in Seoul börsennotiert. Die Hanwha Corporation (Holding der Hanwha-Gruppe) ist mit etwa 36 % der Anteile (2025) Hauptaktionär des Unternehmens.[12] Nach einer umfassenden Konzernneuordnung in den Jahren 2022/23 konzentriert sich Hanwha Aerospace ausschließlich auf das Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsgeschäft, während die vormals zum Unternehmen gehörenden zivilen Sparten (z. B. Präzisionsmaschinenbau, Energieanlagen und Sicherheitstechnik) an andere Hanwha-Gesellschaften übertragen wurden. Im Zuge der Fusion wurden die bis dahin eigenständige Tochter Hanwha Defense sowie das Munitionsgeschäft Hanwha Munitions in Hanwha Aerospace eingegliedert.[10] Außerdem hält Hanwha Aerospace eine Beteiligung von rund 49 % an der börsennotierten Hanwha Systems Co., Ltd., einem Schwesterunternehmen, das sich auf Verteidigungselektronik und IT-Dienstleistungen spezialisiert hat.[13]
